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Interview mit Markus Thiele

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Erstellt 04.11.09, 16:49h

Nach zehn Jahren hat Kalk wieder einen SPD-Mann als Bezirksbürgermeister. Markus Thiele spricht im Gespräch mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger” über seine Ziele und Visionen.

Markus Thiele
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Kalks Bezirksbürgermeister Markus Thiele. (Bild: Ramme)
Markus Thiele
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Kalks Bezirksbürgermeister Markus Thiele. (Bild: Ramme)
Kalk - Herr Thiele, Sie kommen gerade aus dem Krankenhaus in Bensberg, wo Ihre Frau das zweite Kind geboren hat. Wird das nicht später sauer sein, wenn als Geburtsort Bergisch Gladbach im Pass steht und nicht Köln?

MARKUS THIELE: Mein Ziel ist doch, Bergisch Gladbach nach Köln einzugemeinden und Bensberg dann dem Kalker Stadtbezirk zuzuschlagen.

Das meinen Sie jetzt nicht ernst?

THIELE: Doch. Solche Ziele muss man im Auge haben, wenn es um Zusammenarbeit und Zusammenhalt in der Region geht. Sehen Sie sich doch nur die Rösrather Straße oder die Olpener Straße an. Die nehmen doch viel Verkehr auf, der aus Bergisch Gladbach nach Köln kommt.

Zurück nach Kalk. Vor zwei Wochen sind Sie ins neue Amt gewählt worden. Wie fühlt man sich als Bezirksbürgermeister?

THIELE: Genau so wie vorher. Richtig besser fühle ich mich wohl erst in fünf Jahren, wenn einige der anstehenden, wichtigen Aufgaben abgearbeitet sind.

Und das wären?

THIELE: Ich fange mal in Kalk an. Die Hauptstraße ist ein Dauerbrenner. Da sind wir gespannt auf die Ergebnisse des Pilotprojekts zum Schrägparken und zum Radweg.

Darauf warten Sie doch schon im dritten Jahr, obwohl die Ergebnisse vor zwei Jahren hätten vorliegen sollen. Was macht Sie da optimistisch?

THIELE: Ich habe nochmals nachgefragt. Die Auswertungen sollen der Bezirksvertretung in diesem Jahr vorgestellt werden. Auch Bürgerverein, Standortgemeinschaft und die Stiftung „Kalk gestalten“ mühen sich um ein attraktiveres Erscheinungsbild. Es ist meine Aufgabe, zu vernetzen und Verbindungen herzustellen. Genau wie bei den kommenden Großprojekten in Kalk-Süd und Kalk-Nord. Es geht um eine umfangreiche Sanierung der bestehenden Altbauten. Da sollte man aus Beispielen in Vingst und Höhenberg lernen und darauf achten, dass die dort lebende Bevölkerung nicht vertrieben wird. Aber es sollten auch kleine Inseln mit Eigentum für kaufkräftigere Menschen entstehen. Die Mischung macht es.

Mit einer besseren Wohnung allein lassen sich diese Kreise doch nicht nach Kalk locken.

THIELE: Das stimmt, aber Kalk hat jetzt schon mehr zu bieten. Die Einkaufsmöglichkeiten sind gut, obwohl noch verbesserungsfähig. Und für junge Familien ist der Stadtteil mit Kindertagesstätten und Schulen recht gut aufgestellt. Zudem soll ja auf dem ehemaligen CFK-Gelände eine weitere Grundschule gebaut werden.

Und was passiert in Kalk-Süd?

THIELE: Da geht es um die Neuordnung und Umgestaltung des Geländes an der Dillenburger Straße und um das benachbarte Areal in Humboldt-Gremberg rund um den Kalker Bahnhof und den dortigen Schrottplätzen. Das ist schon ein Mammut-Projekt. Als Bürgermeister habe ich größere Kommunikationsmöglichkeiten. Ich kann und werde in die Ratsausschüsse gehen, in denen demnächst der Antrag der Kalker Bezirksvertreter behandelt wird, für das Schrottplatzgelände einen verbindlichen Bebauungsplan aufzustellen. Neben dem offiziellen Dienstweg gibt es manchmal auch Lösungen hinter den Fronten.

Haben Sie schon Erfahrungen sammeln können?

THIELE: Ja. Beim Standort für die Freiwillige Feuerwehr in Brück. Da zeichnet sich wohl eine Lösung ab, denn derzeit laufen Verhandlungen mit der Eigentümerin des jetzigen Standortes an der Hovenstraße, die Löschgruppe dauerhaft dort zu belassen. Es gibt zwar einen Beschluss der Bezirksvertretung, die Feuerwehr auf einem Gelände am Pohlstadtsweg anzusiedeln. Den lässt die Verwaltung aber jetzt erst einmal liegen.

In direkter Nachbarschaft liegen die großen Freiflächen in Richtung Neubrück und Rath-Heumar.

THIELE: Die sollen auch so bleiben und nicht bebaut werden. Geklärt werden muss noch die Zukunft des Baggersees.

Soll das bislang illegale Sommeridyll legalisiert werden?

THIELE: Davon gehe ich aus. Wenn demnächst die Nutzung als Kiesgrube wegfällt, kann da ein schönes Naherholungsgebiet entstehen. Kein zweiter Fühlinger See, aber schon ein unter Naturschutz stehendes Gelände mit einem Stück Badestrand. Auch der Bau eines Sporthotels soll da bereits im Gespräch sein, doch das höre ich mir erstmal an.

Wo liegen für Sie die Schwerpunkte in anderen Stadtteilen?

THIELE: In Merheim geht es um den neuen Ortsmittelpunkt, wo noch die genauen Pläne des Investors ausstehen, und um einen Bauspielplatz auf dem Madaus-Gelände. Da hakt es derzeit zwischen den Fachämtern. In Höhenberg muss die Germaniastraße endlich neu gestaltet werden und in Ostheim steht die Bebauung des ehemaligen Millionenackers an, wo dann auch ein Bus hinfahren muss. Zudem fehlen die städtischen Konzepte für die Zukunft der Gernsheimer Straße und den Kreuzungsbereich von Frankfurter Straße und Rösrather Straße.

Da bleibt viel zu tun. Hatten Sie denn schon den ersten offiziellen Termin im neuen Amt?

THIELE: Ja, das war am vergangenen Wochenende der „Rheinische Nomedag“. Ich war begeistert von der kölschen Atmosphäre in der vollbesetzten Aula des Kaiserin-Theophanu-Gymnasiums. Die nächsten offiziellen Termine mache ich mir selber. Ich werde in diesen Tagen Kontakte zu den vier Quelle-Shops in unserem Bezirk aufnehmen. In diesen Läden wird doch nicht nur bestellt. Das sind auch soziale Anlaufpunkte im Veedel. Da will ich auch die städtische Wirtschaftsförderung einschalten. Den Leuten muss man doch direkt irgendwie helfen.

Das Gespräch führte Norbert Ramme


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