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Erftkreis-Zyklus

Fingerfertigkeit vom Feinsten

Von Ulla Jürgensonn, 09.11.09, 13:39h

Hoch gelobt wurde David Orlowsky schon als 16-Jähriger. Damals rief ihn der Klarinettenvirtuose Giora Feidmann als seinen legitimen Nachfolger aus. Dass er eber viel mehr als ein bloßer Nachfolger ist, beweist Orlowsky in Bedburg.

David Orlowsky Trio
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Der Tübinger Klarinettist David Orlowsky gilt als einer der ganz Großen an seinem Instrument. (Bild: Jürgensonn)
David Orlowsky Trio
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Der Tübinger Klarinettist David Orlowsky gilt als einer der ganz Großen an seinem Instrument. (Bild: Jürgensonn)
David Orlowsky
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David Orlowsky (Klarinette), Jens-Uwe Popp (Gitarre) und Florian Dohrmann (Kontrabass) waren Gäste bei Erftkreis-Zyklus. (Bild: Jürgensonn)
David Orlowsky
Bedburg - Schon mal Balkanplatte gegessen? Früher, als man noch in jugoslawische Restaurants ging, ohne sich Gedanken um politische Korrektheit zu machen, war das ein sehr beliebtes Gericht mit wahren Bergen von unterschiedlichen Fleischsorten. „Balkanplatte“ hieß auch das Stück, mit dem das David-Orlowsky-Trio sein Konzert im Arkadenhof des Bedburger Schlosses beendete. Beenden wollte, besser gesagt: Denn anders als die üppige Fleischmahlzeit weckte die musikalische Balkanplatte nicht den dringenden Wunsch nach einem Slibowitz, sondern Lust auf mehr. Ohne Zugaben ließ das Publikum die drei jungen Musiker, die im Rahmen des Erftkreis-Zyklus gastierten, nicht gehen. David Orlowsky, ein Klarinettist von hoher Virtuosität, hat in Jens-Uwe Popp (Gitarre) und Florian Dohrmann (Kontrabass) zwei Mitspieler, die ihm in nichts nachstehen. Gemeinsam wildern die drei unbefangen und höchst unterhaltsam durch sämtliche Stilrichtungen.

Pop und Folk

„Weltkammermusik“ nennen sie das, was am Anfang eher noch nach Klezmer klingt, um später selbst Elemente von Pop und Folk aufzugreifen. Das Publikum setzen sie dabei einem Wechselbad der Gefühle aus. Da ist zum einen die herzzerreißende Fröhlichkeit der jüdischen Musik, die unüberhörbar Basis des Programms ist. Dann schlägt Popp muntere Akkorde auf der Gitarre an, so dass die drei wirken wie vergnügte Jungs, die einfach mal abrocken. Popp wie Dohrmann legen auf ihren Saiteninstrumenten ein zum Teil atemberaubendes Tempo vor - Fingerfertigkeit vom Feinsten. Dabei sind sie auch Meister der leisen Töne. Behutsam rühren sie die einzelnen Saiten kaum an, es wird mucksmäuschenstill im Saal.

Und dann lässt Orlowsky seine Klarinette singen, klagen. So traurig, dass man wünscht, er höre auf, bevor das Publikum in kollektiver Depression versunken ist. So schön, dass man wünscht, er höre gar nicht mehr auf. Immer jedenfalls ist da diese unglaubliche Intensität, mit der der Klarinettist die Musik nicht spielt, sondern sie lebt. Und immer ist da auch ein Augenzwinkern, nicht nur in der wortlosen Verständigung der drei, sondern auch in ihren Stücken, die so spannende Arbeitstitel haben wie „Sabine, lass den Tiger raus“. Ein Titel beginnt harmlos wie das Vorspiel zu einem Schlager, um Sekunden später jegliche rhythmische oder melodiöse Struktur vermissen zu lassen. Aber nur für ein paar Takte, dann gewinnt das eher gefällige Thema wieder die Oberhand.

Orlowsky ist an diesem Abend sichtlich und hörbar schwer erkältet. Das mag zwar seine Qualitäten als Entertainer einschränken, seinen langen Atem an der Klarinette bewundernswerter Weise aber nicht. Weltmusiker Giora Feidmann, Lehrer und Mentor Orlowskys, hatte den als 16-Jährigen bei einem Konzert auf die Bühne geholt und verkündet: „Das ist der nächste Giora.“ Ein großes Lob, ohne Zweifel. Aber auch Etikett, das zur Bürde werden kann. Denn der junge Musiker ist eben kein neuer Giora Feidman. Er ist einfach David Orlowsky. Und das ist gut so.



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