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Statistik

Das 1000. Opfer auf dem Rad

Von Thorsten Moeck, 08.09.09, 22:42h, aktualisiert 08.09.09, 22:44h

Wer in Köln auf's Rad steigt, sollte vorher ein Gebet sprechen. Klaus Görl ist das tausendste radelnde Unfallopfer allein in diesem Jahr. Dafür erhielt er sogar einen Anruf vom Polizeidirektor. Und der sieht eher bei den Radfahrern die Schuld.

Klaus Görl
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Kopfüber auf den Asphalt: Klaus Görl ist das 1000. Rad-Opfer des laufenden Jahres. (Bild: Krasniqi)
Klaus Görl
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Kopfüber auf den Asphalt: Klaus Görl ist das 1000. Rad-Opfer des laufenden Jahres. (Bild: Krasniqi)
Köln - Jubilare werden meist mit großem Tamtam überrascht. Der Millionste Kunde im Supermarkt erhält vom geschniegelten Filialleiter Blumenstrauß und Einkaufsgutschein. Dann wird noch ein Foto gemacht, und der überraschte Gewinner darf erzählen, wie gerne er hier einkaufen geht. Klaus Görl musste auf solches Brimborium verzichten, bei ihm hat einfach nur das Telefon geklingelt. Gemeldet hat sich Kölns leitender Polizeidirektor Helmut Simon. Nach gut gemeinten Genesungswünschen erfuhr Klaus Görl, dass er der tausendste Radfahrer ist, der in diesem Jahr bei einem Unfall in Köln verletzt worden ist. Gratuliert hat Helmut Simon nicht.

Seit seinem Unfall sind die Schmerzen Görls ständiger Begleiter. Eine Platzwunde über dem linken Auge musste mit acht Stichen genäht werden, Nase und Mundpartie sind übersät mit Schürfwunden. „Ich nehme täglich zwei bis drei Schmerztabletten. Aber es wird von Tag zu Tag besser“, sagt er. Am vergangenen Freitag war er auf dem Weg zur Arbeit verunglückt. Aus der Südstadt fährt er jeden Tag ins Büro nach Niehl. Dieses Mal kam er nur bis zur Bastei. Eine Autofahrerin wollte laut Polizei von der Rheinuferstraße nach rechts zum Rhein abbiegen und blieb auf dem dortigen Radweg stehen. Weil Klaus Görl nicht mehr ausweichen konnte, zog er die Bremsen voll an und flog über den Lenker seines Rennrads auf den Asphalt.

„Es fehlt an Verständnis“

Polizeidirektor Helmut Simon hält diesen Unfall für einigermaßen typisch. Obwohl, oder gerade weil es nicht zur Kollision gekommen ist. „Oft gibt es ein Kommunikationsproblem zwischen Radfahrern und Autofahrern. Es fehlt vielfach an gegenseitigem Verständnis“, mahnt er. Die Zahl der Fahrradunfälle stagniert in Köln seit Jahren auf hohem Niveau. Im vergangenen Jahr sind 1419 Radfahrer auf Kölns Straßen verunglückt. Simon rechnet für dieses Jahr mit einer ähnlich hohen Zahl. Viele dieser Unfälle wären offenbar vermeidbar, denn Ursache sei oftmals die Missachtung der Verkehrsregeln. Die Polizei bemängelt vor allem Rotlicht-Verstöße, Fahren gegen die vorgeschriebene Richtung sowie Unachtsamkeiten an Kreuzungen.

Seit einigen Monaten ist eine Mountainbike-Staffel der Polizei mit Videokamera unterwegs, um Verkehrsverstöße von Radfahrern zu dokumentieren. An einer Fernsehstudie ihrer Rotlichtfahrten haben viele überführte Radfahrer jedoch wenig Interesse. „Der Prozentsatz derer, die sich das ansehen, ist gering. Die meisten Radfahrer sind sich über ihr Verhalten bewusst“, sagt Simon. Er hält die Gleichgültigkeit im Umgang mit den Verkehrsregeln für ein typisches Kölner Phänomen. „Wir haben uns den Radverkehr in Bochum, München und Dortmund angeschaut. Dort wird anders Rad gefahren“,

Klaus Görl gehört auf dem Rad zu den Vielfahrern. Unsicher fühlt er sich nicht. „Nur an Ausfahrten von Tiefgaragen gibt es oft brenzlige Situationen“, sagt er und würde sich eine bessere Beschilderung solcher Gefahrenpunkte wünschen. Zunächst aber will er persönlich die Konsequenz aus seinem Unfall ziehen. Und sich einen Helm zulegen.



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