Von Petra Recktenwald, 04.08.09, 16:57h, aktualisiert 20.10.09, 17:56h
Heute ist der bis zu 2,50 Meter hohe Tunnel über die Museumsanlage in der Kleinen Budengasse erreichbar, die rund um die monumentalen Fundamente des „Praetoriums“ entstanden ist. In diesem Palast residierte einst der römische Statthalter - Köln war stolze Hauptstadt der Provinz Niedergermanien. Die Römer hatten die Ubiersiedlung seit der Zeitenwende ausgebaut. „Das unterirdische Kanalnetz dürfte aber erst um das Jahr 80 nach Christus entstanden sein“, so der Stadtführer. Weil die erstaunlich gut erhaltene Wasserleitung so anschaulich von den bautechnischen Leistungen der antiken Meister-Konstrukteure erzählt, bezeichnet MacNeille sie gar als seinen Lieblingsort, den er auch während seiner Führung „Brot und Spiele: So lebten die Kölner zur Römerzeit“ vorstellt. „Hier wird die Antike lebendig“, sagt der promovierte Kunsthistoriker, der zwar in New York geboren, aber am Rhein aufgewachsen ist. „Schließlich sehen die Mauern noch genauso aus wie vor zwei Jahrtausenden. Bis auf ein paar geflickte Stellen.“
Die kühle Luft hier unten, etwa neun Meter unter Straßenniveau, riecht ein bisschen abgestanden. Sie ist jedoch weit angenehmer als der Gestank, den gurgelnde Abwasserfluten einst durchs Bauwerk aus Tuffstein spülten. Denn an die Kanalröhren der Colonia Claudia Ara Agrippinensium waren eben auch öffentliche Toilettenanlagen angeschlossen - „gastliche Orte übrigens, wo man sich damals gerne traf und ganz ungeniert beieinander saß“, so der Stadtführer. In die unterirdischen Leitungen floss außerdem Schmutzbrühe aus Gewerbebetrieben und Privathäusern, die häufig einen eigenen Abfluss hatten.
Eine Errungenschaft, die bereits im Mittelalter wieder in Vergessenheit geraten war. Da nämlich kippten die Kölner den Inhalt ihres Kübels einfach aus dem Fenster, in den Graben vor der Stadtmauer oder in den Pfuhl - solch offene Wasserlachen fanden sich an mehreren Stellen im Stadtgebiet. „Die mangelnde Hygiene steigerte das Seuchenrisiko erheblich“, erklärt der Stadtführer.
Bei den Römern dagegen liefen sowohl Entsorgung als auch Wasserzufuhr in geordneten Bahnen. Über den technischen Aufwand, den sie dabei betrieben, staunt Andrew MacNeille immer wieder aufs Neue. Da vor allem frisches Quellwasser aus der Nordeifel wegen seines kalkigen Bouquets ganz nach dem Geschmack der antiken Gourmets war, musste eine lange „Pipeline“ her, die das köstliche Nass nach Köln brachte. „Damit das Wasser immer fließen konnte, hatte die Leitung ein leichtes, aber stetiges Gefälle von einem Promille“, erläutert MacNeille. Der Kanal musste über 90 Kilometer in vielen Windungen durchs unebene Gelände geführt werden, um diesen Effekt zu erreichen. „Eine Meisterleistung der römischen Ingenieure“, so der Stadtführer. In der Beziehung konnte ihnen so schnell keiner das Wasser reichen.
Zweiter Versuch Groma
04.08.2009 | 18.09 Uhr | ing.lambertz
Hier klicken Groma
@knuellemann
04.08.2009 | 18.07 Uhr | ing.lambertz
Danke für den Hinweis. Bei Wikipedia wird man auch fündig: [#popup]Groma[/popup].
Jetzt fehlt mir die Zeit, aber morgen früh mach ich mich…
Ergänzung
04.08.2009 | 17.47 Uhr | knuelleman
Hallo ing.lambertz,
die Römer hatten ein Gerät namens Groma, das als Nivellierer, Winkelmesser und (bedingt) als Theo fungierte. Bedient wurde es…
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