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Vize-Gouverneur

Ein Troisdorfer im Kongo

Von Michael Hesse, 13.10.09, 17:37h, aktualisiert 13.10.09, 18:08h

Die Einheimischen nennen ihn „Allemand“, für seinen eigenen Geschmack handelt er oft zu deutsch: Jean-Claude Kibala kam 1992 aus dem Kongo nach Deutschland. Jetzt kehrte der Bau-Ingenieur zurück und kämpft als Politiker gegen Chaos und Korruption.

Jean-Claude Kibala
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Jean-Claude Kibala und seine Familie.
Jean-Claude Kibala
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Jean-Claude Kibala und seine Familie.
Troisdorf - BONN - Jean-Claude Kibala kriegt die Krise. Der 44-jährige Vize-Gouverneur einer Provinz mit 4,5 Millionen Einwohnern, mehreren Hunderttausend Binnenflüchtlingen und Dauerkonflikten ist angetreten, um im Kongo gegen Chaos und Korruption zu kämpfen. Dieses Vorhaben ist umso schwerer geworden, seit im vergangenen Jahr die Weltkrise in seiner Provinz ankam. Der Export der wichtigsten Rohstoffe, es wird Zinn, Kupfer oder Coltan abgebaut, brach ein und viele Menschen begannen zu hungern.

Kibala kommt aus Troisdorf, seine Familie, eine Frau und zwei Kinder leben immer noch dort. Der gebürtige Kongolese war als Student unter dem autoritären Mobutu-Regime in Ungnade gefallen und 1992 über ein Austauschprogramm nach Deutschland gelangt. Als Bauingenieur arbeitete er danach in ganz Europa. Im Jahr 2006 hatte er die Idee, als Politiker in seine Heimat zurückzukehren und für das Parlament in Kinshasa zu kandidieren. Der Kandidat aus Troisdorf scheiterte zwar knapp, dafür ergab sich eine andere Möglichkeit. Kibala Vize-Gouverneur in Süd-Kiwu, einer Provinz des Kongo.

Im Kongo befindet sich Kibala im steten Kampf gegen Korruption und Machtmissbrauch. Der „Allemand“, wie ihn die Einheimischen nennen, geht manches Mal allzu deutsch vor, sagt er von sich selbst. Er hasst die Kleptokraten im Kongo, die dem Land seine Zukunft stehlen. Internationale Zuwendung landen zu oft in den Taschen der Politiker, die als erste Zugriff auf das Geld haben. Fürs Volk bleibt nichts übrig.

Die Wirtschaftskrise in der Stadt Bukavu. wo sein Gouverneursbüro immer noch auf einen Kopierer wartet, wird dies alles noch verschlimmern. Dabei ist es schon schlimm genug. In den Kivu-Provinzen agieren aus Ruanda geflohene Hutu-Milizen, die rohstoffreiche Areale unter ihrer Hand haben. Dies war ein Grund für die Rebellionen, die das Land vergangenes Jahr heimsuchten.

Seinem Freund Rupert Neudeck, Chef der Grünhelme, erzählte er: „Ich habe einen Leibwächter gehabt, der am Tage im Auto immer einschlief.“ Er habe ihn dann zur Rede gestellt, und ihm gesagt, „dass ich ihn entlassen muss, wenn das noch mal passiert“. Es geschah noch mal, und da er das nicht verstanden habe, habe mir der Polizist alles erzählt: „Ich kann in der Nacht nie schlafen. Ich muss immer wieder das Bild vor mir sehen, dass ich als Kindersoldat jemanden, der noch nicht ganz tot war, lebendig begraben musste, und das auch getan habe. Dieses Alptraumbild raubt mir jede Nacht den Schlaf.“

Die Grünhelme helfen

Rupert Neudeck, der Chef der Grünhelme, baut derzeit im Kongo eine Schule, ein Vorhaben, das die Grünhelme mit großem Verdienst in vielen anderen Teilen der Welt bereits realisiert haben. Eine Spende der Firma von Kibalas Frau, Emons in Porz, half maßgeblich bei dem Projekt mit. „Die Arbeiten werden zu Mitte November fertig sein“, sagt Rupert Neudeck. Dann wolle man mit dem Vize-Gouverneur und vielleicht einem deutschen Abgeordneten an einem Adventssonntag die Eröffnung des Gymnasiums feiern. Im vergangenen Jahr trug Kibala über seine Vermittlungstätigkeit bei Präsident Joseph Kabila mit dazu bei, eine junge deutsche Forscherin eines Max-Planck-Instituts aus Leipzig zu retten, die im Kongo als verschollen galt.

Dass Jean-Claude Kibala etwas besonderes an sich hat, davon sind die Menschen in Süd-Kiwu ohnedies fest überzeugt. Ein als Hexer verschriener Dorfvorsteher wollte ihn gar umbringen, weil Kibala einen Brückenbau vorschlug, der Vorsteher aber von seinen Fährfahrten lebt. Als Kibala ihm die Hand gab und sagte, mit der Brücke werde er noch viel reicher, weil es seinen Leuten besser gehen werde und sie dann mehr Abgaben zahlen könnten, schauten alle ungläubig: „Sie waren erstaunt, dass ich nicht tot umfiel.“ Dieser Kibala, sagte man fortan, habe einen Talisman. „Doch zwanzig Kilometer später fuhren unsere Motorräder nicht mehr“, erklärt der Kandidat aus Troisdorf lachend. „Siehst du“, hätten seine Begleiter aufgeregt gerufen, „er hat dich doch verhext.“ Die Macht der Geister zu beschwören ist ein opportunes Mittel in der kongolesischen Politik. Intrigen zu spinnen ebenfalls. Kibala selbst kann über den Aberglauben seiner Landsleute da nur den Kopf schütteln.



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