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Ostasiatisches Museum

Das Juwel im Westen

Von Martin Oehlen, 17.10.09, 12:53h, aktualisiert 17.10.09, 13:01h

Seit mittlerweile hundert Jahren gibt es das Museum für Ostasiatische Kunst in Köln. Das Jubiläum wird mit gleich zwei Ausstellungen gefeiert: Zum einen ist buddhistische Kunst aus China und zum anderen sind japanische Farbholzdrucke zu sehen.

Sitzender Buddha vor der Wucht der Worte....
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Sitzender Buddha vor der Wucht der Worte. (Bild: Worring)
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Sitzender Buddha vor der Wucht der Worte. (Bild: Worring)
KÖLN - Die Ruhe gehört zum Stilprinzip. Sie ist hier so sehr erwünscht wie in einem sakralen Raum. Nur dient die meditative Stille am Aachener Weiher nicht einem Gottesdienst, sondern korrespondiert mit der Lebensphilosophie des Fernen Osten, dem sich das Museum für Ostasiatische Kunst (MOK) verschrieben hat - angesiedelt im Westen der Welt, im Westen der Stadt.

Damit erfüllt es die Hoffnungen, die Adolf und Frieda Fischer hegten, als sie ihre Sammlung vor 100 Jahren - genau am 21. Juni 1909 - der Stadt Köln vertraglich anvertrauten. „Wir werden dieser Kunst nicht einen fürstlichen Palast erbauen“, schrieb Frieda Fischer in ihr Tagebuch. „Ein ruhiges, vornehmes Schatzhaus soll es werden, das selbst nicht spricht, sondern nur das Kunstwerk zu Wort kommen lässt. Keine Repräsentationssäle oder pompöse Treppenhäuser sieht unser Plan vor, sondern stille Räume, die zu einem Sichversenken in die Kunstwerke einladen.“

So ist es. Jedenfalls in dem aktuellen Gebäude, das 1977 eröffnet worden ist. Der Japaner Kunio Maekawa (1905-1986) hat für die Werke aus China, Japan und Korea einen flachen, klar strukturierten Bau entworfen, der sich unaufdringlich in den städtischen Naturraum einschmiegt. Er umfängt einen Meditations-Garten, den der Japaner Masayuki Nagare gestaltet hat.

„Es ist selbstverständlich“, hatte Adolf Fischer 1904 geschrieben, „dass ein Museum für ostasiatische Kunst in einem Garten oder in Anlagen im Grünen liegen müsste, denn solch ein Gebäude wäre mit Nachbarbauten kaum in Einklang zu bringen.“ Seinem Wunsch wird heute geradezu mustergültig entsprochen.

Doch am Hansaring, wo das Museum 1913 als erstes seiner Art in Deutschland eröffnet und im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde, war es mit der Natur nicht weit her. Dort entwickelte sich vor 100 Jahren ein Museumsquartier, wie es in unserer Zeit eines Tages doch noch am Kölner Neumarkt eröffnet werden soll. Zu dem „Emporium der Kunst“, wie der „Kölner Stadt-Anzeiger“ damals das Areal in der Nordstadt nannte, gehörten neben dem MOK noch das Kunstgewerbemuseum und die Sammlung Schnütgen. Diese Kölner Museen - wie auch das Wallraf-Richartz-Museum in der Innenstadt - waren dem Engagement der Bürger zu verdanken. Sie hatten sich auch für das ostasiatischen Museum stark gemacht, nachdem Fischer zuvor mit der Hauptstadt Berlin und dem Flottenstützpunkt Kiel als Standort geliebäugelt hatte.

Die Gründung fiel in eine „Achsenzeit“, sagt Museumsdirektorin Adele Schlombs. Mit der deutschen Kolonialpolitik wuchs das Interesse - nicht zuletzt das kunstwissenschaftliche - an den so fernen Gebieten. So schrieb der Generaldirektor der sächsischen Museen in Dresden 1903 in einer Denkschrift: „Die Gelegenheit, gute Werke der asiatischen Kunst zu erwerben, wird immer seltener; hat uns doch der chinesische Krieg nach dieser Richtung so gut wie nichts eingebracht, weil unterlassen worden war, der Expedition einen kunstwissenschaftlichen Beirat mitzugeben.“ Das klingt sehr nach schierem Beutekunst-Begehren. Und es könnte ein Thema sein für das internationales Symposium in Köln, das sich Ende des Monats mit dem Erblühen der Museen für ostasiatische Kunst befassen wird.

Fischer, bei dem der im 19. Jahrhundert in Europa aufblühende Japonismus starke Wirkung gezeigt hatte, sammelte eine Weile sogar im Auftrag des deutschen Reiches in Ostasien. Dabei gelang es ihm aber auch, immer wieder Exponate für seine eigene Sammlung zu sichern. Ihre bis heute gültige Qualität ergibt sich daraus, dass Fischer mit hohem kuntswissenschaftlichen Ernst ans Werk ging. Da war er vielen seiner Zeit weit voraus.

Heute erfüllt das Museum mit seiner in Deutschland herausragenden Sammlung, die nur vergleichbar ist mit dem Museum für Ostasiatische Kunst in Berlin, „eine gesamtstaatliche Aufgabe“ - so die Selbsteinschätzung. Allerdings wird diese Aufgabe bislang allein von der Stadt Köln geschultert. Das knappe Budget hat schon zu vielen fürchterlichen Verrenkungen geführt. Sanierungsbedarf, Personalmangel oder der verzweifelte Kampf um Ausstellungsgelder bilden neben anderem mehr das feste Fundament der Sorgen.

Paten mögen vortreten

Dass das Haus, das ausdrücklich auch für Korea zuständig ist, weder einen dafür zuständigen Kurator hat noch eine Kraft, die des Koreanischen mächtig ist, schmerzt die Direktorin sehr. Für die große Bhutan-Ausstellung, die für Februar auf dem Veranstaltungskalender steht, hat die Stadt immer noch kein grünes Licht gegeben. Auch können viele Schätze aus dem Depot nicht ausgestellt werden, weil sie beschädigt sind. Als Kampfauftrag für die nächsten Jahre hat Schlombs die Restaurierung der Malereien ausgegeben; wer sich als Pate einbringen will, ist herzlich willkommen. Dies gilt auch für Spender, die den Ankauf einer chinesischen Wächterfigur unterstützen möchten - die Stadt hat zwei Drittel bereits finanziert, nun fehlen noch rund 150 000 Euro.

Vielleicht ist ja das Jubiläum auch ein Anlass für das Land NRW, sich endlich um dieses Juwel auf seinem Boden zu kümmern. Neun fabelhafte Bronzeglocken aus dem alten China hat das Museum in seinem Besitz - die müssten längst schon in allen Politiker-Ohren klingen.



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