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Discount-Klamotten

Nähen für zehn Cent pro Stunde

Von Evelyn Binder, 06.10.09, 21:20h

Die aggressive Einkaufspolitik von Discountern hat vor allem in der Textilbranche verheerende Konsequenzen: Näherinnen aus Drittwelt-Staat haben Stundenlöhne von nur wenigen Cents - und kaum Kenntnis von ihren Arbeitnehmerrechten.

Näherinnen
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Arbeiten für Centbeträge: Näherinnen in Indien. (Bild: CIR)
Näherinnen
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Arbeiten für Centbeträge: Näherinnen in Indien. (Bild: CIR)
KÖLN - 40 Grad im Schatten, kein Ventilator, kein Trinkwasser - wenn Deutschlands Kunden sich über Schnäppchen beim Discounter, im Warenhaus oder in Modegeschäften freuen, ahnen sie meist nicht, unter welchen Bedingungen ihre neue Billig-Jeans oder das Billig-Shirt in einer der vielen tausend Textilfabriken in Indien, Bangladesch oder Kambodscha genäht wurde.

Für ihre 14-Stunden-Schicht in einer Textilfabrik im indischen Bangalore bekommt eine Näherin umgerechnet gerade mal 1,40 Euro am Tag, berichtet die Christliche Initiative Romero, die sich weltweit für Arbeits- und Menschenrechte einsetzt. Macht zehn Cent pro Stunde und bei der dort üblichen Sechs-Tage-Woche gut 36 Euro im Monat. Netto blieben vielen Näherinnen im Schnitt allerdings oft kaum mehr als 21 Euro. „Das reicht bei weitem nicht, um die Existenz zu sichern“, sagt Sandra Dusch-Silva von der Initiative. Durch die Wirtschaftskrise habe sich die Lage der Näherinnen noch weiter zugespitzt: Vor allem kleinere Familienunternehmen litten derzeit unter dem Auftragsrückgang. Die Löhne seien reduziert worden, gleichzeitig aber seien die Lebenshaltungskosten gestiegen. Viele Näherinnen wüssten auch gar nicht, dass sie gewisse Grundrechte hätten: In Bangladesch etwa habe ihr eine 18-jährige Schwangere erzählt, sie dürfe in der Fabrik nur einmal am Tag zur Toilette, berichtet Dusch-Silva.

Für die Missstände macht die Initiative vor allem die aggressive Einkaufspolitik von Discountern verantwortlich. Der hohe Preisdruck sowie immer kürzere Lieferfristen verhinderten eine Umsetzung arbeitsrechtlicher Bestimmungen und führten zu sinkenden Sozialstandards, so die Initiative. In vielen Ländern Asiens gebe es zwar einen Mindestlohn, doch der liege vielfach unter der Armutsgrenze.

Mittlerweile haben viele Textilanbieter schon aus Imagegründen ihre Vertragspartner in Asien auf soziale und gesundheitliche Mindeststandards verpflichtet, doch diese Initiativen blieben bislang hinter den Erwartungen zurück, beklagt Dusch-Silva. Das Problem sei, dass die Kontrollen nur dürftig seien. Vor allem aber würden sie in aller Regel lange vorher angekündigt, so dass die Fabrikbesitzer Zeit hätten, die Räume vorzubereiten.

Die Initiative tritt für fairere Löhne ein sowie für bessere Arbeitsbedingungen. Am heutigen „Welttag für menschenwürdige Arbeit“ wollen Vertreter der Initiative vor der Lidl-Zentrale in Neckarsulm protestieren. Dass die Preise für Textilien deutlich stiegen, wenn die Näherinnen höhere Löhne bekämen, glaubt Dusch-Silva nicht. Denn der Lohnkostenanteil am Endverbraucherpreis betrage nur fünf Prozent. Selbst bei einer Verdopplung der Löhne würde sich das kaum bemerkbar machen, glaubt Dusch-Silva.



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