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Mittal übernimmt Escada

Milliardärin kauft sich Modekonzern

Von Thomas Magenheim, 05.11.09, 22:19h, aktualisiert 06.11.09, 19:48h

Die indische Stahldynastie Mittal übernimmt den Pleitekonzern Escada. Die Zukunft der Modefirma ist damit vorerst gesichert. Nun soll der Sanierungskurs weitergehen. Megha Mittal, Schwiegertochter des Milliardärs Lakshmi Mittal, gilt als Initiatorin des Kaufs.

Megha Mittal
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Reich und schön: Megha Mittal. (Bild: dpa)
Megha Mittal
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Reich und schön: Megha Mittal. (Bild: dpa)
MÜNCHEN - Modemanager Bruno Sälzer reagierte begeistert. „Frau Megha Mittal ist das ideale Gesicht für Escada“, jubelte der Chef des Münchner Damenmodeherstellers, nachdem die Milliardärsfamilie der Inderin jetzt in einem harten Ringen den Zuschlag für den Kauf der Pleitefirma erhalten hat.

Megha Mittal ist 33 Jahre alt und lebt in London. Ihr Faible für Design und Kreativität entdeckte sie schon in jungen Jahren. Doch nach Abschluss ihres Wirtschaftsstudiums in Pennsylvania, bei dem sie sich auf Finanzen und Management spezialisiert hatte, arbeitete sie zunächst als Analystin bei der Investmentbank Goldman Sachs.

Innenarchitektur studiert

Doch die Schwiegertochter des indischen Stahl-Milliardärs Lakshmi Mittal verfolgte bald wieder andere Interessen: Sie kehrte zurück ans College und studierte Innenarchitektur. Ihren Einstieg in die Modebranche soll die Mutter von zwei Töchtern schon länger geplant haben.

Sie sei eine wunderhübsche Frau, die Escada gut repräsentieren könne, sagt Betriebsratschefin Ursula Dreyer. Sympathisch, herzlich und natürlich sei Mittal vor der Belegschaft aufgetreten. Die schwer reiche Inderin hatte ihr finales Kaufangebot für den Modekonzern zuvor in einem verschlossenen Umschlag persönlich abgegeben.

Für die insolvente Escada zahlt der Familientrust, der den weltgrößten Stahlkonzern Arcelor-Mittal kontrolliert, mutmaßlich eine zweistellige Millionensumme. Er gab zudem Investitionszusagen in gleicher Dimension ab und übernimmt damit das alleinige Sagen im Modehaus.

Escada sei zwar noch nicht aus der Krise heraus, aber jetzt solide finanziert und auf dem Weg, wieder zu alter Blüte zu kommen, schätzte Insolvenzverwalter Christian Gerloff. Auch das Personal applaudierte nahezu euphorisch. „Das war unsere Wunschkandidatin“, sagte Ursula Dreyer. „Totale Erleichterung“ herrsche seit der Übernahme durch Mittal beim Personal. Die Inderin habe zugesagt mit dem Managementteam um Sälzer und dessen Sanierungsstrategie weiterarbeiten zu wollen. Viele wichtigen Kreativkräfte im Konzern hätten ihr Schicksal mit dem Sälzers verknüpft und blieben nun an Bord.

Mittals Hauptkonkurrent im Werben um Escada, eine Gruppe um Sven Ley, den Sohn von Konzerngründer Wolfgang Ley, hatte ohne Sälzer & Co geplant. Doch nicht für alle der noch rund 2200 Escada-Mitarbeiter gibt es eine Zukunft im Unternehmen. Man müsse noch Personal abbauen, kündigte Sälzer an. Jedoch werde voraussichtlich weniger als jede zehnte Stelle gestrichen.

Escada will künftig nicht mehr ausschließlich im Toppreissegment anbieten, sondern auch etwa 20 Prozent darunter. Ein schönes Abendkleid soll künftig für unter 1000 Euro zu haben sein. Ein Kleid der auf jüngere Kundinnen zielenden Submarke Escada Sport werde es ab 500 bis 600 Euro geben.

Ganz ist der Verkauf von Escada aber noch nicht über die Bühne. Eine Altlast erweist sich als sperrig. Auslöser der Pleite im August war eine Anleihe über 200 Millionen Euro, dessen Gläubiger Sälzers ersten Sanierungsplan hatten platzen lassen. An diese Gläubiger sind die Escada-Vertriebsgesellschaften verpfändet. Sie muss Mittal noch auslösen, was zusätzliches Geld kosten wird.



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