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Simon Rolfes

„Wir sind da, wenn es drauf ankommt“

Erstellt 12.10.09, 21:28h, aktualisiert 13.10.09, 10:21h

Leverkusens Kapitän äußert sich im Interview über das Länderspiel gegen Russland, den Kampf um einen Stammplatz in der Nationalelf und das Wiedersehen mit seinem Ex-Trainer Bruno Labbadia beim Spitzenspiel gegen den HSV.

Simon Rolfes
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Beliebt: Simon Rolfes, geherzt von Miroslav Klose. (Bild: Getty)
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Beliebt: Simon Rolfes, geherzt von Miroslav Klose. (Bild: Getty)
KÖLNER STADT-ANZEIGER: Herr Rolfes, nach dem vielleicht wichtigsten Sieg Ihrer Karriere gegen wir davon aus, dass Sie ein glücklicher Mensch sind.

SIMON ROLFES: Ja klar, wir sind schon sehr erleichtert, dass es so geklappt hat. Es ist wunderbar, dass wir es in Russland geschafft haben und jetzt kein Endspiel mehr gegen Finnland haben. Seit Beginn des Jahres hat alles schon an dieses Russland-Spiel gedacht und darauf hingefiebert, der Rest waren ja mehr oder weniger nur Pflichtaufgaben.

Wie wirkt dieser spezielle Abend in Ihnen nach?

ROLFES: Es war vor allem von der Konzentration ein sehr schwieriges Spiel, auch für mich persönlich, weil nicht klar war, dass Arschawin so viel aus dem Zentrum kommen würde. Er ist der klare Kopf dieser Mannschaft, der 85 Prozent aller Tore vorbereitet. Deshalb war es wichtig, ihn aus dem Spiel zu nehmen. Und ich denke, das ist uns auch ganz gut gelungen.

Sie spielen direkt an der Seite von Michael Ballack. Wie wichtig ist es, dass die Zusammenarbeit mit ihm persönlich funktioniert.

ROLFES: Klar ist das entscheidend, aber genau so wichtig ist die Zusammenarbeit der ganzen Mannschaft. Alle sind wichtig, aber dass Michael die zentrale Figur ist, ist klar.

Dennoch sind Sie von allen Spielern derjenige, der ihm in der taktischen Ordnung am nächsten steht. Einst galt der Mann auf dieser Position, Torsten Frings, als Vertrauter von Ballack. Wie wichtig ist es für Sie, das Vertrauen des Kapitäns zu haben?

ROLFES: Grundsätzlich ist es wichtig, dass man von jedem Spieler das Vertrauen spürt. Das ist die Grundvoraussetzung im Fußball, um erfolgreich als Mannschaft spielen zu können. Und da gehört der Kapitän eben auch dazu. Aber ich will es nicht auf ihn reduzieren. Es hilft ja nichts, wenn dir nur der Kapitän vertraut und alle anderen nicht.

In der WM-Qualifikation hatte Thomas Hitzlsperger alle Qualifikationsspiele gespielt. Und im entscheidenden sind plötzlich Sie dran. Gibt Ihnen das Bestätigung im Bemühen, den Stammplatz in der Nationalmannschaft auf Dauer zu erkämpfen?

ROLFES: Ich will jetzt kein Ranking vornehmen, und auch das Verhältnis von Thomas zu mir wird dadurch nicht gestört. Wir kennen uns schon sehr lange und verstehen uns sehr gut, das wird sich nie ändern, egal, wer spielt. Außerdem haben wir ja wie bei der EM gegen Portugal auch schon nebeneinander gespielt. Ich war halt einfach gut drauf, bestens vorbereitet und froh, dass ich es so zeigen konnte. Wenn ich nicht gespielt hätte, wäre ich sicher enttäuscht gewesen. Es ist ganz klar weiter mein Ziel, in der Nationalmannschaft einen Stammplatz zu haben. Und dafür ist es wichtig, jedes Spiel von Anfang bis Ende zu machen.

Viele haben diesen Sieg als Zeichen der Stärke Deutschlands an den Rest der Fußball-Welt gesehen. Empfinden Sie das genau so?

ROLFES: Mit Sicherheit haben vie le nach Moskau geschaut und gedacht: Mal sehen, ob die das schaffen. Und es war ein eindrucksvoller Beweis dafür, dass die Deutschen da sind, wenn es drauf ankommt. Ich denke, dass dieses Spiel psychologisch für uns wichtig ist und für den Umgang mit unseren kommenden Gegnern.

Sie sind mit 27 Jahren in dieser jungen Mannschaft schon ein älterer, reiferer Spieler. Oder wie sehen Sie sich selbst?

ROLFES: Das hat zwei Aspekte. Spieler wie Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger und Lukas Podolski haben mehr Länderspiele, obwohl sie jünger sind, weil ich eben etwas später dazu gekommen bin. Aber rein vom Alter her bin ich, ich will sagen, einen Tick erfahrener.

Wie verfolgen Sie den Aufstieg von René Adler im deutschen Tor?

ROLFES: Also, ich bin sein Mitspieler bei Bayer Leverkusen und sehe ihn jeden Tag im Training. Ich kann einfach nur sagen, dass er ein großartiger Torwart ist. Ich sitze in der Kabine neben ihm, habe jeden Tag mit ihm zu tun, und da freut es mich natürlich auch ganz besonders für den René, dass er so eine starke Leistung abgeliefert hat. Ich weiß, dass er es kann, weil ich jeden Tag sehe, wie gut er ist.

Dann müssten Sie auch enttäuscht gewesen sein mit Stefan Kießling, der nicht nominiert wurde.

ROLFES: Wir diskutieren hier nicht über Nominierungen. Wir sind hier, um uns auf die Spiele zu konzentrieren. Als Kol lege von Stefan habe ich schon ein paar Mal zu ihm gesagt: Du musst dich als Spieler ausschließlich auf das konzentrieren, was du beeinflussen kannst. Das ist die Arbeit und der Erfolg in Leverkusen. Das hat er in den letzten Wochen wunderbar gemacht, das muss er weiter so machen.

Sie persönlich haben Ihre Hamburger Woche mit dem Länderspiel und dem Bundesliga-Topspiel beim HSV. Gibt es da noch etwas aufzuarbeiten mit HSV-Trainer Bruno Labbadia?

ROLFES (lacht): Warum wusste ich, dass diese Frage kommt? Ich denke, dass da genug geschrieben wurde und dass wir uns seit Saisonbeginn auf etwas anderes konzentriert haben als die Vergangenheit. Ich denke nicht, dass das jetzt noch eine wahnsinnige Rolle spielt in Leverkusen. Wir sind neu aufgestellt bei Bayer 04, und ich bin froh, dass wir wieder so eine gute Rolle spielen.

Die Gefahr durch Übermotivation wird also nicht bestehen.

ROLFES: Wir sind Erster, Hamburg ist Zweiter, wir sind beide punktgleich. Das ist die Motivation. Es ist völlig egal, dass unser Ex-Trainer die Hamburger trainiert. Das ist ein besonderes Spiel. Wer auf der anderen Seite der Trainer ist, das hat mich eigentlich noch nie interessiert.

Das Gespräch führte Frank Nägele



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