Von Thomas Iskra, 03.11.09, 19:32h
Das Dröhnen der Rotoren der kleinen und wendigen Hughes 369E war viele Kilometer weit zu hören. Im Tiefflug wurde Magnesium-Kalk aus einem unter dem Hubschrauber befestigten Behälter ausgestreut. Im Minutentakt manövrierte der Pilot seine Maschine über die festgelegten Stellen und leerte seinen mit 600 Kilogramm beladenen Behälter im Flug aus. Ohne zu landen steuerte dieser dann sofort zurück an eine Ladestelle, wo ein zweiter Behälter gerade von einem Bagger beladen wurde. Im Schwebeflug klinkte der erfahrende Pilot den Behälter ein und flog erneut über das angrenzende Waldgebiet.
„Die Fliegen von morgens bis abends ohne lange Pausen, selbst beim Tanken der Maschine steigt der Pilot nicht aus“, erklärt Werner Schönenbrücher sichtlich beeindruckt. Als Vorsitzender der Forstbetriebsgemeinschaft Much weiß er, dass der Nutzen einer Waldbekalkung aber auch umstritten ist. „Es ist seit Jahren nicht geklärt, ob es Vorteilhaft oder sogar Nachteilig für den Wald ist, aber wir machen das seit etwa acht Jahren und unsere Bäume werden dadurch stärker und gesünder - das Geld dafür kommt von der Bundesregierung“.
Drei Tonnen pro Hektar
Für manche Schaulustige des Spektakels ist der Sinn aber umstritten: „Von meinen Steuergeldern wird mit einem Hubschrauber eine Woche lang Kalk auf private und öffentliche Waldstücke geworfen“, sagte ein Zuschauer kopfschüttelnd.
Der Magnesium-Kalk ist basisch und neutralisiert den sauren Boden. Die Versauerung ist Resultat von Säuren in der Luft, die Menschen verursacht haben und die die Waldbäume herausfiltern.
Die Schadstoffe werden dann im Boden abgelagert. Pro Hektar Waldfläche werden deshalb drei Tonnen ausgebracht. Insgesamt werden innerhalb weniger Tage auf Mucher Wälder 450 Tonnen des ungefährlichen Magnesium-Kalks gestreut: Und das bedeutet Hubschrauber-Runden im Minuten-Takt.
Die 30 000 Euro, die diese Aktion kosten, werden vollständig von der Bundesregierung bezahlt. Die Regierung hat für 2009 über 350 000 Euro für die „Revitalisierung des Waldes“ in der ganzen Republik freigegeben. „Wir haben uns um dieses Geld beworben und den Zuschlag bekommen“, sagt Schönenbrücher. Früher mussten die Waldbesitzer noch Geld dazulegen, da die Landesmittel nicht ausgereicht hätten.
Bis wahrscheinlich Freitag wird die Bekalkung der Mucher Wälder abgeschlossen sein. In zwei Jahren soll diese Aktion wiederholt werden.
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