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Jahrestag

Teheran fürchtet das eigene Volk

Von Martin Gehlen, 03.11.09, 19:06h, aktualisiert 04.11.09, 10:03h

Vor 30 Jahren besetzten Mohsen Mirdamadi und andere Studenten die amerikanische Botschaft in Teheran. Seitdem herrscht Eisziet zwischen USA und Iran. Zum Jahrestag macht das Revolutionstribunal dem Anführer von damals nun den Prozess.

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Am 4.11.1979 nahmen Studenten 49 US-Bürger gefangen. (Bild: dpa)
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Am 4.11.1979 nahmen Studenten 49 US-Bürger gefangen. (Bild: dpa)
KAIRO - Die amerikanischen Geiseln von damals hatten ihn als „besonders widerlich“ in Erinnerung. Heute sitzt er selbst fest - als Oppositioneller im notorischen Evin-Gefängnis. Heute vor 30 Jahren gehörte Mohsen Mirdamadi zu dem Anführertrio der rund 400 iranischen Studenten, die die amerikanische Botschaft in Teheran besetzten und alle Diplomaten gefangen nahmen. Es war eine Demütigung, die sich tief ins kollektive Gedächtnis der Weltmacht USA einbrannte. Erst nach 444 Tagen kamen die 52 Geiseln frei.

Es war die politisch wohl teuerste und folgenschwerste Aktion in der Geschichte der Islamischen Republik. Wegen der Geiselnahme rührte der Westen keinen Finger, als Iraks Diktator Saddam Hussein 1980 den Nachbarn angriff und Iran einen achtjährigen Krieg aufzwang. Die diplomatischen Beziehungen zu den USA sind seit 1980 abgebrochen - ein Umstand, der erheblich zur internationalen Isolation Teherans beiträgt.

Im Land selbst dagegen war der 4. November seither Jahr für Jahr Anlass für „Tod Amerika“-Aufmärsche und hasserfüllte Reden. Doch am 30. Jahrestag ist alles ganz anders. Mirdamadi, dem Studentenhelden von damals, wird heute vor einem Revolutionstribunal in Teheran der Schauprozess gemacht. Seit Jahren wirbt er für eine Entspannung im Verhältnis zu den Vereinigten Staaten und wirft Präsident Mahmud Ahmadinedschad vor, seine Regierung wandle sich immer mehr zu einer Diktatur. Die Ankläger dagegen beschuldigen ihn, einen Umsturz geplant zu haben, und wollen ihn zusammen mit zahlreichen anderen Reformern für Jahre hinter Gitter bringen. „Der grünste Tag des Jahres naht“, schrieb Oppositionsführer Mir Hossein Mussawi kürzlich in seiner 14. Internetbotschaft seit den umstrittenen Präsidentschaftswahlen im Juni. Der 4. November solle alle daran erinnern, „dass es das Volk ist, das regiert“.

Und so wollen die Anhänger der beiden Reformkandidaten Mussawi und Mehdi Karroubi den Jubiläumskalender der Islamischen Republik nutzen, um ganz grün und ganz legal wieder auf die Straße zu gehen. Die Versammlung kämpfender Kleriker, zu der der frühere Präsident Mohammed Chatami gehört, rief das Volk ebenfalls zu friedlichen Protesten auf, ermahnte die Menschen aber, „nicht zur Gewalt zu greifen, wenn sie angegriffen werden“. Denn auch die Hardliner machen mobil. So kündigten die regimetreuen Basij-Milizen an, für Aufmärsche in Teheran drei Millionen Uniformierte zu aktivieren, deren schiere Zahl die Auftritte der Opposition erdrücken soll. „Das sind alles irregeführte Leute, die auf den revolutionären Errungenschaften herumtrampeln wollen“, drohte Basij-Kommandeur Mohammad Saleh Jokar. Irans Vize-Polizeichef stellte klar, man werde hart und entschieden gegen jede „illegale Versammlung“ vorgehen.

Am Dienstag schließlich feuerte der Oberste Religionsführer Ali Chamenei noch eine neue rhetorische Salve in Richtung Washington. „Jedes Mal, wenn sie ein Lächeln auf dem Gesicht zeigen, verstecken sie den Dolch hinter dem Rücken“, sagte er. Die Opposition warnte der Ajatollah vor „bösen Absichten gegen die Regierung“. Man werde nicht tatenlos zusehen, „wenn jetzt der rote Teppich für die USA ausgerollt wird“.



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