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Kölner Comedy Festival

Schiller und die Scharmützel

Von Marianne Kolarik, 21.10.09, 21:24h, aktualisiert 21.10.09, 21:33h

Das Kölner Comedy Festival läuft zur Form auf. Besonders die Schillerbande sorgt für Lacher am laufenden Band. Die De- und Neukonstruktion von Friedrich Schillers Werken ist der Grund dieses Aufschwungs.

Nightwash
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„Nightwash“ in Action (Bild: Comedy)
Nightwash
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„Nightwash“ in Action (Bild: Comedy)
Wenn sich vier gestandene Mannsbilder, die in auf der Bühne, im Film und auf dem Bildschirm präsent waren, zusammentun, um als Ensemble zu zeigen, was Komik so alles hergibt, wird man hellhörig. Kann das gut gehen? Es geht. Das legt der Auftritt der Schillerbande nahe, die das Qualitäts-Level des laufenden „Köln Comedy Festival“ mit einer De- und Neukonstruktion von Friedrich Schillers Werken sprunghaft ansteigen lassen.

Die benötigten Ingredienzen bestehen aus den motivierten Schauspielern Michael Ehnert, Kristian Bader, dem Musiker Jan Christof Scheibe und Hilmi Sözer, der als komische Entdeckung des Abends gefeiert wurde, obwohl sich so mancher Kinogänger bereits vor Jahr und Tag über ihn als Hombre im „Schuh des Manitu“ amüsierte. Das Besondere an der Aufführung des Autors Michael Ehnert liegt in der Verquickung verschiedener Ebenen. Da ist Schillers Bühnenwerk, das als Grundlage für die inhaltliche Auseinandersetzung dient. Zum anderen gibt es die ewigen Scharmützel unter den Schauspielern, von denen jeder um die Platzierung seiner Rolle besorgt ist - und nicht zuletzt das Spiel mit den Klischees um Sözer als Mann mit Migrations-Hintergrund.

Winni Rau, der künstlerische Leiter des Festivals, kann in der zunehmenden Zahl an Künstlern, die sich mit anderen zusammen tun, zwar keinen Trend erkennen, unterstützt diese Tendenz gleichwohl, indem er sie bevorzugt einlädt. Der Comedy-Nachwuchs profitiert davon, dass der Zuschauer sich auf die durchgehend gehobene Qualität der Veranstaltungen verlassen kann. Ob Mixed-Shows wie die „1Live Comedynacht“ im E-Werk oder Solo-Darbietungen wie die des poetischen Sprachschöpfers Erwin Grosche in der Comedia - hier zeigt sich die Bandbreite dessen, was sich unter dem Begriff Comedy subsumieren lässt.

Nicht das Ewig-Gleiche

Wer dagegen am Dienstag die RTL-Aufzeichnung des Deutschen Comedypreises 2009 im Coloneum erlebt hat, steht fassungslos vor der Eindimensionalität und der Wiederholung des Ewig-Gleichen, mit der das Privatfernsehen die Menschen am Bildschirm abspeist. Und damit suggeriert, es gäbe lediglich eine Handvoll lustiger Kleinkünstler, die in der Lage sind, das Recht auf Unterhaltung einzulösen.

Damit hegt RTL die Hoffnung auf befriedigende Einschaltquoten, die mit Namen Cindy aus Marzahn oder Hape Kerkeling verknüpft werden. Mit dem richtigen Leben, also Live-Aufführungen vor Publikum, hat das nichts zu tun. Eben das beweist der Zuspruch, den so ein Festival erfährt. Selbst kleine Bühnen wie das Kölner Wohnzimmertheater oder das Theater 509 im Bürgerhaus Stollwerck haben etwas von dem im Laufe der vergangenen 19 Jahre erworbenen guten Ruf des Kölner Humor-Marathons.

Dieser wiederum ist dem Niveau der Künstler zu verdanken, die in ihren jeweiligen Disziplinen - vom virtuosen Tierimitator bis zum Puppenspieler, vom Theater-Special einer „Cavewoman“ bis zur phantastischen Welt einer Musiklehrerin - punktgenaue und fein austarierte Landungen mitten ins Komikzentrum hinlegen. Da sage einer, die Deutschen hätten nichts zu lachen.



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