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Historisches Archiv

Das Gedächtnis der Stadt Köln

Von Rainer Rudolph, 03.11.09, 17:08h, aktualisiert 03.11.09, 17:17h

In der ersten Hälfte es Jahres 2010 soll das Historische Archiv der Stadt provisorische Räumlichekiten beziehen können. Zur Hebung der noch verschütteten Unterlagen wird ein millionenteures Bauwerk errichtet.

Stadtmuseum
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Zu sehen in der „Langen Nacht“ im Stadtmuseum ist neben vielen anderen Archivalien der Privilegar mit Siegel, „Köln-Flocke“. (Bild: Bause)
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Zu sehen in der „Langen Nacht“ im Stadtmuseum ist neben vielen anderen Archivalien der Privilegar mit Siegel, „Köln-Flocke“. (Bild: Bause)
Köln - Noch in der ersten Hälfte des nächsten Jahres soll das Historische Archiv der Stadt provisorische Räumlichkeiten beziehen. Diese Hoffnung äußerte der stellvertretende Leiter des Archivs, Ulrich Fischer, bei einem Vortrag über „das Gedächtnis der Stadt Köln“. Ein früherer Zeitpunkt sei nicht möglich. Das Archiv an der Severinstraße war am 3. März im Zusammenhang mit U-Bahn-Bauten eingestürzt. Zwei Menschen kamen dabei ums Leben.

„Als ich vor den Trümmern des Archivs stand, war ich mir sicher, dass man daraus nichts mehr rausholen kann“, berichtete Fischer von seinem ersten Eindruck. Nach der Beseitigung von 12.000 Tonnen Bauschutt und der Bergung von 85 Prozent der Unterlagen weiß man nun, dass vieles gerettet werden konnte, aber kaum etwas noch so aussieht wie vor dem Unglückstag. 35 Prozent der geretteten Unterlagen gelten als schwerst beschädigt, 50 Prozent als schwer und mittelmäßig beeinträchtigt, 15 Prozent sind nur leicht mitgenommen.

Um das noch vermisste Zehntel des Archivgutes aus der Grube retten zu können, soll in den nächsten drei bis sechs Monaten mit der Errichtung eines vier Millionen Euro teuren „Bergungsbauwerks“ begonnen werden, von dem aus man das Material sicher stellen will. Fünf Prozent gelten allerdings bereits heute als Totalverlust.

6300 Personenjahre, um Schaden aufzuarbeiten

Insgesamt stehen vor den Mitarbeitern der städtischen Einrichtung von Art und Umfang her „Aufgaben, wie es sie in der deutschen Archivlandschaft noch nicht gegeben hat“. Berechnungen zufolge wird es 6300 Personenjahre dauern, um den Schaden aufzuarbeiten. „Im Prinzip brauchten wir 200 Restauratoren, die 30 Jahre lang nur für uns arbeiten“, rechnete Fischer vor.

Für die erste Phase des Bestands(wieder)aufbaus sind erst einmal drei Jahre angesetzt. Dabei sollen die Fundstücke identifiziert, zusammengeführt und für die Restaurierung und digitale Erfassung vorbereitet werden. Bis jetzt ist das bereits in 12.000 Fällen oder „Bergungseinheiten“ gelungen. Die Digitalisierung der „Findbücher“, also der Bestandsverzeichnisse, die erst den Überblick über die Bestände ermöglichen, ist fast abgeschlossen.

Ein neues, eigenes Gebäude wird das Archiv wohl frühestens in sechs Jahren wieder haben. Bis dahin wird das Internet der Ort sein, an dem sich Wissenschaftler ebenso wie Familienforscher mit den Stück für Stück digitalisierten Beständen des Archivs auseinandersetzen können - und müssen. Die realen Dokumente sind zurzeit auf 19 „Asylarchive“, überwiegend in NRW, verteilt.

Trotz der bestehenden Behinderungen will das Archiv seine laufende Arbeit fortführen. So übernimmt es bereits wieder Akten der Stadtverwaltung und Nachlässe. Insbesondere nach der Übernahme der Personenstandsakten war die Zahl der Besucher im Archiv bis auf 6000 im Jahr 2008 angestiegen. Für das laufende Jahr war eine Steigerung um 30 Prozent erwartet worden.

Fischers Vortrag war Teil einer Vortragsreihe des Katholischen Bildungswerks im Domforum, die sich mit „der Zukunft der Vergangenheit in Köln“ nach dem Einsturz des Stadtarchivs beschäftigt. Als nächster Gast spricht Johannes Kistenich, Leiter des Technischen Zentrums im Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, am 23. November um 17 Uhr am gleichen Ort über „Restaurierung, Verfilmung und Digitalisierung von Archivgut“.



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