Von Ralf Rohrmoser-von Glasow, 08.11.09, 17:42h, aktualisiert 10.11.09, 11:54h
Aber in eben dieser Gemeinde haben sich seit einiger Zeit Neonazis zusammen geschlossen. Sie treten als AG Windeck auf, mit eigener Internetpräsenz. Es ist ein Kreis von etwa 15 bis 20 jungen Männern und Frauen, die sich unter anderem als „Nationale Jugend im Aufbruch“ bezeichnen. Sie sprühen Parolen, kleben Zettel mit rechtsgerichteter Propaganda an Laternenpfähle, schädigen Wahlplakate. Sie haben Nachbarn schon als „Judensau“ beschimpft, weil sie sich über Lärm bei den lauten Partys der Mitglieder beschwert haben.
Einen traurigen Höhepunkt gab es 2008. Ein 18 Jahre alter Jugendlicher aus Windeck wurde brutal zusammen geschlagen, als er mit einem Begleiter Zigaretten holen ging und Mitgliedern der AG Windeck begegnete. Er musste im Krankenhaus behandelt werden, klagte noch lange über psychische Probleme.
Die Gruppe trifft sich häufig in Schladern. Nazirockmusik hören, grölen und prügeln stehen dabei im Vordergrund. Die Politik ist sekundär, Ideologie und strategische Agitation gehört nicht vordergründig zu den Fähigkeiten der Mitglieder. Doch ganz offensichtlich bemüht sich die NPD, die AG Windeck zu instrumentalisieren. Das zeigte sich vor allem bei der Demonstration im Sommer diesen Jahres. NPD-Funktionäre traten dort auf und hielten Reden.
Außerdem traten mehrere AG-Mitglieder für die Partei als Kandidaten für die Kommunalwahl an. Besonders einer dieser Kandidaten wird als gefährlicher eingestuft als die anderen. Sein Vater ist leitender Angestellter bei der Kreisverwaltung. Aus Kreisen der Justiz wurde bekannt, dass es eine Reihe von Verfahren gegen den jungen Mann gegeben hat, die aber wegen sich widersprechender Aussagen meist niedergeschlagen wurden.
Streit beim Turnerfest
Die Abteilung Staatsschutz hat ihn bereits im Visier. Das Amtsgericht Waldbröl verurteilte ihn vor einiger Zeit zu einer Jugendstrafe auf Bewährung. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, weil Berufung eingelegt wurde. Eine der Auflagen ist der Besuch einer stationären psychologischen Behandlung in der Woche mit Freigang am Wochenende.
Unlängst nutzte der junge Mann die Gelegenheit, um beim Oktoberfest des Turn- und Sportvereins Schladern in Streit mit anderen zu geraten. Nach einem Platzverweis überfiel er mit einem Bekannten am Bahnhof Schladern einen Sportler, der flüchten konnte.
Im Anschluss daran verprügelten TuS-Mitglieder die Neonazis, gegen sie wurde Anzeige erstattet. Der Sportler verzichtete auf eine Gegenanzeige, vermutlich aus Angst vor weiteren Repressalien. In den Tagen danach tauchten im Internet massive Gewaltdrohungen auf, die aber schnell gelöscht wurden.
Gegen die rechte Szene formiert sich Widerstand von Bürgern. Bei ersten Treffen wurden Ideen entwickelt, wie den Neonazis entgegen getreten werden kann. Eine der Feststellungen war, dass die Bevölkerung noch nicht ausreichend informiert ist über die AG Windeck und ihr Vorgehen.
Nazis in Schladern unter Beobachtung
09.11.2009 | 13.49 Uhr | Bergfex
Die zunehmende Radikalisierung Jugendlicher in kleinen Orten ist äußerst bedenklich. Ich halte es für sinnvoll, aufmerksam zu sein. Aber einige Dinge…
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