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Pop-Museum

Schnelle Beats und nackte Haut

Von David Rott, 06.11.09, 20:12h

Tanzen zu 160 Beats per Minute: Das Rock 'n' Pop-Museum in Gronau widmet dem Techno eine eigene Ausstellung. Der Besucher blickt zurück auf heiße Nächte im legendären Club „Tresor“ und erfährt Überraschendes zur Geschichte des Stils.

Pop-Museum Gronau
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Techno als Ausstellung: Zu sehen im Pop-Museum Gronau. (Bild: dpa)
Pop-Museum Gronau
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Techno als Ausstellung: Zu sehen im Pop-Museum Gronau. (Bild: dpa)
GRONAU - Wummernde Bässe, schnelle Beats, Schweiß und gleißendes Licht in dunklen Clubs: Das ist Techno. Diese Musik gilt als ewig jung und ist doch in den Ursprüngen fast 90 Jahre alt. Das Rock 'n' Pop-Museum in Gronau (Kreis Borken) widmet dem Thema von Sonntag an eine große Ausstellung. „Techno - ein Blick zurück in die Zukunft“ entführt in eine Szene, die erste wichtige Impulse aus den USA erhielt, aber nirgends so erfolgreich war wie in Deutschland.

Von ersten Experimenten mit elektronischer Musik bis zum heutigen Minimal-Techno ist es ein weiter Weg. „Anfang der 20er Jahre kommen Erfindungsreichtum und Musikbegeisterung zusammen“, schildert der Kurator der Ausstellung, Thomas Mania. Doch den großen Durchbruch bringt erst die Love Parade: Europas größte Musikparty, bei der fast so viel nackte Haut zu sehen ist wie beim Karneval in Rio.

„Vor 20 Jahren fand die erste Love Parade in Berlin statt“, sagt Mania. 1989 sind gerade mal 150 Leute auf der Party, 1999 werden es 1,5 Millionen sein. Doch diese Party gilt als Geburtsstunde des modernen deutschen Techno. Seine Helden sind Disc Jockeys wie Paul van Dyk, Sven Väth, Dr. Motte, Westbam. Das „Warehouse“ in Köln, die „Rote Liebe“ in Essen und das „Dorian Gray“ in Frankfurt zählen in den 90ern zu den wichtigsten Treffpunkten der Party Community. Doch kein Club ist so legendär wie der „Tresor“ in Berlin.

Die Ausstellung in Gronau ist multimedial inszeniert. 40 Filme sind zu sehen. Dazu kommen Exponate aus den Anfängen der elektronischen Musik, alte Instrumente und erste Synthesizer. Zeitungsberichte geben einen Einblick in den Umgang der Szene mit den Medien. Alte Flugblätter erinnern an endlose Partys in alten Industriegebäuden und Diskotheken. Und wer Lust hat, kann im Museum selbst Musikstücke „mixen“ und „sampeln“. Auch das Thema Drogen hat seinen Platz in der Ausstellung.

Im Zentrum der Ausstellung finden sich die facettenreichen Schwarz-Weiß-Fotografien von Berthold Socha. Er hat die Love Parade 1996 und 1999 mit seiner Kamera begleitet. Hier stechen die „schrägen Vögel“ ins Auge. Nackte Haut und schrille Outfits zeigen das, was man auch aus den Medien kennt. Doch wer einen genauen Blick auf die detailreichen Fotos wirft, erkennt im Hintergrund den normalen Partygänger in Feierlaune. Mania: „Nur wenige wollen sich beim Techno wirklich derart inszenieren.“

Die Ausstellung hat immer die Entwicklung der deutschen elektronischen Musik im Blick und verweist auf den Komponisten Karlheinz Stockhausen, Kraftwerk oder auch die Vorkämpfer der Neuen Deutschen Welle. Deutschland ist die Hochburg des Techno, doch auch nach Amerika reichen die Wurzeln, wie in Gronau zu lernen ist. Da ist etwa die House-Szene aus Chicago zu erwähnen. „Hier zeigt sich, wie sich die schwarze Seele des Soul mit elektronischer Musik vermischt“, sagt Mania. Auch aus den Niederlanden und England kamen wichtige Impulse. Der Großteil der Ausstellung konzentriert sich auf den Höhepunkt der Welle in den 90er Jahren.

„Popmusik ist immer Provokation“, sagt Mania. „Das Provokante am Techno ist das Unpolitische der Szene.“ Mit dem Erfolg des Techno setzt auch seine Banalisierung ein. Pubertäre Bands wie „Scooter“ dominieren den Markt und machen den Techno massentauglich. Mania: „Im Jahr 2000 ist die Szene eigentlich am Ende.“ Viele Clubs schließen wieder, die Musik beginnt sich zu verändern. Doch Techno ist nicht tot. Heute sammelt sich wieder eine Community und sucht nach neuen Ausdrucksformen. „Es wird nach einer Verknüpfung zur Kunstszene gesucht“, berichtet Mania. „Eigentlich ist es verwunderlich, dass sich die Szene immer noch hält.“ (dpa)

Die Schau „Techno - ein Blick zurück in die Zukunft“ läuft bis April 2010. Das Museum ist mittwochs bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet.



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