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Obamas Sieg

Nobelpreis für die Idee von Frieden

Von Tobias Kaufmann, 09.10.09, 12:08h, aktualisiert 10.12.09, 20:25h

Der amtierende US-Präsident erhält den Friedensnobelpreis. Das ist eine gut gemeinte Sensation, der Barack Obama kaum gerecht werden kann: sie legt alle Hoffnung der Welt auf seine Schultern. Anstoß – der tägliche Kommentar auf ksta.de

Barack Obama
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Barack Obama, seit Januar US-Präsident und seit Freitag mittag auch Friedensnobelträger. (Bild: rtr)
Barack Obama
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Barack Obama, seit Januar US-Präsident und seit Freitag mittag auch Friedensnobelträger. (Bild: rtr)
Man ist von den Nobelpreiskomitees für Literatur und Frieden ja einige Skurrilitäten gewöhnt, man denke nur an Harold Pinter oder Al Gore. Insofern ist Barack Obama eine eher konservative Wahl. Zugleich ist sie revolutionär: Seit Woodrow Wilson 1919 hat kein amtierender US-Präsident mehr den wichtigsten Preis der politischen Welt erhalten.

Aber bei diesem Vergleich wird die Auszeichnung schon fragwürdig. Wilson hatte seinerzeit den Völkerbund mit erschaffen, den Vorläufer der Vereinten Nationen. Obama dagegen hat, Stand heute, nichts Greifbares erreicht. Er hat nur Reden gehalten, hervorragende Reden wie jene in Kairo, aber eben nur: Reden. Frieden geschaffen hat er nicht, nach Afghanistan hat er sogar mehr Soldaten geschickt.

Dass Obama den Friedensnobelpreis erhält, nachdem er nicht einmal ein Jahr im Amt und keine Krise seiner Regierungszeit – vom Konflikt mit dem islamischen Terrorismus bis zum Klimawandel – auch nur annähernd gelöst ist, dürfte etwa für seinen Vor-Vorgänger Bill Clinton ein Schlag ins Gesicht sein. Vom Kosovo bis zum Nahen Osten, mit Stiftungen und persönlichem Engagement hat dieser Demokrat mehr versucht und mehr erreicht als die meisten Preisträger der letzten 20 Jahre. Dennoch wird nun zum dritten Mal an ihm vorbei und über ihn hinweg ein anderer amerikanischer Spitzenpolitiker ausgezeichnet: Jimmy Carter, Al Gore, Barack Obama.

Aber um messbare Resultate geht es beim Friedensnobelpreis nicht. Barack Obama erhält die Auszeichnung zwar formal als Einzelperson, aber eigentlich wird - wenn man die Begründung der Jury zugrunde legt – weniger die Person als die Idee Obama geehrt. Das Modell des modernen Hoffnungsträgers, der schwarze Mann an der Spitze der Weltmacht, der Präsident nach Bush, die Vision von Versöhnung und Verständigung, die mit dem Friedensnobelpreis von Anfang an verbunden war – für all dies wird Barack Obama ausgezeichnet. Und nur in diesem Sinne ergibt die Ehrung einen Sinn. Das Nobelpreiskomitee zeichnet seine eigene Projektion aus.

Damit setzt es nicht nur sich selbst, sondern vor allem Obama unter Druck. Ob der Iran die Atombombe bauen kann, ob Afghanistan und der Irak lebensfähige Staaten werden, ob Israelis und Palästinenser einen Weg aus dem Konflikt finden, ob Länder wie Nordkorea oder Syrien die Achse des Bösen verlassen, ob Afrika ins Leben zurückkehrt, all dies liegt nur sehr beschränkt in Obamas Macht. Aber man vertraut ihm an, zumindest einige dieser Hoffnungen erfüllen zu können – einfach, weil er sie geweckt hat. Wenn der Mensch Obama die Versprechen der Idee Obama nicht einlösen kann, zerfällt auch die Projektion von Oslo.



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