Von Markus Decker, 27.10.09, 20:40h
Zwar ist der Christdemokrat aus Bergisch Gladbach ein echter Leistungsträger. Seit 2000 betreut er federführend und kompetent das weite Feld der Innen- und Rechtspolitik, das bei der Anti-Terror-Datei beginnt und bei der Patientenverfügung nicht endet. Weil Bosbach die fernsehgerechten 20-Sekunden-Statements im Schlaf beherrscht und alle Korrespondenten von der „Ostsee-Zeitung“ bis zum „Schwäbischen Tagblatt“ seine Handy-Nummer haben, ist die mediale Präsenz des ebenso fröhlichen wie empfindsamen Rheinländers sensationell. Dabei lässt er Parteifreunde nicht im Stich. 31 Abendveranstaltungen zählte Bosbach im Wahlkampf.
So einen Mitarbeiter müsste Kanzlerin Angela Merkel hegen und pflegen. Dem ist nicht so. Schon 2005 ist Bosbach nicht zum Zuge gekommen, obwohl er als Innenminister gehandelt worden war. Man bot ihm den Posten eines Parlamentarischen Staatssekretärs an; Bosbach schlug aus, weil ihn der Wechsel mundtot und einflusslos gemacht hätte. Jetzt wurde dem Vater von drei Kindern gar nichts mehr angeboten. Derweil machen Norbert Röttgen, Ronald Pofalla oder Hermann Gröhe in Merkels Schlepptau Karriere - Rheinländer, die zehn Jahre jünger sind. Während Bosbach es sich erlaubte, 2002 für Edmund Stoiber als Kanzlerkandidat zu optieren, und seine Sympathie für Ex-Fraktionschef Friedrich Merz nie verbarg, haben sich Konkurrenten derlei nicht erlaubt. Auch sonst passt Bosbach nicht in Merkels Beuteschema. Sie mag Leute wie sich selbst - nüchtern und verschwiegen. Bosbach ist emotional und redselig. Zudem hat er auf das Leistungsprinzip vertraut. Dabei ist Leistung in Berlin sekundär. Sonst wäre manche Minister-Laufbahn nicht erklärbar.
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