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Hochzeit

Abschied vom Beziehungstyp Ehe

Von Julia Lappert, 19.09.09, 08:34h, aktualisiert 19.09.09, 08:35h

Die Vorstellung von der ewigen Liebe ist schön, aber unrealistisch: Obwohl die Hochzeitszahlen seit 2007 wieder steigen, sieht die Lebensplanung junger Paare heutzutage meist anders aus.

"Ja, ich will" - oder besser nicht? Seit 2007 steigt die Zahl der Eheschließungen wieder. Ich war zuletzt auf drei Hochzeiten eingeladen, und auch aus meinem Bekanntenkreis sind viele Freunde bei Eheschließungen eingeladen. Doch die Vorstellung von der ewigen Liebe ist genauso schön wie unrealistisch. "Bis das der Tod euch scheidet" - wer glaubt denn das? Irgendwann ist die Kutsche samt weißen Pferden abgefahren, die Herzluftballons sind zerplatzt.

Wozu oft der ganze Aufwand, wenn so viele Ehe sowieso nicht halten? Flitterwochen dauern kein ganzes Leben, und der graue Alltag kehrt auch in der Ehe ein. Offensichtlich sind viele hoffnungslos romantisch, wünschen sich eine Familie und glauben, dass die Beziehung ihr Ablaufdatum durch das Ja-Wort verliert. Doch Ehen gehen auseinander, halten kürzer oder länger, genauso wie ledige Beziehungen. Die Kosten machen den Unterschied: Zur teuren Hochzeit kommt die kostspielige Scheidung. Da helfen die Steuervergünstigungen während der Ehe wohl kaum.

Vielleicht gab es sie mal, die ewige Liebe - meinetwegen auch in Form einer Ehe -, die für immer hielt. Ich glaube, dass Beziehungen heutzutage nicht mehr für immer halten können. Zu Zeiten meiner Großeltern war es verpönt, sich scheiden zu lassen. Abgesehen davon, dass die Frau alleine oder auch mit Kindern überhaupt nicht klargekommen wäre. Früher mussten Ehepartner Hürden gemeinsam nehmen. Sie mussten sich in guten wie in schlechten Tagen aufeinander verlassen können. Heute fällt die Lebensplanung anders aus. Für viele ist ein häufiger Jobwechsel eingeplant, Umzüge stehen auf der Tagesordnung. Alleinerziehende Mütter kommen im Vergleich zu früher viel besser klar. Sie verlieren nicht ihren Job. Sich scheiden zu lassen ist sehr einfach geworden.

Unabhängig und frei sein - das ist in einer Leistungsgesellschaft zum wichtigsten Gut geworden. Ich will selbst bestimmen, wann ich wo wie lebe. Vielleicht ist das purer Egoismus oder Bindungsangst? Die Menschen sollten sich vom Beziehungstyp Ehe verabschieden, der für das 21. Jahrhundert nicht mehr gemacht ist. Ich vertraue lieber dem gesunden Menschenverstand, als es auszuprobieren und zu scheitern.



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