Von Oliver Görtz, 09.11.09, 12:13h
Die SPD fühlt sich von den Grünen übergangen und wirft dem ehemaligen Koalitionspartner gar „Wahlbetrug“ vor, zürnt Kircher. „Wir haben gemeinsam mit den Grünen Wahlkampf gemacht und den Leuten gesagt, dass wir Rot-Grün fortsetzen werden“, erklärte er. „Wir hatten vor der Wahl eine solche Vereinbarung getroffen und schon einen Koalitionsvertrag vorformuliert. Von der Entscheidung der Grünen, mit CDU und FDP zusammenzuarbeiten, „waren wir mehr als überrascht“, sagte Kircher, der nur noch erster stellvertretender Bezirksbürgermeister ist. Er glaubt, die Grünen, die bei der Kommunalwahl drittstärkste Kraft geworden waren, seien vor allem der Verlockung des möglichen Bürgermeisteramts erlegen: „Denn bei einer Zusammenarbeit mit uns wäre Cornelie Wittsack-Junge nicht Bezirksbürgermeisterin geworden“, diesen Posten hätte Kircher behalten.
„Wir wollten kein Linksbündnis“, so Wittsack-Junge. Denn die SPD wollte die für die Bezirksbürgermeister-Wahl nötige Zehn-Stimmen-Mehrheit in der Bezirksvertretung mit den Grünen und dem Linken-Delegierten Dieter Wernig erreichen. Mit der Linken wollten die Grünen aber nicht zusammenarbeiten, da die Partei „im Bezirk kaum aktiv“ sei. Zudem habe die SPD die Grünen „als Juniorpartner gesehen. Wir sind aber eine eigenständige Partei“, deren Profil es nun zu schärfen gelte, sagte Wittsack-Junge, die ihren bisherigen Fraktionsvorsitz an Wolfgang Kleinhans abgibt. Die Klagen Kirchers über die gescheiterte Kooperation findet sie „lächerlich“.
Christdemokraten und Grüne sehen ihre Zusammenarbeit als „produktiven und kreativen Motor für den Stadtbezirk“, heißt es in einer Pressemitteilung. Die Parteien haben in einem Kooperationspapier unter anderem die Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs, die Ablehnung des geplanten Stadtteils Kreuzfeld und eines Logistikzentrums bei Lindweiler sowie eine transparente Planung des Retentionsraums Worringer Bruch angesprochen. Potenzielle Streitthemen wie eine mögliche Umgehungsstraße für Esch, die die CDU befürwortet, die Grünen jedoch strikt ablehnen, werden nicht aufgeführt. Cornelie Wittsack-Junge: „Wir haben uns mit der CDU darüber verständigt, dass man in Ausnahmen auch mal gegenteiliger Meinungen sein kann.“
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