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Teheran

Reformer mit langem Atem

Erstellt 04.11.09, 21:38h

Demonstrationen in Teheran: Die Leitfiguren der Opposition bleiben eisern bei ihrer Linie: langer Atem und keine Gewalt. Ahmadinedschads Versuch sich zu legitimieren, steht vor dem Scheitern.

Irans politischer Festkalender hat es in sich. Vor sechs Wochen gelang es den grünen Aktivisten der Reformbewegung, den von Ajatollah Chomeini eingeführten Jerusalemtag zu einer Demonstration umzufunktionieren. Diesmal mobilisierte das Regime hunderttausende uniformierter Milizen und Revolutionsgarden, um sich am 30. Jahrestag der Besetzung der Teheraner US-Botschaft nicht wieder das Heft aus der Hand nehmen zu lassen. Trotzdem lieferten sich zehntausende junger Leute in der Innenstadt ein stundenlanges Katz- und Mausspiel mit Polizei und Geheimdienstlern.

Im Land brodelt es - trotz Massenverhaftungen, Schauprozessen, Hasspredigten und härtesten Strafandrohungen. Die Oppositionsführer festzunehmen, wagt das Regime auch fünf Monate nach den umstrittenen Präsidentschaftswahlen nicht. Die peinlichen Schauprozesse gegen rund 140 Vordenker der Reformer will der neue Justizchef offenbar hinter den Kulissen zu Ende bringen - mit einer willkürlichen Mischung aus Härte und Gnade.

Die Leitfiguren der Opposition, Mir Hossein Mussawi und Mehdi Karroubi, bleiben eisern bei ihrer Linie: langer Atem und keine Gewalt. Denn der umstrittene Präsident Ahmadinedschad steht nach wie vor auf schwankendem Grund. Sein Versuch, sich mit einem „Urankompromiss“ in den Atomgesprächen Prestige im Ausland und damit neue Legitimität im Inland zu verschaffen, steht vor dem Scheitern. Die politische Elite des Landes ist zersplittert und zerstritten. Auch in den Reihen des konservativen Regimes sind viele Rechnungen offen. So bietet der Iran der Welt das vertraute Bild: Nach vorne große Worte und nach hinten viele kleine Türchen.



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