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Frankfurter Buchmesse

China als strittiges Gastland

Von Martin Oehlen, 13.10.09, 20:28h, aktualisiert 14.10.09, 14:15h

Die Frankfurter Buchmesse ist als Ort des freien Wortes bekannt. Die Volksrepublik China hingegen weniger. Innerhalb der kommenden Tage wird sich zeigen, inwieweit diese beiden Gegenpole unter einen Hut zu bekommen sind.

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Die 61. Frankfurter Buchmesse öffnet vom 14. bis zum 18. Oktober 2009 ihre Tore. (Bild: dpa)
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Die 61. Frankfurter Buchmesse öffnet vom 14. bis zum 18. Oktober 2009 ihre Tore. (Bild: dpa)
Das Gastland strahlt in wolkigem Weiß. Seine Bücher werden umfasst von einem papierenen Himmel, einem reizenden Berg, einem sanft glucksenden Tusche-See und der Erinnerung daran, wer der Welt Papier und Buchdruck geschenkt hat: China. Die Volksrepublik, die in diesem Jahr im Zentrum der Frankfurter Buchmesse steht, stellt sich und seine Buchlandschaft so leicht und heiter dar wie man es sich nur wünschen kann. Doch wie's im Innern wirklich aussieht - das geht alle etwas an, die noch nicht müde geworden sind, die Meinungsfreiheit zu preisen.

Jürgen Boos, der Direktor der Frankfurter Buchmesse, wähnt daher ein paar „unbequeme” Tage auf sich zukommen. Das liegt nicht nur an dem stolzen Kulturriesen, der sich nicht gerne belehren lässt - schon gar nicht, wenn er als Gast geladen ist. Das liegt auch daran, dass Boos im Vorfeld der Messe ein wenig gewackelt hat, als es darum ging, auch Regimekritiker zu einem Symposium einzuladen. Nun kommt es für ihn darauf an, die Messe ohne Wenn und Aber als Ort des Freien Wortes zu zementieren, der sie immer war. So verwies er am Dienstag darauf, dass es neben dem offiziellen Programm der Volksrepublik auch noch 250 weitere Veranstaltungen geben werde, auf denen Exil-Autoren, Regimekritiker und Menschenrechtsorganisationen zu Wort kommen sollen. Der Satz zum Selbstverständnis: „Um es ganz klar zu machen: Wir verurteilen die Menschenrechtsverletzungen und Einschränkungen der Meinungs- und Pressefreiheit in der Volksrepublik China aufs Schärfste.”

Das ist jetzt die gängige Münze. Die Buchmesse freut sich über Chinas massive Literatur-Präsenz, die in der Außendarstellung des Landes bislang einmalig ist. Doch zugleich steht sie stramm auf dem Boden der demokratischen Werteordnung. Daher kündete Gottfried Honnefelder, der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, schon am Morgen an, was er am Abend bei der offiziellen Eröffnung sagen würde. Der Hoffnung wolle er Ausdruck geben, „dass unsere Kollegen, die Autoren und Verleger, in China die notwendige Freiheit für ihr Leben und ihre Arbeit haben.”

Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach zur Eröffnung von dem großen Interesse, mit dem man auf die dynamische Entwicklung Chinas blicke. Damit verbunden sei auch eine gesteigerte Verantwortung in der Welt. Dies gelte auch in Bezug auf die Meinungsfreiheit. Die Literatur fordere jeden auf, mehr Offenheit zu wagen. Auf die neue Bundesregierung setzt der Börsenverein einige Hoffnung. Sie soll dazu beitragen, dass das Urheberrecht im Internet besser geschützt werde. Es dürfe nicht sein, heißt es, dass der illegale Download von Texten nicht eingedämmt werde.

Das Urheberrecht ist auf der Messe ein ähnlich heißes Thema wie die China-Frage. Da werden die Mienen selbst dann sehr ernst, wenn es gute Nachrichten gibt. So ist der Börsenverein zunächst einmal erfreut darüber, dass das „Google Book Settlement“ vorerst auf Eis gelegt worden ist. „Unsere Haltung ist eindeutig”, sagt Vorsteher Honnefelder: „Wir sind für die Digitalisierung, aber gegen die Monopolstellung eines privatwirtschaftlichen Unternehmens, das darüber bestimmen kann, welche digitalen Inhalte öffentlich gemacht werden.” Denn dann wären die Inhaber von geistigem Eigentum mit einem Schlag und ohne ihren Willen weltweit der Willkür eines einzelnen „und zudem branchenfremden Konzerns” ausgesetzt. Dass der Buchhandel bei seinem Kreuzzug für das Urheberrecht im Internet keine Rückendeckung von den zuständigen Kommissaren der Europäischen Union erhält, nimmt der Börsenverein mit „Entsetzen” zur Kenntnis. Und er protestiert „in aller Schärfe”.

Die Substanz des deutschen Buchmarkts ist derweil so eindrucksvoll wie eh und je. Die Krise findet hier nicht statt - und die Lage ist „gut”. Zwar will man das Jahr nicht vor dem Weihnachtsgeschäft loben - doch einen Einbruch wird es auf keinen Fall geben. Im Vergleich zum Vorjahr hat der Buchmarkt bis Oktober ein Umsatzplus von 2,8 Prozent verzeichnet. Ein bemerkenswertes Ergebnis in einem Land, in dem die Ausgaben für Konsumgüter insgesamt gesunken sind.



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