Von Peter Seidel, 17.09.09, 12:10h, aktualisiert 25.09.09, 14:34h
Ende Dezember hätte der Neubau des WCCB eigentlich auch fertig gestellt sein sollen. Für 2010 ist die Eröffnung geplant. Ob das noch zu schaffen ist, weiß derzeit niemand so recht zu sagen. Denn es fehlt Geld, um die Innenausbau-Arbeiten zu Ende zu bringen. Seit Ende August ist der Investor Honua, ein Konglomerat koreanischer Unternehmen, mit der Zahlung von 32 Millionen Euro für die Fertigstellung des 180-Millionen-Euro-Baus im Rückstand. Honua ist zwar als Eigentümer der Bauherrin, der UNCC GmbH, im Handelsregister eingetragen. Doch die israelische Investmentgesellschaft Arazim beansprucht ebenfalls das Eigentum an UNCC. Ein Rechtsstreit zwischen den beiden ist noch nicht endgültig entschieden, fiel aber vorläufig zugunsten von Arazim aus (siehe Kasten). Und am Wochenanfang waren zudem auch noch Generalunternehmer Young-Ho Hong sowie Geschäftsführer Michael Thielbeer von der Betreibergesellschaft WCCB GmbH zunächst vorläufig festgenommen worden.
Vorwürfe erhärtetErmittelt wird auch gegen den Koreaner Man Ki-Kim, den ursprünglichen Investor des Projekts. Am Mittwoch hatten sich die Vorwürfe des Betrugs und der Untreue zu Lasten der Stadt Bonn sowie der Bestechung und der Bestechlichkeit offenbar soweit erhärtet, dass Hong und Thielbeer in Untersuchungshaft genommen wurden.
Kein Wunder, dass da manche Handwerksbetriebe nervös wurden und sich fragen, ob noch offene Rechnungen auch weiterhin beglichen werden. Wenn aber auf einer solch großen Baustelle erst einmal ein Gewerk die Arbeit ruhen lässt, führt das schnell dazu, dass andere auch nicht weiter arbeiten können. So stellt sich die Lage zum Beispiel für die PSA Bauunternehmung aus Neunkirchen dar. Dabei habe ihre Firma, die im WCCB Innenputzarbeiten und spezielle Dämmungen in Lüftungsschächten erledigt, bisher „keinerlei negative Erfahrung“ auf der Baustelle gemacht, betont Inhaberin Annette Marx im Gespräch mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. „Wir haben bis jetzt pünktlich unser Geld erhalten. Das war ein ganz normales Projekt für uns.“ Jetzt allerdings sei alles „etwas undurchsichtig. Die Baustelle scheint sich aufzulösen.“ Ihre Handwerker müssen im WCCB noch Beiputz- und Dämmarbeiten ausführen.
Groß ist die Verunsicherung auch bei Ralf Prasse. Der Malermeister aus Rheda-Wiedenbrück hat an dem anthrazitfarbenen Kongressbau und dem in hellerem Grau gehaltenen 17-stöckige Hotelneubau nebenan Dämm- und Malerarbeiten gemacht. „Bisher war das eine normale Zusammenarbeit, auch was die Bezahlung anlangt.“ Doch die Berichte über fehlende Überweisungen und den Streit der Investoren machen auch ihn nervös. „Das treibt einem den Schweiß auf die Stirn.“
Bauleitung will nichts sagenDie Bauleitung in einem Bungalow an der Heussallee will zur Situation auf der Baustelle nichts sagen. Von der Hoffnung, dass die Situation sich bald, vielleicht schon in ein bis zwei Tagen, kläre, ist die Rede. Die Hoffnung darauf, dass Honua und Arazim sich schnell außergerichtlich einigen, frisches Geld für den Innenausbau des WCCB fließt und alle mit einem blauen Auge davonkommen, ist auch bei der Bonner Stadtverwaltung noch nicht gestorben. Konkretes sagen will man aber nicht und verweist auf eine außerplanmäßige Sitzung des Stadtrates am Donnerstagabend.
In der Bonner Staatsanwaltschaft ist man immer noch damit beschäftigt, sich „einen Überblick“ zu verschaffen, wie Oberstaatsanwalt Fred Apostel sagte. Angesichts mehrerer Lastwagen voller Unterlagen, die die Polizei im Auftrag der Staatsanwaltschaft in Privat- und Geschäftsräumen in Bonn, Berlin, Düsseldorf und Hessen beschlagnahmte, dürfte das allein einige Zeit in Anspruch nehmen. „Wir überlegen, ob wir den ein oder anderen Zeugen vernehmen“, sagte Apostel.
Bei der UNCC GmbH ist den ganzen Tag über telefonisch niemand zu erreichen. Und völlig unabhängig von der Frage, ob das fehlende Geld für den Bau des Kongresszentrums doch noch kurzfristig zur Verfügung steht - der politische Schaden ist längst enorm. Vor der Ratssitzung am Donnerstagabend forderten Bonns CDU-Chef Axel Voss und die Grünen den Rücktritt von Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann (SPD). Sie habe die Informationspflicht gegenüber dem Rat verletzt, so die Grünen.
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