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Prozess

„Enkelin“ muss ins Gefängnis

Von Thorsten Moeck, 06.10.09, 18:42h

Gezielt alte Menschen betrogen: Katie Z. soll mit dem „Enkeltrick“ hunderte Senioren um ihr Geld gebracht haben. Nun ist die die 37-jährige Mutter von drei Kindern zu sechs Jahren Haft verurteilt worden.

Katie Z.
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Katie Z. zeigte sich vor Gericht geständig. (Bild: Fouad)
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Katie Z. zeigte sich vor Gericht geständig. (Bild: Fouad)
Köln - Als das Urteil verkündet ist und die Angeklagte sich die Tränen aus dem Gesicht gewischt hat, wird Richter Karl-Heinz Schumacher deutlich. „Wenn Sie nochmal zum Handy greifen und alte Leute anrufen, gibt es Sicherheitsverwahrung. Dann kommen sie so schnell nicht mehr aus dem Gefängnis“. Sechs Jahre muss Katie Z. (37) in Haft, weil sie mit dem so genannten „Enkeltrick“ reihenweise alte Menschen um ihr Erspartes gebracht hat. „Ein überaus mildes Urteil“, betont der Richter. Verurteilt wurde sie wegen bandenmäßigen und gewerbsmäßigen Betrugs.

Die Erscheinung der Betrügerin im Gerichtssaal ist überaus elegant. Rote Bluse, schwarzer Blazer, rotes Einstecktuch. Sich selbst bezeichnet die Frau mit deutschem Pass als „Zigeunerin“. In Belgien und Holland hatte sie teure Hotelzimmer gemietet und von dort quer durch Deutschland telefoniert. Die Telefonnummern alter Menschen erhielt sie von einer Auskunfts-CD mit Altersfilter. Bei den alten Menschen gab sie sich als Enkelin, Nichte oder Bekannte aus, täuschte eine finanzielle Notlage vor und veranlasste ihre Opfer, mehrere Tausend Euro bei der Bank abzuheben und einem „Abholer“ zu übergeben. „Sie haben die Hilfsbereitschaft der Menschen schamlos ausgenutzt“, sagte Oberstaatsanwalt Egbert Bülles. Festgenommen wurde sie im Mai in einem niederländischen Hotel. Sie hat ein Geständnis abgelegt.

Erheblichen Anteil an der Festnahme der Betrügerin hatte der Kölner Kommissar Joachim Ludwig. Er gilt bundesweit als Experte bei der Aufklärung der „Enkeltaten“. Überführt hat er Katie Z. durch Auswertung von Handydaten und Telefonüberwachung. „Bei dieser Art von Betrug gibt es keine DNA-Spuren oder Fingerabdrücke, sondern nur Datenspuren“, sagte Ludwig. Deutliche Kritik übten er und auch Bülles am Plan der neuen Bundesregierung, die Vorratsspeicherung von Telefondaten einzuschränken. „Wenn das wegfällt, brauchen wir nicht mehr zu ermitteln. Dann können wir diese Taten nie aufklären“, mahnte er. Bülles nannte die Pläne aus Berlin „absurd“.

Mafiöses Netzwerk

Angeklagt war Katie Z. wegen 30 Betrugstaten und vier Versuchen. Mit ihren Anrufen brachte sie alte Menschen in ganz Deutschland dazu, ihre Konten leer zu räumen. Von der Beute - mehr als 200 000 Euro - habe sie die Hälfte kassiert.

„Von dem Geld ist aber nichts mehr da. Es tut mir Leid“, beteuerte sie. Ihr damaliger Freund Engelbert K. habe sie zu den Betrügereien überredet. Als „mafiöses Netzwerk“ bezeichnete Ludwig die Familienstrukturen der Täter. Die Opfer von Katie Z. kommen aus ganz Deutschland, unter anderem aus Köln und Burscheid. Dort verlor eine 80-Jährige Frau 12 000 Euro, in der Annahme, das Geld komme bei ihrer Enkelin Daniela an. Katie Z. überredete sogar eine Rollstuhlfahrerin (93), ihren Familienschmuck aus dem Fenster zu reichen. Einem anderen gehbehinderten Opfer bestellte sie für die Fahrt zur Bank ein Taxi.



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