Von Sebastian Moll, 07.10.09, 18:36h, aktualisiert 08.10.09, 11:02h
Dass die Angeklagten schuldig gesprochen werden, gilt als sicher. Schließlich hat der Anwalt von Travolta dem Gericht in Nassau ein Video vorgespielt, in dem Bridgewater unmissverständlich versucht, dem Schauspieler gegen die Herausgabe eines Dokuments 25 Millionen Dollar zu entlocken. Das Urteil, das im Lauf der kommenden Woche erwartet wird, dürfte somit fest stehen.
Aber die Frage, ob die Erpresser verurteilt werden oder nicht, war von Anfang nicht der Grund dafür, dass viele Amerikaner den Prozess so gebannt verfolgten. Was man wirklich wissen will ist, warum die Erpresser glaubten, Travolta unter Druck setzen zu können. Genauer gesagt: Es geht um John Travoltas Rolle beim Tod seines Sohnes Jett.
Jett Travolta war Autist und hatte, wie sein Vater unter Tränen aussagte, alle fünf bis zehn Tage Krampfanfälle. Am 2. Januar wurde der 16 Jahre alte Jett wieder von einer solchen Attacke heimgesucht - so schlimm, dass Travolta Senior einen Krankenwagen rief. Travolta beorderte den Fahrer des Transports aber nicht Krankenhaus in der Hauptstadt der Bahamas, sondern zum Flughafen. Travolta wollte seinen Sohn lieber mit seinem Privatjet nach Florida fliegen, als ihn auf den Bahamas behandeln zu lassen
Der Sanitäter, Travoltas späterer Erpresser Lighthouse, willigte ein, ließ Travolta aber aus rechtlichen Gründen ein Papier unterschreiben, mit dem der Star („Saturday Night Fever“, „Pulp Fiction“) bestätigte, dass er auf eine Behandlung vor Ort verzichtet. Jett Travolta starb noch während des Krankentransports. Lighthouse versuchte später mit seiner Komplizin Bridgewater Travolta zu erpressen. Travolta ließ sich eigenen Aussagen zufolge zunächst auf den Deal ein, um wasserfeste Beweise gegen seine Erpresser zu sammeln.
Lighthouse und Bridgewater behaupten hingegen, Travolta habe etwas zu verbergen gehabt. Travolta, so die Unterstellung, hat nicht wegen der besseren Ärzte nach Florida fliegen wollen. Vielmehr habe er wegen seiner Zugehörigkeit zur Glaubensgemeinschaft der Scientologen seinem Sohn überhaupt keine medizinische Hilfe zukommen lassen wollen. Travolta verwehrt sich entschieden gegen solche Unterstellungen und bekommt prominente Schützenhilfe. Ober-Scientologe Tom Cruise sagte im Interview mit dem Fernsehsender ABC, dass seine Religion die Errungenschaften der modernen Medizin enorm schätze: „Scientology sagt, nimm Deine Medizin und bekomme Deine Krankheiten in den Griff.“
Ein Artikel im Online-Magazin Daily Beast zitierte hingegen Ex-Scientologen, die aussagten, die Medizinfreundlichkeit der Sekte beziehe sich nur auf körperliche Gebrechen. Psychische Krankheiten, und dazu werde auch Autismus gezählt, gelten hingegen als Stigma - es wird sogar geleugnet, dass sie überhaupt existieren. Behandlungen würden dementsprechend auch nicht als notwendig betrachtet - Willen und Glaube alleine sollen helfen. Eine Ex-Scientologin fand deshalb Travoltas Schritt, vor Gericht die Krankheit seines Sohnes zuzugeben, einen „unglaublichen Fortschritt.“ Er gebe ihr Hoffnung, dass Travolta bald ebenfalls aus der Kirche austritt und so dazu beiträgt, dass die amerikanischen Scientologen an Macht und Einfluss verlören.
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