Von Ralf Johnen, 13.08.09, 13:47h, aktualisiert 13.08.09, 21:34h
Wie aus den Datierungen hervorgeht, war Leonhardt sowohl während des Zweiten Weltkriegs als auch unmittelbar danach mit öffentlichen Bauprojekten befasst. Zu Zeiten der nationalsozialistischen Herrschaft hat Leonhardt seine Karriere aufgebaut. Nach Kriegsende, so wird auf einer Schautafel erklärt, musste er aus Bayern fliehen. Kurz darauf sei er „von einem Gesandten der Stadt Köln“ mit der Bitte kontaktiert worden, den Neubau der Deutzer Brücke zu übernehmen.
Wie die Kuratoren auf Nachfrage präzisieren, hat Leonhardt nie einen Hehl daraus gemacht, ein unpolitischer Mitläufer des NS-Regimes gewesen zu sein. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Mit ein wenig Mühe will sich dem Ausstellungsbesucher im Kuriengebäude des Metropolitankapitels die nicht unproblematische Vita Leonhardts zwar erschließen. Die Orientierungshilfen diesbezüglich allerdings bleiben eher dünn.
Der Ingenieurskarriere hat die regimetreue Vergangenheit indes nicht geschadet: Leonhardt wurde in den Jahren des Wiederaufbaus mit Aufträgen geradezu überhäuft. Als sein Meisterwerk gilt der Stuttgarter Fernsehturm (1956), der aus einer durchgehenden Stahlbetonröhre errichtet wurde und der jahrzehntelang als Vorbild diente. „Der Turm sollte schlank sein, aber nicht zu schlank, um noch vertrauenerweckend auszusehen“, erklärte der Urheber. Zweieinhalb Jahrzehnte später zeichnete Leonhardt auch für die Ingenieursleistungen beim Colonius verantwortlich - auch wenn der schlanke Körper des Stuttgarter Vorgängers hier durch einen etwas klobigeren ersetzt wurde. In den 50er Jahren erlangte Leonhardt auch als Schöpfer von Hochbauten einigen Ruhm. Die strenge Funktionalität des „Dreischeibenhochhauses“ in Düsseldorf ist ein exemplarischen Beispiel für seinen Stil.
Im ehemaligen Diözesanmuseum bieten insgesamt rund 20 Modelle einen Überblick über das später auch internationale Werk Leonhardts. Flankiert werden diese von Zeichnungen, Fotografien, persönlichen Gegenständen und historischen Filmsequenzen. Bemerkenswert: Die biografischen Notizen führen am Ende des Rundgangs in die Jahre 1967 bis 1969, als Leonhardt Rektor der TU Stuttgart war. Diese Zeit bezeichnete er als „die verrückteste meines Lebens“.
Initiiert wurde die Ausstellung vom Kölner Stadtarchiv, das vor anderthalb Jahren mit der Planung einer Retrospektive begonnen hat, die nicht nur Fritz Leonhardt, sondern auch Gerd Lohmer gewidmet sein sollte. Beide wären in in diesem Jahr 100 geworden. Wie Archivleiterin Bettina Schmidt Czaia erklärt, hat die Familie Lohmers hierfür zahlreiche Exponate zur Verfügung gestellt. Deren Verbleibort ist nach dem Einsturz des Archivs zurzeit unbekannt.
Durch die Hilfsbereitschaft von Generalvikariat und Domprobst, die einmalig ihre Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt haben, konnte nun wenigstens die Leonhardt-Ausstellung realisiert werden. Kuratiert wurde diese vom Südwestdeutschen Archiv für Architektur und Ingenieurbau in Karlsruhe, zu dessen Mitbegründern Leonhardt gehörte.
Fritz Leonhardt, Kuriengebäude des Metropolitankapitels, ehemaliges Diözesanmuseum auf dem Kölner Roncalliplatz. Bis 7. November, Di-So 10 bis 18 Uhr, Katalog 39 Euro.
Bauingenieur
16.08.2009 | 09.32 Uhr | dondae
Leider sind hier mal wieder die Begriffe Bauingenieur und Architekt durcheinander geworfen worden. Gerd Lohmer ist der Architekt und Fritz Leonhardt…
Stimmt...
14.08.2009 | 01.16 Uhr | ebertplatz.de
der Wikipedia-Artikel zur Severinsbrücke entspricht nicht dem recht hohen Stand der anderen Kölner Brücken-Artikel.
Werde mich drum…
"Wohin gingen die Maurer,
13.08.2009 | 19.14 Uhr | Ieserbähner met dä Plämp
, als die Chinesische Mauer fertig war?" fragt für Bert Brecht nicht verkehrt ein lesender Arbeiter.
In Verbindung mit der Severinbrücke möchte…
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