Von Lisbeth Müller-Hofstede, 19.08.09, 09:01h, aktualisiert 21.08.09, 12:32h
An Moritz' Rucksack steckt ein knatschgelber Button, der signalisiert, dass er jederzeit bereit ist, jemanden mitzunehmen. „Von alleine angesprochen hat mich zwar noch niemand, aber ich finde Buttons sind eine gute Erkennungsmarke.“ Die Träger dieser Buttons sind meistens Studenten und möchten darauf aufmerksam machen, dass ihr Tarif an Wochentagen nach 19 Uhr und an Wochenenden und Feiertagen erlaubt, noch eine Person umsonst mitzunehmen.
Die Kampagne „Bahntrampen“ gibt es seit eineinhalb Jahren. Die Gründer gehören der linken Gruppe „Geblockt!“ an, die sich anlässlich des G8-Gipfels zusammenschloss. Nach dem G8-Gipfel suchte man nach neuen Zielen und Aktionsformen. Bahntrampen sei vor allem „das Ergebnis eines langen Diskussionsprozesses“, erklärt Mitbegründer Boris.
Beim Bahntrampen gehe es nicht nur um eine nette Geste gegenüber den Mitmenschen im Allgemeinen, sondern vor allem darum, sozial schwächer Gestellten entgegen zu kommen. „Das Budget eines Hartz-IV Empfängers sieht nur sehr wenig Geld für Mobilität vor", sagt Boris. Die Frage der Mobilität sei „hochpolitisch“ und betreffe auch diejenigen, denen die Abschiebung drohe, wenn sie beim Schwarzfahren erwischt werden.
Was nach einer tollen Idee klingt, hat bisher auch für Unmut gesorgt: Die KVB zeigte sich zunächst unzufrieden damit, dass die Studenten den vollen Rahmen ihres vergünstigten Tarifs ausschöpfen. So sei das Mitnehmen nur für Bekannte und Freunde gedacht, nicht für Fremde. KVB-Sprecher Joachim Berger sagte gegenüber dem WDR, dass Bahntrampen „eine Grauzone“, ja „scharf formuliert“ gar ein „Missbrauch“ sei.
Grauzone, Missbrauch? Wenn man sich die Tarifbedingungen der Kölner Verkehrsbetriebe anschaut, kann davon nicht die Rede sein. Freundschaft oder gar Verwandtschaft spielen bei der Ticketnutzung keine Rolle. Einzig zu beachten ist, dass man beim „Bahntrampen“ gemeinsam die Fahrt angetreten haben muss. Kommt ein Kontrolleur, muss sich das „Tramper-Pärchen“ schon gefunden haben.
Werbung für die Tarife
Inzwischen haben sich die Wogen etwas geglättet, weiß Boris zu berichten. „Die KVB bezeichnet unsere Kampagne sogar als Werbung für ihre Tarife“, erzählt er. Ganz andere Töne klingen da beim Verkehrsbund Rhein-Sieg an. „Wenn weiterhin offensiv für die Mitnahme fremder Personen geworben wird, werden wir mittelfristig die Preise erhöhen müssen“, sagt Isabella Stock, Pressesprecherin des VRS. „In der Kalkulation unserer ohnehin schon subventionierten Tarife ist lediglich eine Gelegenheitsmitnahme vorgesehen.“
Moritz kann den Wirbel nicht ganz verstehen: „ Gelbe Buttons oder nicht, jeder sollte andere Menschen mitnehmen können, nicht nur zu begrenzten Zeiten.“ So träumt auch er wie die Initiatoren langfristig von einer gänzlich kostenlosen Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel. „Bahntrampen ist für mich eine Selbsverständlichkeit. Ich wundere mich, dass so wenig Leute aktiv mitmachen.“ Die Kölner Studenten waren die Initiatoren der beliebten Kampagne, doch inzwischen haben sich in vielen Städten wie Düsseldorf oder Essen Nachahmer gefunden.
Die Kampagne könnte sich noch viel weiter ausdehnen. So sind Studenten nicht die Einzigen, die das Privileg haben, eine weitere Person mitnehmen zu können. Auch Besitzer eines Jobtickets, eines 60-plus-Tickets oder eines Schüler- und Azubitickets können völlig legal Mitmenschen die Ticketpreise ersparen. Das Bahntrampen stärkt also auch das soziale Miteinander.
@Horst
21.08.2009 | 17.06 Uhr | borriquito
Subventioniert ist die normale Fahrkarte vom Automaten übrigens auch...
Bahntrampende führen sonst gar nicht...
21.08.2009 | 17.04 Uhr | borriquito
... oder schwarz. Hier scheinen so manche den Artikel nicht wirklich gelesen zu haben. Es geht vor allem um Leute, die sich eine normale Fahrt mit…
Publik...
21.08.2009 | 09.26 Uhr | Newton
Demnächst wird es wohl so kommen, dass man zwar eine Person mitnehmen darf, diese aber vorher bei der KVB angeben muss. Das ist doch meistens so,…
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