Von Evelyn Binder, 03.11.09, 19:12h
25 Kilometer und mehr
Nicht nur in Köln nimmt die Mobilität zu, sondern deutschlandweit: Die Erwerbstätigen im Land sind heute deutlich mobiler als noch Mitte der 90er Jahre, hat das Statistische Bundesamt errechnet, und sie nehmen auch immer weitere Anfahrtswege zum Arbeitsplatz in Kauf: „Während 1996 noch für gut die Hälfte der Erwerbstätigen die Entfernung zur Arbeitsstätte weniger als zehn Kilometer betrug, trifft dies heute nur noch für 45,8 Prozent der Erwerbstätigen zu“, sagt Andreas Grau vom Statistischen Bundesamt. 28 Prozent der Erwerbstätigen (1996: 28,1) legten Tag für Tag eine Strecke von bis zu 25 Kilometern zum Job zurück (einfache Strecke). Für 16 (1996: 13) Prozent sei die Entfernung noch größer.
31 Prozent der Arbeitnehmer (1997: 27 Prozent) sind länger als eine halbe Stunde (einfache Strecke) zum Arbeitsplatz unterwegs. Trotz gestiegener Kosten ist das eigene Auto für die meisten Arbeitnehmer Fortbewegungsmittel Nummer eins: 56 Prozent der Erwerbstätigen fahren mit dem Auto zur Arbeit - das sind ebenso viele wie 1996, allerdings bei einer um drei Millionen auf 38,7 Millionen gestiegenen Gesamtzahl von Erwerbstätigen. Nur 13 Prozent nutzen öffentliche Verkehrsmittel - wobei die Nutzung von Bussen zurückgegangen, die Nutzung der Bahn allerdings leicht gestiegen ist. Leicht erhöht hat sich auch der Anteil derer, die mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren: 8,3 Prozent der Erwerbstätigen radeln zum Job, das sind 0,9 Prozentpunkte mehr als 1996. Geringfügig gesunken ist der Anteil derer, die zu Fuß zum Betrieb gehen.
Über die Gründe für die zunehmende Mobilität deutscher Arbeitnehmer wollen die Statistiker nicht spekulieren. Forscher beschäftigen sich mit dem Thema allerdings schon länger. Der Arbeitsmarkt fordere mehr denn je mobile und flexible Arbeitskräfte, hat eine Studie der Universität Mainz im vergangenen Jahr ergeben. Die zunehmende Mobilität führe heute nicht mehr zwangsläufig zu einem Karrierefortschritt, sie diene de facto eher dazu, Arbeitslosigkeit und sozialen Abstieg zu vermeiden, so die Soziologen.
Nicht immer aber seien gestiegene Anforderungen seitens der Wirtschaft der Grund für wachsende Mobilität. Vielfach sei es auch die Liebe: Wenn in einer Partnerschaft beide berufstätig seien, sei das Pendeln eine praktikable „Problemlösungsstrategie zur Vereinbarkeit der Berufstätigkeit beider Partner.“
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