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Vorstoß von Zypries

Dürfen Homo-Paare adoptieren?

Von Markus Decker, 23.07.09, 14:21h, aktualisiert 25.08.09, 20:24h

Justizministerin Zypries fordert, dass schwule und lesbische eingetragene Lebenspartner Kinder ebenso adoptieren können wie heterosexuelle Paare. Das Kindeswohl werde in allen Fällen gleichermaßen gewahrt, sagte Zypries.

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Die Bundesministerin der Justiz, Brigitte Zypries. (Bild: dpa)
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Die Bundesministerin der Justiz, Brigitte Zypries. (Bild: dpa)
BERLIN - Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) hat dafür plädiert, gleichgeschlechtlichen Paaren das volle Adoptionsrecht einzuräumen. „Homosexuelle Paare sind keine schlechteren Eltern“, sagte sie am Donnerstag. „Kinder entwickeln sich bei zwei Müttern oder zwei Vätern genauso gut wie in anderen Familienformen.“ Hintergrund ist eine gestern veröffentlichte Studie der Universität Bamberg, wonach es mittlerweile 6600 Kinder gibt, die in „Regenbogenfamilien“ groß werden - wobei es sich nur in 5,5 Prozent aller Fälle um männliche Paare handelt. Die meisten Kinder stammen aus früheren heterosexuellen Beziehungen. Etwa 2200 Kinder wachsen in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft auf, die seit 2001 möglich ist. Die Kinder entwickelten sich genau so gut wie Kinder aus anderen Beziehungen, heißt es in der Studie. Auch fänden sich keine Anhaltspunkte für eine höhere Neigung zu Depressionen. Selbst Hänseleien von anderen Kindern („Du hast ja gar keinen Papa“) steckten „Regenbogenkinder“ gut weg.

Stiefkind-Adoption möglich

In Deutschland gibt es für homosexuelle Lebenspartnerschaften seit 2005 die Möglichkeit der so genannten Stiefkind-Adoption. Damit können gleichgeschlechtliche Partner die Kinder ihrer Lebensgefährten adoptieren - allerdings nur, wenn dies leibliche Kinder sind. Ansonsten sind Adoptionen nicht erlaubt. „Wir sollten nicht auf halbem Wege stehen bleiben“, mahnte Zypries. Voraussetzung für eine Änderung ist, dass Deutschland das neue Europäische Adoptionsübereinkommen in Kraft setzt. Von elf anderen europäischen Staaten wurde das Übereinkommen bereits ratifiziert.

In vielen lesbischen Beziehungen stammt das Kind aus einer Samenspende - von Samenbanken oder auch von Freunden. Im Unterschied zu herkömmlichen Ehen wird bei einer künstlichen Befruchtung der Lebenspartner aber nicht automatisch rechtlich gleichgestellter Elternteil. Lediglich die Frau, die das Kind zur Welt bringt, ist gesetzliche Mutter. Ihre Partnerin kann das Kind dann später „zu-adoptieren“.

Die frühere Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) plädierte wie Zypries für ein verändertes Adoptionsrecht. Der Parlamentarische Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Hartmut Koschyk, erklärte dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ hingegen: „Ich glaube, dass es bei aller Toleranz für gleichgeschlechtliche Beziehungen für Kinder besser ist, wenn sie bei Mann und Frau aufwachsen. Wir wollen den besonderen Schutz des Grundgesetzes für Ehe und Familie nicht durch ein solches Adoptionsrecht aufweichen.“ Was Zypries mache, sei das Buhlen um Stimmen gleichgeschlechtlicher Paare. „Das ist Trocken-Ski-Kurs und wird in einer bürgerlichen Koalition nicht Wirklichkeit.“ Unionsfraktionsvize Wolfgang Bosbach äußerte sich im „Kölner Stadt-Anzeiger“ nicht ganz so harsch: „Es sind mittlerweile Tausende gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften geschlossen worden. Daran wird auch eine schwarz-gelbe Koalition nichts ändern. Aber eine völlige Gleichstellung möchten wir nicht.“ (mit dpa)



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