Von Bernhard Romanowski, 18.10.09, 17:14h
Vertreter der Kölner Hochschule und der Betreibergesellschaft „Vogelsang ip“ hatten zu einem Rundgang mit den Künstlern geladen. Treffpunkt war das frühere Kino der belgischen Streitkräfte. Dort gab es unter anderem die Videoarbeit „Living in high definition“ von Peter Beyer zu sehen. Beyer kombinierte menschenleere Schwarz-weiß-Aufzeichnungen einer Messeveranstaltung mit erschreckenden, aber ganz nüchtern vertonten Radionachrichten. Beyers Anliegen, sagte er, sei das Anprangern des gängigen Turbokapitalismus als neue Form des Faschismus.
Besonders eindringlich
Seine Kommilitonin Roshanak Zangeneh war mit ihrer Arbeit „Bilder im Kopf“ vertreten. Dazu hatte sie im Vorfeld Passanten gebeten, auf schwarzen, roten und goldenen DIN-A3-Karten ihre Vorstellungen zum Thema „Nationalgefühl“ auszudrücken. Eine besonders eindringlich wirkende Arbeit steuerte auch die Studentin Ji Hyun Park bei. Im „Kultraum“ im Turm ließ sie drei weiße, mit Helium gefüllte Ballons schweben. Auch auf dem Boden lagen weiße Ballons. Über Sensoren wurden die Bewegungen im Raum und an den Ballons in künstliches Lachen übersetzt, wie man es von TV-Comedy-Shows kennt. Die Künstlerin Aino Korvensyrjä bezog unter dem Titel „ruiniert in transit 1 und 2“ die Asylbewerberheime in Golbach und Kall mit in ihre Arbeit ein. Zu den teilnehmenden Kunststudenten gehörten auch Christina Thon und Lars Beuse, die in Satzvey leben. Als Künstler-Duo „Thon-Beuse“ realisierten sie in der „Schlosserei“ eine Raum-im-Raum-Installation mit Gucklöchern und Videoinstallation, die sie auch als Austragungsort ihrer Performance „Asche“ nutzten.
Bodenventilatoren in einer einsehbaren Kabine wirbelten verschiedenste Materialien wie Asche und Papierschnipsel auf, während Thon in einer Hängevorrichtung und mit Gasmaske vor dem Gesicht in der Kabine baumelte, weiteres Material aus Eimern verteilte und durch die Luft wirbeln ließ. Zum einen, so erläuterte Beuse, wollte das Künstlerpaar auf die missbrauchten Medien während der NS-Zeit anspielen. Zum anderen sei es damals, entgegen der Aussage „Wir haben von nichts gewusst“, durchaus möglich gewesen zu sehen, was passiert. Thon und Beuse überreichten Vertretern von „Vogelsang ip“ zudem eine Kiste mit Büchern der „Liste 1 - Schöne Literatur“. Recherchen des Künstler-Duos zufolge war das der Name für jene belletristischen Buchtitel, die die Nazis seinerzeit aus den Bibliotheken entfernen ließen.
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