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Dalai Lama

„Auch der Feind ist ein Suchender“

Von Astrid Ludwig, 02.08.09, 11:44h, aktualisiert 02.08.09, 20:28h

Der Dalai Lama hat die westliche Welt aufgerufen, angesichts der Finanzkrise nicht zu jammern, sondern bescheidener zu werden. „In Afrika und Asien sterben Menschen vor Hunger, das dürfen wir nie vergessen“, sagte das geistliche Oberhaupt.

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Auf Taiwan-Tournee: Der Dalai Lama. (Bild: dpa)
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Auf Taiwan-Tournee: Der Dalai Lama. (Bild: dpa)
FRANKFURT - Er sieht aus wie der Dalai Lama als Kind. Tenzin ist neun, ist Tibeter, aber eigentlich kommt er aus Euskirchen. Der Kleine hat seine Geige mitgebracht und als er die tibetische Nationalhymne spielt, erheben sich alle von ihren Plätzen. Tenzin ist aufgeregt, er spielt ein wenig schief, aber das Publikum rast. Er ist der Jüngste der über 20 Künstler, die am Samstag beim Konzert für den Dalai Lama in der WM-Arena auftreten.

Eine Jam Session, bei der deutsche Promis wie der Schauspieler Uwe Ochsenknecht oder Schlagersänger Roger Cicero ebenso auf der Bühne stehen wie eine tibetische Nonne, ein ungarischer Tenor oder Tina Turner mit einer mystischen Videobotschaft vom Genfer See. Ein Konzert, das musikalische und optische Highlights bietet, wie den Auftritt der deutschen Soul-Sängerin Cassandra Steen. Ein Konzert, bei dem alle Interpreten zwei Lieder für „Seine Heiligkeit“ singen.

Bei dem deutsch-nigerianischen Rapper „Chima“ hätte es mehr sein können, bei der als Schauspielerin und Musikerin angekündigten Jana Pallaske, gerne weniger. Sie piepst sich mit hohem Stimmchen durch „We shall overcome“. Eine Menschentraube hat sich neben dem Seiteneingang und direkt vor der Bühne gebildet. Am Sonntag, am letzten Besuchstag wollen viele ihn nochmals aus der Nähe sehen. Sie tragen tibetische Embleme, buddhistische Armbänder oder rote Tücher. Das Idol ist stilprägend. Die Sicherheitskräfte lassen Nähe zu - zumindest bis zum Absperrgitter.

Das Oberhaupt der Tibeter ist ausnahmsweise mal zu spät. Schnellen Schrittes eilt er auf der Bühne auf seine Gesprächspartner zu, entschuldigt sich. Er sei keineswegs faul, scherzt er. Vielmehr habe er noch ein Interview geben müssen für die chinesische Sektion der Deutschen Welle.

Das ist wichtig. Alle nicken, schließlich ist die allgegenwärtige Botschaft des Dalai Lama auch das freie Tibet. Mit dem Benediktiner Pater Anselm Grün und dem Begründer des „Zen-Peacemaker“-Ordens, dem Amerikaner Bernhard Glassmann, diskutiert er über inneren und äußeren Frieden. Der Dalai Lama geißelt Selbstsucht und Egoismus als die Wurzel „destruktiver Emotionen“.

Viele im Publikum schreiben mit, notieren seine Worte. Bernard Glassmann, Buddhist mit jüdischen Wurzeln, engagiert sich seit 40 Jahren sozial. Er hilft Obdachlosen in den Vereinigten Staaten, nimmt aber auch Prominente wie Hollywood-Star Richard Gere an die Hand. Mit ihm hat er den Nahen Osten bereist. Bernhard Glassmanns Credo: „Fühlen, was vor sich geht, offen sein und alle Stimmen anhören.“ Das „narzistische Kreisen um sich selbst“, macht auch der Benediktiner-Pater als Übel aus. Mitgefühl, Genügsamkeit, Selbstdisziplin und Friedfertigkeit predigen alle großen Weltreligionen.

Doch was tun, wenn jemand Böses will oder einem gar nach dem Leben trachtet, will Moderator Gert Scobel wissen. „Weglaufen und sich verstecken“, lacht der Dalai Lama - um ernst anzufügen, dass er zwischen Handlung und Handelnden unterscheide. „Ich muss ein angemessenes Mittel finden, um die Handlung zu stoppen, aber mein Mitgefühl darf nicht enden“. Auch der Feind sei eine fühlende, nach Glück suchende Kreatur und könne unter anderem Umständen ein Freund sein.

Vermutlich lieben seine Fans ihn für Sätze wie diese.



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