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Schweinegrippe-Impfung

Keine Angst vor der Nadel

Von Claudia Freytag, 06.11.09, 18:12h

Kölner Stadt-Anzeiger-Mitarbeiterin Claudia Freytag hat sich gegen das Schweinegrippe-Virus impfen lassen. Sie berichtet von der Praxissuche bis zu den Nachwirkungen nach dem Pieks.

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Autorin Claudia Freytag wird von Dr. Petra Zieriacks geimpft. (Bild: Arlinghaus)
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Autorin Claudia Freytag wird von Dr. Petra Zieriacks geimpft. (Bild: Arlinghaus)
Bergisch Gladbach - Dass ich Teil einer Risikogruppe bin, ist mir meist gar nicht so sehr bewusst. Als ich 15 war, stellte sich heraus, dass ich allergisches Asthma habe; seit ich die richtigen Medikamente bekomme, merke ich davon aber kaum etwas. Höchstens, wenn ich mit dem Fahrrad bergauf fahren muss (was ich zu vermeiden suche) oder mich zu schnell bewege (dito). Meine Bergisch Gladbacher Lungenärztin lobt meine überdurchschnittlich gute Puste immer über den grünen Klee. Also: Warum gegen die Schweinegrippe impfen lassen, wenn ich auch die übliche Grippe-Impfung bisher ignoriert habe? Ist ja auch so gut gegangen, Risikogruppe hin oder her. Wenn der Verlauf wirklich so leicht ist, ist es ja auch die Aufregung nicht wert. Oder?

Und dann sprach meine Kollegin Gisela Schwarz mit Dr. Jan Leidel, früherer Leiter des Kölner Gesundheitsamtes und inzwischen Mitglied der ständigen Impfkommission am Robert-Koch-Institut Berlin. Der schilderte den milden Verlauf so: „39 Fieber, Atemnot, drei Tage Bettruhe zu Hause.“ Oha. Wer wie ich weiß, wie sich Atemnot anfühlt, der weiß, dass das keine drei Tage Sonderurlaub sind. Ins gleiche Horn stießen die Experten unserer Telefonaktion, die Doktoren Norbert Petruschke, Heribert Wiemer und Andreas Krohme. Schließlich sagte Jan Leidel: „Es ist doch nicht unanständig, Menschen retten zu wollen.“ Das war's. Ich lasse mich retten - ich lasse mich impfen. Und zwar so schnell wie möglich.

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Doch als ich die erste Praxis anrufe, ist erst einmal besetzt - und als ich durchkomme, sind die Termine entweder schon voll, oder ich kann selbst nicht. „Wir impfen schon jeden Tag“, informiert mich die Arzthelferin der ersten Praxis. Aber es sind ja genug andere Ärzte da. Also schaue ich in die Rubrik „Notdienst“ des „Kölner Stadt-Anzeiger“ und versuche es weiter. Und siehe da: Schon bei der zweiten Praxis komme ich unter, und zwar binnen 48 Stunden.

Pünktlich um 11.45 Uhr geht es am Donnerstagmorgen in die Praxis von Dr. Zieriacks in Bergisch Gladbach, eine der Ärztinnen aus der Liste des Rheinisch-Bergischen Kreises.

Also stehe ich um 11.45 Uhr nach etwa dreieinhalb Jahrzehnten erstmals wieder in einer Kinderarztpraxis: Dr. Petra Zieriacks aus Bergisch Gladbach steht für diese Woche auf dem Impfdienstplan; die Ärzte in Rhein-Berg wechseln sich ab. Rund 160 Impfungen sind es in dieser Woche. Im Wartezimmer sitzt bereits eine junge Frau und füllt die Einverständniserklärung aus; nach mir betritt eine ältere Frau die Praxis. Auch ich fülle, nachdem ich mir aufmerksam das Informationsblatt durchgelesen habe, den Bogen aus: Nein, ich bin nicht schwanger, nein, ich habe keine Hühnereiweiß-Allergie, ja, ich habe eine Krankheit, wegen der ich bevorzugt geimpft werde (siehe oben).

Dann bin ich dran. Zum Glück habe ich keine Angst vor Nadeln. „Es kann gut sein, dass Sie die Einstichstelle spüren und es sich ein wenig rötet“, erklärt Zieriacks. Ansonsten könnten Nebenwirkungen für ein oder zwei Tage auftreten - es kann aber auch sein, dass gar nichts passiert. Und schon bin ich geimpft. Sagt Zieriacks als Kinderärztin ihren erwachsenen Patienten eigentlich auch, dass sie ganz doll tapfer waren? Die Kinderärztin sagt lachend: „Na, das habe ich bisher wohl ein wenig vernachlässigt.“

Zurück in der Redaktion teile ich meinem Chef zwei Dinge mit: erstens, dass ich unglaublich tapfer war, und zweitens, dass ich mich schonen soll. Dass damit in erster Linie gemeint war, am Freitagmorgen das Joggen mal ausfallen zu lassen, muss er ja nicht wissen.

Zugegeben, ein bisschen lausche ich ja doch in mich hinein: Kribbelt es irgendwo? Ist der Druck im Arm stärker geworden? Bislang fühlt er sich nur an, als hätte ich leichten Muskelkater, wie zum Beispiel nach übertriebener Gartenarbeit mit dem rechten Arm. Der Chef erklärt, ich habe mitnichten irgendwelche Pünktchen, sondern sähe aus wie immer. Wie meint er das jetzt?

Am Freitag stelle ich fest: Der Arm ist noch dran, wenn auch mit noch ein wenig Schmerz verbunden. Aber: kein nächtlicher Schüttelfrost, kein Fieberschub, kein Unwohlsein. Gleiches berichten zwei weitere Kollegen, die sich auch schon haben impfen lassen. Mal sehen, was die anderen jetzt machen.



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