Von Tobias Kaufmann, 08.09.09, 14:19h, aktualisiert 09.09.09, 14:21h
Mit dieser Kampagne, in der auch die Diktatoren Saddam Hussein und Josef Stalin unrühmliche Rollen spielen, wollen die Anti-Aids-Organisation „Regenbogen“ und die Werbeagentur „Das Comitee“ zum Welt-Aids-Tag auf die große Zahl von HIV-Infektionen aufmerksam machen.
Doch die Deutsche Aids-Hilfe kann der Aktion gar nichts abgewinnen. Sie ist hellauf empört. „Dieser widerliche Spot verhöhnt alle Opfer des Nationalsozialismus und setzt HIV-positive Menschen mit Massenmördern gleich“, heißt es in einer Erklärung. „Wir wollen aufklären und keine plakativen Angstbilder verbreiten, mit denen Infizierte stigmatisiert werden“, sagt der Sprecher der Kölner Aids-Hilfe, Marlon Berkight. „Der Subtext ist doch, dass HIV-Infizierte, die sexuell aktiv bleiben, Massenmörder sind.“ Auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, die Deutsche Aids-Stiftung und Initiativen aus den USA und Großbritannien kritisieren die Kampagne.
Deren Macher ficht das nicht an. „Das lässt mich relativ kalt“, sagt Dirk Silz von „Das Comitee“. Die Kritiker interpretierten den Spot falsch. „Wir geben der Krankheit ein Gesicht, nicht den Kranken.“ Provokation sei nötig, sagt Silz mit einem Seitenhieb auf die Aids-Hilfe: „Angesichts eines Trends zu ungeschütztem Sex und steigender Infektionszahlen sind die bisherigen Kampagnen ja offenbar nicht wirklich erfolgreich“. Ob ausgerechnet die x-te Schock-Kampagne mit Hitler das Ruder da herumreißt? Die Kölner Aids-Hilfe sieht die Infektionszahlen ohnehin anders. In Deutschland seien sie eher niedrig - zudem seien 60 Prozent der Betroffenen homosexuell.
Youtube und Facebook haben das umstrittene Video inzwischen gesperrt - näher begründet wurde das nicht. "Wir kommentieren grundsätzlich keine einzelnen Videos und warum manche von ihnen entfernt wurden", sagte YouTube-Sprecher Henning Dorstewitz am Mittwoch. Ein Verstoß liege dann vor, wenn Szenen mit illegalen, Gewalt verherrlichenden, hetzerischen oder sexuell eindeutigen Handlungen gezeigt werden. Auf der Internetseite des Vereins Regenbogen ist das Video aber nach wie vor zu besichtigen. (mit dpa)
Zensur ist immer falsch
09.09.2009 | 23.58 Uhr | Sanug
Über die Kampagne und die Frage, ob Aidskranke hier beleidigt werden, kann man ja durchaus geteilter Meinung sein. Aber dass Youtube den Video gleich…
zusammenhang mit opfern?
09.09.2009 | 12.33 Uhr | TT1975
des nationalsozialismus? ich weiß nicht, also ich hab gleich erkannt was die mit der kampagne ausdrücken wollen. Vielleicht bin ich aber auch zu…
Kaum tragbar
09.09.2009 | 11.58 Uhr | polabox
Herr Silz wird die Kampagne für Regenbogen e. V. kaum durchsetzten können und damit auch nicht den Marketing-Effekt aus der 'Aufregung' für seine…
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