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Karola Berlage

„Wir müssen beide Seiten ausleben“

Erstellt 21.10.09, 18:36h, aktualisiert 22.10.09, 14:46h

Karola Berlage leitet das Beratungszentrum „Rubicon“ in Köln, eine Anlaufstelle für Schwule und Lesben. Im KSTA-Interview spricht sie über Andersartigkeit und die Angst vieler Männer vor dem Schwulsein.

KÖLNER STADT-ANZEIGER: Rubicon ist eine Anlaufstation für Schwule und Lesben. Welches Thema beschäftigt Sie und Ihr Team am meisten?

KAROLA BERLAGE: Das ist nach wie vor der Umgang mit Andersartigkeit in unserer Gesellschaft. Das betrifft auch die Schwulen und Lesben selber, die ja ebenfalls ein Teil dieser Gesellschaft sind. Auch sie leiden oft unter einer verinnerlichen Homophobie.

Wie das?

KAROLA BERLAGE: Homosexualität ist immer auch mit dem Bewusstsein verbunden, anders zu sein als die meisten, und gerade junge Menschen wollen nichts weniger als auffallen. Sie haben Angst davor, ausgeschlossen zu werden und ein Randgruppen-Dasein zu führen. Wir sind leider nach wie vor weit davon entfernt, dass Schwulsein eine willkommene Selbstverständlichkeit ist.

Wie sind die gängigen Reaktionen von Freunden?

KAROLA BERLAGE: Das ist schwer zu sagen. Generell wird auf Jungen heftiger homophobisch reagiert als auf Mädchen. Mädchen sind erst mal irritiert und haben ein bisschen Angst, wenn eine Freundin ihnen sagt, dass sie lesbisch ist. Doch in der Regel bleiben sie Freundinnen. Bei Jungen ist das schon anders: Der Schwule stellt ihr Männlichkeitsbild in Frage. Das Jungenumfeld reagiert daher häufig aggressiv-abwehrend, Freundschaften zerbrechen, und der Schwule findet eher Freundinnen, bei denen er seine andere Seite ausleben kann.

Werfen wir einen Blick in die Zukunft - was muss sich ändern?

KAROLA BERLAGE: Ich glaube, dass die Geschlechterrollen flexibler werden müssen. Wir leben in einer nach männlichen Werten ausgerichteten Leistungsgesellschaft. Auch die Frauen haben Leistung zu ihrem Lebensprinzip gemacht. Die Emotionalität dagegen hat an Wert verloren, und das muss dringend anders werden. Die Schwulen und Lesben leben bereits heute beide dieser Seiten aus. Die ihnen zugedachten Rollen sind zu eng sind für die Personen, die in ihnen stecken. Wenn sich diese starren Rollenbilder lockern, wird es auch kein Problem mehr sein, ob jemand schwul oder lesbisch ist.

Das Gespräch führte Petra Pluwatsch.



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