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Aids-Kampagne

Youtube stoppt Führer-Porno

Von Tobias Kaufmann, 08.09.09, 14:19h, aktualisiert 09.09.09, 14:21h

Stalin, Saddam oder Hitler beim Sex mit einer jungen Frau – „Aids ist ein Massenmörder“ heißt die provokative Kampagne einer Hamburger Agentur. Die Aids-Hilfe ist empört. Youtube hat den Spot inzwischen von seiner Plattform getilgt.

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Geschmacklos oder aufrüttelnd - Hitler in der Aids-Kampagne (Bild: dpa)
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Geschmacklos oder aufrüttelnd - Hitler in der Aids-Kampagne (Bild: dpa)
Sex. Ein Mann, eine Frau in verschiedenen Stellungen, hingebungsvoll, anregend animiert. Rund 30 Sekunden läuft der Film, dann zielt die Kamera auf den Mann, er hebt den Kopf. Gleich sieht man sein Gesicht. Dann sieht man es und zuckt zurück. Es ist Hitler. Die Szene bricht ab, während ein Slogan eingeblendet wird: „Aids ist ein Massenmörder. Schütz Dich.“

Mit dieser Kampagne, in der auch die Diktatoren Saddam Hussein und Josef Stalin unrühmliche Rollen spielen, wollen die Anti-Aids-Organisation „Regenbogen“ und die Werbeagentur „Das Comitee“ zum Welt-Aids-Tag auf die große Zahl von HIV-Infektionen aufmerksam machen.

Doch die Deutsche Aids-Hilfe kann der Aktion gar nichts abgewinnen. Sie ist hellauf empört. „Dieser widerliche Spot verhöhnt alle Opfer des Nationalsozialismus und setzt HIV-positive Menschen mit Massenmördern gleich“, heißt es in einer Erklärung. „Wir wollen aufklären und keine plakativen Angstbilder verbreiten, mit denen Infizierte stigmatisiert werden“, sagt der Sprecher der Kölner Aids-Hilfe, Marlon Berkight. „Der Subtext ist doch, dass HIV-Infizierte, die sexuell aktiv bleiben, Massenmörder sind.“ Auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, die Deutsche Aids-Stiftung und Initiativen aus den USA und Großbritannien kritisieren die Kampagne.

Deren Macher ficht das nicht an. „Das lässt mich relativ kalt“, sagt Dirk Silz von „Das Comitee“. Die Kritiker interpretierten den Spot falsch. „Wir geben der Krankheit ein Gesicht, nicht den Kranken.“ Provokation sei nötig, sagt Silz mit einem Seitenhieb auf die Aids-Hilfe: „Angesichts eines Trends zu ungeschütztem Sex und steigender Infektionszahlen sind die bisherigen Kampagnen ja offenbar nicht wirklich erfolgreich“. Ob ausgerechnet die x-te Schock-Kampagne mit Hitler das Ruder da herumreißt? Die Kölner Aids-Hilfe sieht die Infektionszahlen ohnehin anders. In Deutschland seien sie eher niedrig - zudem seien 60 Prozent der Betroffenen homosexuell.

Youtube und Facebook haben das umstrittene Video inzwischen gesperrt - näher begründet wurde das nicht. "Wir kommentieren grundsätzlich keine einzelnen Videos und warum manche von ihnen entfernt wurden", sagte YouTube-Sprecher Henning Dorstewitz am Mittwoch. Ein Verstoß liege dann vor, wenn Szenen mit illegalen, Gewalt verherrlichenden, hetzerischen oder sexuell eindeutigen Handlungen gezeigt werden. Auf der Internetseite des Vereins Regenbogen ist das Video aber nach wie vor zu besichtigen. (mit dpa)



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