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Roters-Interview

„Mehr Bürgernähe im Rathaus“

Erstellt 31.08.09, 19:12h, aktualisiert 01.09.09, 15:42h

Jürgen Roters will die Stadtverwaltung auf Kurs bringen - Privatisierungen sind hingegen nicht geplant. Außerdem spricht sich der künftige Oberbürgermeister für eine stärkere Zusammenarbeit mit Düsseldorf und Bonn aus.

Jürgen Roters
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Kölns kommender Oberbürgermeister Jürgen Roters am Tag nach dem Wahlsieg. (Bild: Grönert)
Jürgen Roters
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Kölns kommender Oberbürgermeister Jürgen Roters am Tag nach dem Wahlsieg. (Bild: Grönert)
Kommunalwahl Köln 2009
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Die Sitzverteilung im neuen Kölner Stadrat. (Grafik. Böhne)
Kommunalwahl Köln 2009
Köln - KÖLNER STADT-ANZEIGER: Herr Roters, Sie sehen etwas müde aus.

JÜRGEN ROTERS: Wirklich? Ich bin so gegen ein Uhr ins Bett gekommen. Heute Morgen um acht bin ich dann eine Runde im Nordpark gelaufen.

Und jetzt müssen Sie schon wieder die Frage nach Ihren politischen Schwerpunkten beantworten. . .

ROTERS: Für die nächsten Monate sind für mich drei Punkte wichtig: Wir brauchen konkrete Maßnahmen, um die soziale Balance in der Stadt zu erhalten und ein Auseinanderfallen der Stadt in Arm und Reich zu verhindern. Dann geht es mir darum, dass wir im Schul- und Bildungsbereich weiter modernisieren. Des weiteren werde ich intensive Gespräche führen, um die Strukturen in der Stadtverwaltung zu verbessern. Wir brauchen mehr Bürgernähe.

ksta.tv: Die Wahlnacht im Rathaus

In der Stadtverwaltung gibt es kaum einen Amtsleiter ohne Parteibuch. Werden Sie Spitzenpositionen neu besetzen?

ROTERS: Natürlich habe ich bestimmte Überlegungen, aber mehr, was die Verwaltungsstruktur angeht. Über konkrete Personalien habe ich noch keine festen Vorstellungen, das kommt in den nächsten Wochen und Monaten an die Reihe. Eine Ausnahme ist der Posten meines Büroleiters, über den ich bereits entschieden habe. Diese Aufgabe wird Ralf Huttanus übernehmen.

Die Verwaltung hat mehr als 16 000 Beschäftigte, die Personalkosten sind gewaltig. Wollen Sie Stellen abbauen?

ROTERS: Da bin ich zum jetzigen Zeitpunkt vorsichtig mit Äußerungen. Wir müssen im Detail analysieren, in welchen Bereichen man straffen kann. Wir müssen auch sehen, welche Aufgaben von der Zentralverwaltung erledigt werden sollten und welche wir im Sinne von mehr Bürgernähe in die neun Stadtbezirke verlagern können.

Wird es in der bevorstehenden Wahlperiode eine Privatisierung städtischer Unternehmen geben?

ROTERS: Das ist im Augenblick nicht erkennbar. Ich sehe jedenfalls keine Bereiche, die dafür in Betracht kommen.

Der CDU-Kandidat Peter Kurth hat gesagt, er werde im Fall seiner Wahl mit der Tradition brechen, dass der Oberbürgermeister Aufsichtsratsvorsitzender der Messe wird. Das sollte besser ein Fachmann machen.

ROTERS: Die Messe ist ein Tor für internationale Kontakte. Es spricht deshalb einiges dafür, die Tradition fortzuführen. Es waren immer die Oberbürgermeister, die diese Möglichkeiten genutzt haben, um für Köln zu werben.

Sie haben angekündigt, stärker politisch zu arbeiten und weniger zu repräsentieren. Der Elfte im Elften, die Prinzenproklamation Anfang Januar - sind das Termine für Sie?

ROTERS: Aber ja. Es ist doch nicht so, dass ich karnevals- und feierfeindlich wäre. Selbstverständlich gehören die großen karnevalistischen Veranstaltungen dazu. Und auch wenn ich kein Kölsch spreche, ich freue mich schon darauf. Die Frage ist nur, wie viele Karnevalstermine man insgesamt wahrnimmt. Da muss man sparsam mit seiner Zeit umgehen, es gibt auch andere wichtige Dinge.

Als Regierungspräsident mussten Sie regional denken. Was wollen Sie unternehmen, um die Zusammenarbeit mit Düsseldorf und Bonn zu verbessern?

ROTERS: Das liegt mir sehr am Herzen, hier die Chancen zu nutzen. Ich habe auch den Eindruck, nach dem Wechsel von Erwin auf Elbers besteht in Düsseldorf eine größere Bereitschaft, mit uns zusammenzuarbeiten.

Halten Sie eine Zusammenarbeit der Bühnen für sinnvoll? Hier die Oper, dort das Schauspiel?

ROTERS: Dass muss man sehen. Heute ist das Zukunftsmusik. Auf jeden Fall sollten wir so schnell wie möglich ein regionales Kulturmarketing starten, mit dem wir uns national und international gemeinsam präsentieren. Da haben wir viel zu bieten.

Wie stehen Sie zum Ausbau des Godorfer Hafens, den der Rat ja schon beschlossen hat? Die Grünen lehnen den Ausbau strikt ab.

ROTERS: Wichtig ist, die ersten Sondierungsgespräche mit dem Kooperationspartner abzuwarten, bevor man jetzt irgendwelche Signale setzt. Wir werden zunächst intern klären, wo die jeweiligen Präferenzen liegen.

Aber Sie sind derjenige, der das Heft in der Hand hält, oder nicht?

ROTERS: Ein Oberbürgermeister ist jedenfalls nicht der Vollstrecker von Parteitagsbeschlüssen.

Sie erwartet eine Fülle von Terminen. Bleibt dem dreifachen Familienvater da genügend Zeit für Privates?

ROTERS: Johannes Rau hat mal gesagt, jedes Zechenpferd hat einen Stehtag in der Woche. Ich weiß aus meiner Zeit als Regierungspräsident, dass man Freiräume braucht. Und ich will mir gewisse Freiheiten erhalten. Denn man braucht auch Gelegenheit, um nachzudenken, um ruhige Gespräche zu führen. Wenn man nach vorne gehen will, gerade im Bereich der ökologischen Erneuerung, braucht man auch die Muße und darf sich nicht von Terminen einengen lassen.

Nach dem Machtwechsel in Düsseldorf im Jahr 2005 sind Sie von der Regierung Rüttgers als Regierungspräsident ziemlich ruppig in den Ruhestand versetzt worden. Empfinden Sie Genugtuung, zum Oberbürgermeister der größten Stadt des Landes gewählt worden zu sein?

ROTERS: Ich will nicht verschweigen, dass das ein gewisses Maß an innerer Befriedigung bei mir hervorgerufen hat.

Das Gespräch führten Andreas Damm und Helmut Frangenberg.



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