Von Ulrike Süsser, 28.10.09, 15:00h
Eberhard Petschel gab sich gelassen. Aber er wirkte doch angespannt, als die Stadtteilpolitiker ihre Stimmen in geheimer Wahl abgaben. Sichtlich um Haltung bemüht war Monika Roß-Belkner. Enttäuschung und Frust zeichneten sich in ihrem Gesicht ab. Wie versteinert saß sie zwischen ihren CDU-Kollegen. Dann plötzlich kam doch noch ein kurzer Hoffnungsschimmer für sie auf, als der Altersvorsitzende und Sitzungsleiter, Karl-Heinz Daniel, eine Enthaltung und eine ungültige Stimmabgabe verkündete. Aber es blieb dabei. Eberhard Petschel wurde zum neuen Bezirksbürgermeister gewählt, mit neun zu acht Stimmen. Monika Roß-Belkner wurde seine Stellvertreterin, zweiter Stellvertreter ist Mike Homann von der SPD.
Erstmals seit der Eingemeindung hat Rodenkirchen einen grünen Bürgermeister. Der 57-jährige Eberhard Petschel ist langjähriger Stadtteilpolitiker und kennt den Bezirk wie seine Westentasche. Er ist Lehrer für Physik am Gymnasium Rodenkirchen und bekannt als passionierter Pfeifenraucher. Er wolle sich für Transparenz, Bürgernähe, soziale und ökologische Nachhaltigkeit einsetzen und die Kompetenz seines Stellvertreterteams nutzen, sagte er in seiner kurzen Antrittsrede. Die Freude über seine neue Aufgabe war ihm anzusehen. Keinesfalls wolle er „der König von Rodenkirchen“ sein, aber etwas tun gegen die Politikverdrossenheit und zum bürgerschaftlichen Engagement ermutigen. Zusätzlich zur Bürgersprechstunde werde er in die Veedel gehen und in Kneipen und Gaststätten das Gespräch mit den Bürgern suchen. Seine Ankündigung machte er gleich wahr und lud die Kollegen und anwesenden Bürger zu Schnittchen in die Kneipe „Hinger d'r Heck“ ein.
In den kommenden fünf Jahren soll es nun gemeinsam getragene rot-grüne Entscheidungen geben, sagten die Fraktionsvorsitzenden der Grünen und der SPD, Manfred Giesen und Mike Homann. Ihre Voten wollen sie grundsätzlich abstimmen. Die Atmosphäre stimme zwischen den Fraktionen, vor allem in den vergangenen Wochen habe man sich angenähert. Es seien viele vertrauensvolle Gespräche geführt worden, während die Distanz zur CDU schleichend zugenommen habe.
Knackpunkt ist freilich der Hafenausbau. Die unterschiedlichen Standpunkte sollen aber „zusammengebracht“ werden. Die SPD zeige sich neuerdings offen für die Argumente der Gegner, meinte Manfred Giesen. Andererseits wollten die Grünen ihren bisherigen Standpunkt in puncto Schaffen von Arbeitsplätzen durch die Hafenerweiterung überdenken. Was bleibt, ist das Rätselraten über die Stimmenthaltung und die Aussicht auf frischen Wind in der Bezirksvertretung. Zumindest SPD und Grüne haben ihre „Lust auf neue Dinge“ angekündigt.
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