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Pflegeheime

Bewertungssystem ohne Wert

Von Stefan Sauer, 14.10.09, 18:14h, aktualisiert 14.10.09, 18:28h

Der Streit um das neue Bewertungssystem für Pflegeheime dauert an: Erste Benotungen für ambulante Pflegedienste lassen nun ebenfalls auf erhebliche Verzerrungen schließen. Selbst der Medizinische Landesdienst der Krankenkassen hat Zweifel.

Pflegeheim
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Die Altenpflege hat keinen guten Ruf. (Symbolbild: dpa)
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Die Altenpflege hat keinen guten Ruf. (Symbolbild: dpa)
BERLIN - Mehr Transparenz für die Verbraucher und einen Wettbewerb um Qualität hatte sich der Gesetzgeber durch die Pflege-Reform 2008 versprochen. Benotungen aller 10 300 Pflegeheime und 11 000 ambulanten Dienste in Deutschland sollten diesem Ziel dienen: Die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen. In der Realität aber funktioniert die Aschenputtel-Methode offenbar nicht. Namhafte Experten hatten bereits vor Monaten das Bewertungssystem für stationäre Einrichtungen als untauglich kritisiert. Schwerwiegende Defizite würden verschleiert, indem sie durch gute Noten für unwesentliche Nebensächlichkeiten ausgeglichen werden könnten.

Erste Benotungen für ambulante Pflegedienste lassen nun ebenfalls auf erhebliche Verzerrungen schließen. „Die Ergebnisse werden in keiner Weise der Realität gerecht. Sie führen in die Irre“, sagt Andreas Peifer, Landesvorsitzender des Sozialverbandes VdK in Rheinland-Pfalz dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Peifer beruft sich auf erste Ergebnisse des Medizinischen Landesdienstes der Krankenkassen (MDK) in Rheinland-Pfalz, die dem VdK vorliegen. Danach schnitten 14 von 29 geprüften Pflegedienste mit der schlechtesten Note Fünf ab.

Ein solcher Befund verzerre die Pflegewirklichkeit im Lande auf groteske Weise. „Anders als bei den schöngerechneten Noten für die Heime werden die ambulanten Dienste schlecht gerechnet“, so Peifer. Zum Einen stünden den ambulanten Diensten keine jener „Weichspülkriterien“ zur Verfügung, die im stationären Bereich zu ungerechtfertigt guten Benotungen geführt hätten. Zum anderen bezögen sich viele Prüfkriterien für die ambulante Pflege-Qualität auf formale Dokumentationspflichten: „Wenn die Pflegeleistung an sich sehr gut ist, die Dokumentation aber unvollständig, gibt's eine Fünf.“ Das Ziel des Bewertungsverfahrens, vor allem die bei den Pflegebedürftigen ankommende „Ergebnisqualität“ zu erfassen, werde somit „auf den Kopf gestellt“, so Peifer.

Diesen Eindruck bestätigen frühere Fachprüfungen des zentralen Medizinischen Diensts im Krankenkassenspitzenverband (MDS): Der nicht zur Veröffentlichung vorgesehenen 2. MDS-Qualitätsbericht 2007 stellte bei in 5,7 Prozent der 3500 geprüften Pflegeambulanzen einen „unzureichender Pflegezustand“ fest. Nach dem neuen „transparenten“ Benotungssystem erhielten dagegen fast 50 Prozent eine Fünf . Umgekehrt wurde 2007 in 35,5 Prozent der Pflegeheime eine „nicht angemessene“ Dekubitusvorsorge und Behandlung festgestellt. Auf der Schulnotenskala erhielten aber nur 1,1 Prozent der Einrichtungen die Gesamtnote mangelhaft.

Erhebliche Zweifel an der Methodik hegen mittlerweile auch einige Experten der MDK selbst, die die Prüfungen nach dem vorgegebenen Kriterienkatalog seit Anfang Juli durchführen (und an dessen Zustandekommen die Heimträger mit entscheidend beteiligt waren). Die Dienste aus Hessen, dem Saarland, Bremen und Rheinland-Pfalz kamen zu dem Schluss, dass die Gesamtnoten für Pflegeheime „überwiegend nicht nachvollziehbar“ seien. Peifer: „Das Bewertungssystem gehört in die Mülltonne.“



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