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Diplomatische Krise

Schweden bietet Israel die Stirn

Erstellt 23.08.09, 21:53h, aktualisiert 24.08.09, 10:55h

Sind Organe getötete Palästinenser verkauft worden? Eine schwedische Zeitung erhebt schwere Vorwürfe gegen die israelische Armee. Israels Regierung ist empört, Schwedens Außenminister beruft sich auf die Meinungsfreiheit.

Schwedens Außenminister
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Schwedens Außenminister Carl Bildt. (Bild: rtr)
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Schwedens Außenminister Carl Bildt. (Bild: rtr)
STOCKHOLM - Die Verstimmung zwischen Israel und Schweden wegen eines Artikels der schwedischen Boulevardzeitung "Aftonbladet" über angeblichen Organhandel in den Palästinensergebieten hat zugenommen. Wie aus Regierungskreisen verlautete, forderte Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu am Sonntag von Stockholm eine "Verurteilung" des Artikels. Schwedens Außenminister Carl Bildt will voraussichtlich bald nach Israel reisen.

"Wir erwarten keine Entschuldigungen der schwedischen Regierung, wir wollen eine Verurteilung von ihr", sagte Netanjahu demnach im Kabinett. Finanzminister Juval Steinitz sagte, die Krise werde andauern, solange die schwedische Regierung nicht ihrer Haltung zu dem "antisemtischen Artikel" ändere. Steinitz zog einen Vergleich zu Juden-Anfeindungen im Mittelalter, als diese beschuldigt worden seien, ihr "ungesäuertes Pessach-Brot mit dem Blut christlicher Kinder bereitet" zu haben; "heute sind es die Soldaten der Tsahal (israelische Armee), die beschuldigt werden, Palästinenser wegen ihrer Organe zu töten."

Der in "Aftonbladet" erschienene Bericht hatte der israelischen Armee zur Last gelegt, Organe von getöteten Palästinensern verkauft zu haben. Während die schwedische Botschafterin in Israel den Bericht kritisierte, lehnte Außenminister Bildt die von seinem israelischen Kollegen Avigdor Lieberman geforderte Verurteilung mit Verweis auf die Meinungsfreiheit ab.

Israel habe das Gefühl, dass die Regierung in Stockholm die Meinungsfreiheit als "bequemen Vorwand" nehme, um nicht den in dem Artikel zum Ausdruck kommenden Antisemitismus verurteilen zu müssen, erklärte der Sprecher des israelischen Außenministeriums am Wochenende. Schweden müsse in dem Fall klar Stellung beziehen, sagte Igal Primor. Zwar werde Bildts Besuch weder abgesagt noch verschoben, "aber es ist klar, dass dieser Streitpunkt, wenn er nicht geklärt wird, einen beunruhigenden Schatten über die Gespräche wirft". Bildt sagte dem "Aftonbladet" (Sonntagsausgabe), es sei "nicht sicher", ob der Besuch stattfinde.

Unterschriftensammlung gegen Ikea

Das Blatt kam in seiner jüngsten Ausgabe auf die Vorwürfe zurück. Die Angehörigen eines 1992 getöteten Palästinensers kamen zu Wort - sie präzisierten die Vorwürfe gegen die israelische Armee. Organe des 19-jährigen Bilal Achmad Ghanem sollen damals von israelischen Soldaten entnommen worden sein. Die israelische Zeitung "Haaretz" berichtete, eine Unterschriftensammlung gegen den schwedischen Möbel-Riesen Ikea sei bereits von hunderten Israelis unterzeichnet worden.

Bis auf eine Ausnahme fuhr die israelische Presse am Sonntag schwere Geschütze gegen Schweden auf. "Blonder Rassismus", "Die Heuchelei", "Freiheit der Diffamierung" und "Die Lüge, aus der eine Krise wurde" titelten Tageszeitungen. Allein die linksliberale "Haaretz" appellierte, dass Israel das Thema schnell von der Tagesordnung nehmen sollte. Die "erregte und demagogische Reaktion" von Außenminister Avigdor Lieberman habe Israel Schaden zugefügt und Schweden als derzeitigen Ratsvorsitzenden der Europäischen Union in eine unnötige Konfrontation mit Israel gedrängt, heißt es im Leitartikel des Blattes. Israels ultrarechter Außenminister Lieberman heizt den Streit seit Tagen an. (afp, dpa)



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