Erstellt 27.09.09, 09:35h, aktualisiert 27.09.09, 10:45h
Alle Politiker auf der Konferenz zeigten sich irritiert. Wenn Teheran im Atomstreit nicht einlenke, müsste es zu "Sanktionen kommen, die wehtun", sagte Obama. Falls der Iran nicht nachgebe, bleibe Teheran auf "einem Pfad, der zur Konfrontation führt". Von einem Vertreter des israelischen Geheimdienstes Mossad war am Wochenende in Jerusalem zu hören, dass sich Israel auf eine "Angriffsstunde" bereits länger vorbereite. "Jetzt wird es ernst für Teheran", sagte der Mossad-Mann. US-Verteidigungsminister Robert Gates meinte, es wäre falsch, einen Militäreinsatz gegen Iran auszuschließen.
Der iranische Staatspräsident Mahmud Ahmadinedschad hatte zugegeben, dass heimlich in einem unterirdischen Tunnelkomplex auf dem Gelände eines Stützpunktes der Revolutionsgarden nahe der Heiligen Stadt Ghom südwestlich von Teheran eine zweite Anlage für 3000 Zentrifugen gebaut wird. Die erste Urananreicherungsanlage in Natans östlich von Teheran arbeitet nach westlichen Geheimdienstangaben schon lang am Bau einer Atombombe.
Die israelische Regierung zeigte sich über die klaren Worte von Obama "sehr erfreut", war aus Kreisen des Mossad zu hören. Der israelische Geheimdienst hatte schon im Februar erklärt, der Iran habe die "technologische Schwelle" zur Herstellung einer Atombombe erreicht. Teheran bestreitet ständig, die Atomkraft militärisch nutzen zu wollen. Neben dem Mossad glaubt auch der Bundesnachrichtendienst (BND), dass der Iran innerhalb eines überschaubaren Zeitraumes einen unterirdischen Atombombentest durchführen könnte. Erst vor einigen Monaten hatte Nordkorea ohne Ankündigung einen solchen Test durchgezogen.
Der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu hatte schon vor seinem Amtsantritt keinen Zweifel daran gelassen, dass er den Iran den Weg zur Nuklearmacht "nicht widerstandslos gehen lassen will". Iran werde nicht in den Besitz von Atomwaffen kommen. "Das schließt alles Notwendige ein, um das auch durchzuführen", hatte Netanjahu erklärt. Agenten des Mossad wiesen auf die "Exempel", die Israel bereits in zwei Fällen statuiert hat.
Im Juni 1981 flogen in aller Heimlichkeit acht F-16-Kampfbomber die 900 Kilometer von Israel in den Irak und zerstörten den Osirak-Reaktor des Diktators Saddam Hussein. Das zweite Mal schlug Israel mit einer geheimen Kommandoaktion am 6. September 2007 in Syrien zu. Israelische Kampfflugzeuge vernichteten im Osten des Landes eine Nuklearanlage, die Syrien nach Angaben von Mossad-Leuten zusammen mit Nordkorea bauen wollte. Damaskus stritt den Bau der Anlage ab.
Die Israelis haben schon mehrfach mit Langstreckenflugzeugen einen Angriff auf die iranischen Atomanlagen geübt, war aus Kreisen des Mossad zu erfahren. Eine dieser Übungen habe in großen Höhe über dem östlichen Mittelmeer stattgefunden. Ein Militärschlag auf die iranischen atomaren Anlagen wird aber als äußerst kompliziert angesehen, weil sie auf mehrere Orte im Iran verteilt und in großem Ausmaß tief verbunkert sind. Das sei letztlich jedoch "weder eine technische noch eine logistische Frage", verlautete aus dem Mossad.
Einen weiteren Hinweis, dass sich die israelische Armee auf einen Militärschlag gegen Iran vorbereitet, lieferte vor einiger Zeit die Fahrt eines ihrer U-Boote vom Mittelmeer durch den Suez-Kanal zum Hafen der israelischen Küstenstadt Eilat am Roten Meer. Israel wollte damit seine Bereitschaft und seine Möglichkeiten zum Eingreifen gegen den Bau iranischer Atombomben signalisieren. Von dem U-Boot können sogar nukleare Sprengköpfe abgeschossen werden, hieß es vom Mossad. (ddp)
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