Erstellt 31.08.09, 22:25h, aktualisiert 03.09.09, 18:00h
Kritik an dem Video seitens der an den Feiern teilnehmenden internationalen Delegationen blieb jedoch aus. Der französische Staatssekretär für Zusammenarbeit, Alain Joyandet, sagte unter Verweis auf die Kürze des Beitrags, sie seien nicht in Tripolis, um daraus einen "Vorfall" zu machen. Wäre die Provokation deutlicher ausgefallen, "hätte es eine Reaktion gegeben", sagte Joyandet. Nach den Worten eines westlichen Diplomaten hätten die europäischen Vertreter die Feier verlassen, wäre Megrahi dort persönlich erschienen.
Die schottische Justiz hatte den schwer krebskranken Megrahi am 20. August aus humanitären Gründen begnadigt und freigelassen. Megrahi war umgehend in seine Heimat zurückgekehrt, wo er von hunderten Menschen begeistert empfangen wurde. Der Empfang hatte vor allem bei Angehörigen der Opfer und in den USA für Empörung gesorgt. Bei dem 1988 verübten Anschlag auf ein US-Linienflugzeug über dem schottischen Lockerbie waren 270 Menschen getötet worden.
Muammar al-Gaddafi fühlt sich in diesem Sommer wie Hans im Glück. Nach einer Kampagne diskreter Diplomatie, die von Lockrufen an die britische Wirtschaft begleitet wurde, hatte er den zu lebenslanger Haft verurteilten Attentäter in die Heimat zurückgeholt. Mit erpresserischen Methoden hat Gaddafi gleichzeitig die Schweiz dazu gebracht, sich für die vorübergehende Festnahme seines Sohnes Hannibal in Genf zu entschuldigen, der dort im Juli 2008 zwei Hausangestellte verprügelt hatte.
Als amtierender Vorsitzender der Afrikanischen Union (AU) sonnt sich der meist in quietschbunte Gewänder gehüllte libysche Staatschef derzeit in der Rolle des "Königs von Afrika". Am 1. September sollen zudem die Feierlichkeiten zum "40. Jahrestag der Revolution" ihren Höhepunkt erreichen. Der Jahrestag markiert gleichzeitig auch das 40-jährige Amtsjubiläum Gaddafis, der seit dem Tod von Gabuns Präsidenten Omar Bongo im vergangenen Juni der dienstälteste Staatschef der Welt ist.
Gaddafi, Jahrgang 1942, hatte am 1. September 1969 gemeinsam mit einer Gruppe von Offizieren in einem unblutigen Putsch den betagten König Idris I. entmachtet. Seither steuert der Beduinensohn die Geschicke des Landes. Viele Beobachter erstaunt es, dass sich Gaddafi schon so lange an der Spitze des libyschen Staates halten kann. Denn seine zwischen Aggressivität und Scheckbuchdiplomatie schwankende Außenpolitik und die von ihm eingeführte "direkte Volksdemokratie" haben dafür gesorgt, dass der Lebensstandard vieler Libyer heute gering ist, obwohl das nordafrikanische Land über große Energievorkommen verfügt.
Doch Kritik am autokratischen Führungsstil von "Bruder Führer" hört man höchstens von einem Dutzend libyscher Oppositioneller, die im Exil leben. Parteien sind in Libyen verboten.
Gaddafi stammt aus einer armen Familie. Gerne erzählt er, dass er in einem Zelt geboren wurde. Noch heute übernachtet der libysche Staatschef auf Auslandsreisen am liebsten in öffentlichen Parks. Allerdings ist das Zelt, in dem er heute sein von langem Haar umranktes Haupt bettet, deutlich luxuriöser als das Beduinenzelt seiner Kindheit.
Gaddafi, der Westernstiefel mit hohen Absätzen ebenso schätzt wie bunte Turbane, liebt den großen Auftritt. Begleiten lässt er sich von einer optisch eindrucksvollen weiblichen Leibgarde. Wenn es ihm bei den Gipfeltreffen der Arabischen Liga zu langweilig wird, verlässt er einfach den Saal. Bei Auslandsbesuchen wie im Juni in Italien lässt er seine Gastgeber stundenlang warten.
"In den letzten Jahren erinnert mich Gaddafi immer mehr an einen alternden Rockstar", lästert ein westlicher Diplomat. Die politische Bühne will Gaddafi, der 1999 dem Terror abschwor und 2003 den Verzicht seines Landes auf Massenvernichtungswaffen verkündete, so bald sicher nicht verlassen, obgleich sein Sohn Saif al-Islam schon als möglicher Nachfolger bereitsteht. Obgleich Gaddafi inzwischen nicht mehr von der Atombombe träumt und sich nicht mehr so stark in die bewaffneten Konflikte afrikanischer Staaten einmischt wie früher, betreibt er auch heute noch Politik wie ein stolzer Stammesführer.
Zwar macht er gelegentlich taktische Zugeständnisse, doch was führ ihn zählt, ist letztlich der persönliche Triumph: Das zeigten in den vergangenen Tagen sowohl der euphorische Empfang, den die Familie Gaddafi dem Lockerbie-Attentäter in Tripolis bereitete, als auch die genussvolle Art und Weise, in der die libyschen Staatsmedien über die Entschuldigung aus Bern berichten, die von einigen Schweizer Medien als "Kniefall vor dem Wüsten-Diktator" bezeichnet wurde. (afp, dpa)
Diktatur und Geschäft
02.09.2009 | 16.25 Uhr | Mabuse
Dieser Mann führt seit Jahrzehnten ein Regime in
diesem Land, welches jede freie Meinungsäusserung,
Pressefreiheit und Demokratie unterdrückt.
Es…
| JETZT BESTELLEN! 4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%. |
|
Anzeige
Podolski bitter enttäuscht vom FC
Popstar Whitney Houston ist tot
Sexsüchtige ruinieren ihr Leben

Frankfurter Rundschau
Proteste - Portugal begehrt aufWhitney Houston ist tot - We will always love you

EXPRESS
Nach Infarkt und Hirnschlag - Kult-Köbes kämpft sich ins Leben zurückNach Rauswurf - Preetz gibt zu: Skibbe-Verpflichtung war eine „Fehleinschätzung“

Spiegel Online
Größte Containerhafen Europas: Hamburg drängt Antwerpen vom zweiten PlatzMusikpreise: Grammy-Veranstalter ehren Whitney Houston