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Anti-Wahl-Video

Wählen statt Voll-Koma

Erstellt 29.07.09, 09:41h, aktualisiert 29.07.09, 09:59h

„Also, Sie werden mir das ja vielleicht nicht glauben, aber ich gehe nicht wählen.“ Mit diesen Worten löste „Tagesschau“-Sprecher Jan Hofer Riesenempörung aus. Er und andere Prominente haben jetzt erklärt, warum sie zur Nicht-Wahl aufriefen.

Jan Hofer
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"Sie werden es mir nicht glauben, aber ich gehe nicht wählen." So tritt Tagessschau-Sprecher Jan Hofer in dem "Nicht-Wahlen!"-Video auf.
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"Sie werden es mir nicht glauben, aber ich gehe nicht wählen." So tritt Tagessschau-Sprecher Jan Hofer in dem "Nicht-Wahlen!"-Video auf.
BERLIN - Das Medienecho war groß: Zahlreiche Fernsehsender und Printmedien berichteten in der vergangenen Woche über ein Video mit dem Titel "Geh nicht hin!", das im Internet kursiert. Darin rufen Prominente dazu auf, im September nicht zur Bundestagswahl zu gehen.

"Wir wollten mit dem Video provozieren", sagt Stefan Gehrke, Geschäftsführer der Kommunikationsplattform Politik Digital (PolDi), am Dienstag in Berlin. PolDi hat das Video gemeinsam mit der Produktionsfirma Probono inszeniert. Dessen Inhaber Friedrich Küppersbusch glaubt, "virtuos das Sommerloch" getroffen zu haben. Neben ihm sitzen "Tagesschau"-Sprecher Jan Hofer, der Schauspieler und Musiker Tyron Ricketts und MTV-Moderator Patrice, die neben vielen anderen im Video auftreten.

Zum Boykott der Tagesschau aufgerufen

Besonders Hofer ist für seinen Auftritt heftig gescholten worden. "Also, Sie werden mir das ja vielleicht nicht glauben, aber ich gehe nicht wählen", hat er in die Kamera gesagt, was sogar einen Aufruf zum Boykott der "Tagesschau" zur Folge hatte. Darüber sei er "verwundert" gewesen, sagt Hofer: "Ich müsste schon extrem geltungsbedürftig oder extrem bescheuert sein, öffentlich zum Wahlboykott aufzurufen." Mit dem zweiten Video "werden auch die letzten begreifen, worum es geht".

Dieser zweite Clip, der am Dienstag vorgestellt wurde, entpuppt sich wie erwartet als das genaue Gegenteil von Teil eins: Neben anderen fordern Anne Sophie Mutter, Markus Kavka, Franziska Knuppe und Sarah Kuttner vehement zur Stimmabgabe auf. Das Video lehnt sich an die US-Kampagne "5 Friends/Don't Vote" an, mit der die Superstars der US-Unterhaltungsindustrie, darunter Leonardo DiCaprio und zahlreiche Oscar-Preisträger wie Forest Whitaker und Dustin Hoffman, im vergangenen Jahr zur in den USA erforderlichen Registrierung im Wählerverzeichnis aufgerufen hatten.

Den Vergleich mit der Vorlage scheut Küppersbusch nicht. Es sei "eine Ehre", sich an das berühmte Vorbild anzuhängen, das vor allem Anhänger des demokratischen Bewerbers Barack Obama ansprach. Grund für die Kampagne "Geh nicht hin" seien Wahlmüdigkeit und Politikverdrossenheit: "43 Prozent Wahlbeteiligung bei der Europawahl, das interessiert alles keine Sau", sagt der 48-Jährige. Argumente für die Wahlmüdigkeit würden täglich geliefert, meint Gehrke. Etwa, wenn in Schleswig-Holstein mit Hilfe von Tricks die Regierung aufgelöst werde.

Mehr als 100.000 Mal geklickt

Die Kampagne macht sich die Werbestrategie des Viralen Marketings zunutze: die Diskussion und das freiwillige Verbreiten eines Inhalts im Internet. Die von den Machern erhoffte gesellschaftliche Diskussion wurde bereits angestoßen. Auf YouTube gibt es zwei Videoantworten und rund 1000 Kommentare, mehr als Hunderttausend Mal wurde der erste Clip angeklickt.

Hofer findet die Provokation legitim. "Wir müssen heute neue Wege gehen, um auf etwas aufmerksam zu machen." Einige Protagonisten hätten den geplanten Dreh eigenständig verändert und während der Aufnahmen mit der Regie diskutiert, erzählt Küppersbusch. So etwa Regisseur Detlev Buck, der im neuen Film auf einen Zettel guckt und sagt: "Das Konzept - soweit ich das überblicke, steht das noch nicht!"

Trotz der klaren Forderung "Geh wählen!" wollen die Macher das Video nicht als Wahlaufruf verstanden wissen. Es sei eine "respektable Entscheidung", wenn sich jemand mit den Angeboten der Parteien auseinandersetze und sich dann entscheide, nicht zur Wahl zu gehen, sagt Küppersbusch. Es gehe nur darum, "den 27. September nicht im Vollkoma zu verbringen".

Mit der Lancierung des provokanten Spots, dessen Intention zumindest Fragen aufgeworfen hat, haben die Initiatoren eine hohe Aufmerksamkeit erreicht. Küppersbusch gibt zu, dass "nicht berechenbar" sei, ob die neue Version in gleichem Umfang diskutiert wird wie der vermeintliche Aufruf zum Wahlboykott: "Da bin ich selbst gespannt." (ddp)



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