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Umwelt-Projekt

Pflanzen statt quatschen!

Von Caroline von Eichhorn, 06.11.09, 09:16h

Vor drei Jahren hielt Felix Finkel ein folgenschweres Referat. Der damals 9-Jährige forderte seine Mitschüler auf eine Million Bäume zu pflanzen. Seine Idee fand Gehör. Heute beteiligen sich weltweit Milionen Menschen an dem Klimaschutz-Projekt.

Prinzessin Haya
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Unterstützerin Prinzessin Haya von Jordanien. (Bild: Leagas Delaney)
Prinzessin Haya
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Unterstützerin Prinzessin Haya von Jordanien. (Bild: Leagas Delaney)
Alles beginnt an einem Montag vor knapp drei Jahren, mit einem Referat eines Neunjährigen. Felix Finkbeiner aus Pähl bei Starnberg klärt seine Mitschüler über die Klimakatastrophe auf. Er moniert, dass über Umweltprobleme viel geredet werde, aber wenig getan und fordert am Ende seines Vortrags: „Lasst uns eine Millionen Bäume pflanzen!“ Seine Lehrerin ist beeindruckt und veranlasst, dass Felix sein Referat auch vor anderen Klassen hält. Sogar die Schuldirektorin ist beeindruckt - und schickt den Jungen an andere Schulen. Binnen zwei Monaten entwickelt sich eine Schülerinitiative samt Onlineauftritt namens „Plant For The Planet“. Das selbstformulierte Ziel: Bis zur Klimagipfel in Kopenhagen im Dezember 2009 eine Millionen Bäume pflanzen - ein Beitrag zur „Billion Tree Campaign“ des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP).

Felix redet bald nicht mehr nur vor Schülern von seiner Idee. „Mein aufregendster Auftritt war bei Toyota. Da hab ich vor 1200 Menschen gesprochen.“ Das war gerade mal ein halbes Jahr nach dem Projektstart. Nach den Wirtschaftsunternehmen erobert Felix die Politik: Dem EU-Parlament erläuterte er sein Anliegen und sitzt seit 2008 im Kindervorstand des UNEP. Inzwischen ist Felix um den ganzen Globus gereist, war bei Prinzessin Haya von Jordanien, Kofi Annan, Fürst Albert II. von Monaco, Barack Obama, um nur ein paar der Namen zu nennen, und hat mit allerlei Unterstützung aus der nationalen eine internationale Aktion gemacht. Bei der diesjährigen UNEP-Kinderkonferenz in Südkorea haben Kinder aus 56 Ländern zugesagt, in ihrer Heimat das „Eine-Millionen-Bäume“-Ziel zu verfolgen. Im Internet-Filmportal Youtube zeigt ein Videomitschnitt, wie es kaum ein Kind auf dem Stuhl hält, als Felix dazu aufruft, als Zeichen der Unterstützung auf die Bühne zu kommen.

„Ich hätte nicht gedacht, dass es so schnell geht“, sagt der heute Zwölfjährige, der sein Vorhaben von Anfang an ernst meinte. Es war sein im Klimaschutz aktiver Vater und Al Gores Film „Eine unbequeme Wahrheit“, die ihn für das Thema sensibilisierten. Ein weiteres Vorbild ist Mohammad Yunus aus Bangladesch, der mittels Mikrokrediten den Entwicklungsländern einen Weg aus der Armut ebnete. Als Felix von der Aktion der kenianischen Professorin Wangari Maathai erfuhr, die mit ihrem „Green Belt Movement“ 30 Millionen Bäume pflanzte, dachte er: „Das können wir Kinder auch.“

Eröffnung der Gala des Linzer Medienkunstfestival Ars Electronica. Auf der Bühne steht schüchtern ein kleiner Junge, Brille, kurzes braunes Haar. Beinahe so, als wollte ihm gleich vor lauter Nervosität die Stimme versagen. Der Eindruck täuscht: „Ich bin elf Jahre alt. Im Jahre 2050 werde ich 53 Jahre alt sein. Wie alt werden Sie sein?“ Gelächter, denn viele sind dann schon tot. Felix fährt mit ernster Miene fort: „Mein Traum ist, dass alle Kinder zusammen arbeiten.“ Worte aus einem Kindermund, die das Publikum in den Bann ziehen.

Seit diesem Sommer unterstützt die Hamburger Agentur Leagas Delaney „Plant For The Planet“ mit einer Werbekampagne. Auf den Plakaten hält Felix Prominenten aus aller Welt die Hand vor den Mund, daneben der Slogan: „Stop Talking. Start Planting“ (Hört auf zu reden. Beginnt zu pflanzen). Mode-Model Gisele Bündchen, der Theologe Hans Küng und der Exekutivdirektor des UN Umweltprogramms Achim Steiner sind einige der Abgelichteten.

Mit der Aktion „100 000 Bäume“ reiht sich auch Köln mit in die Liste der Unterstützer ein, die als Symbol für Klimagerechtigkeit Bäume pflanzen. Am 6. und 7. November läuft zudem eine Botschafterakademie für Kinder, die in Felix' Fußstapfen treten wollen. Dort erklären Kinder anderen Kindern den Klimawandel, globale Gerechtigkeit und ökologische Zusammenhänge und erarbeiten zusammen, wie man zum Klimaschutz beitragen kann. Die Akademie richtet sich an Kinder im Alter von zehn bis 13 Jahren. Im nächsten Jahr finden in etwa 20 deutschen Städten solche Akademien statt, damit sich die Idee weiter verbreitet.

Auch wenn in Deutschland das Millionen-Ziel zumindest theoretisch erreicht ist: Schulen, Kindergärten, Unternehmen, Arztpraxen und andere Einrichtungen aus ganz Deutschland haben zugesichert, insgesamt mehr als eine Millionen Bäume zu pflanzen. 400 000 Setzlinge stecken schon in der Erde.

Felix könnte sich jetzt mal auf die faule Haut legen, aber Schluss ist noch lange nicht. Er hat sich schon ein neues Millionenziel gesteckt. „Bis 2020 wollen in der ganzen Welt wir eine Millionen Klimabotschafter ausgebildet haben.“



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