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Zwei Kaffee, bitte!

Nicht rechtzeitig die Reißleine gezogen

Von Susanne Hengesbach, 09.11.09, 21:09h

Früher war Alexander Maiwald Manager bei einem großen Digitalvertriebsunternehmen – bis er aufgrund von Überarbeitung eine Pause einlegen musst. Diagnose: Burn-Out-Syndrom. Bei einem Kaffee erzählt er von seiner Krankheit.

Alexander Maiwald
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„Wo andere eine Espressotasse Adrenalin ausschütten, ist es bei mir offenbar ein Putzeimer“, sagt Alexander Maiwald nach seiner Erfahrung mit dem Burn-out-Syndrom. (Bild: Krasniqi)
Alexander Maiwald
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„Wo andere eine Espressotasse Adrenalin ausschütten, ist es bei mir offenbar ein Putzeimer“, sagt Alexander Maiwald nach seiner Erfahrung mit dem Burn-out-Syndrom. (Bild: Krasniqi)
Dreimal gehe ich an ihm vorbei und frage mich, was es wohl für ein Buch sein mag, dessen Zeilen er so akribisch mit zwei Textmarkern hervorhebt. Beim vierten Mal beschließe ich, ihm genau diese Frage zu stellen, und schon befinden wir uns mitten im Gespräch. Weshalb Alexander Maiwald ausgerechnet Dr. Ankowitschs „Kleinen Seelenklempner“ durcharbeitet, kann ich gut nachvollziehen, nachdem er mir erzählt, was gerade in seinem Leben passiert ist.

Der 42-Jährige war zuletzt bei „einem britischen Digitalvertriebsunternehmen“ beschäftigt und hatte dort die Position des „Countrymanagers“ inne, der für die Märkte Deutschland, Österreich und Schweiz verantwortlich war. Eigentlich, so sagt er, hätte man für das Arbeitsgebiet, was er sich mit einem Kollegen teilte, mindestens sechs Leute benötigt. Aber weil wirtschaftliche Interessen heutzutage immer weniger mit humanem Denken einhergehen, schuftete Maiwald ohne Rücksicht auf seine eigenen Ressourcen, bis er im Juni die Quittung erhielt: Burn-out.

Hat sich die akute Belastungsstörung schon irgendwie leise angekündigt?, frage ich. „Nein, es ist mir mit Pauken und Trompeten um die Ohren geflogen!“ Eines Morgens habe er dagesessen, keinen klaren Satz mehr rausgekriegt, die Hände zitterten und „ich habe nicht mehr gewusst, was ich als erstes anpacken soll, weil eigentlich alles gleich hell brannte“, erklärt Maiwald den Moment, als nichts mehr ging.

Ich finde es bewundernswert, dass er so offen darüber spricht; zumal Menschen mit Burn-out gerne mal als Drückeberger abgestempelt werden und es mit der gesellschaftlichen Akzeptanz schwerer haben als etwa jemand mit einem Beinbruch. Maiwald nickt. „Obwohl der Effekt ja derselbe ist. Nur dass es nach außen nicht sichtbar ist, wenn man sich die Seele bricht.“ Er glaubt, es treffe „überwiegend Menschen, die sich extrem selber ausbeuten und nicht rechtzeitig die Reißleine ziehen.“ Es seien gerade nicht diejenigen, die sich drücken, „sondern die Verantwortungsvollsten und Engagiertesten“.

Und nun? - Er sei noch dabei zu analysieren, was genau passiert sei und was er in Zukunft anders machen müsse, sagt der Verlagskaufmann, der - nachdem das Unternehmen, bei dem er beschäftigt war, zum großen Teil von einem anderen übernommen wurde - erstmal von der Arbeit freigestellt ist. „Ich gehöre offenbar zu denjenigen, die den großen Schlag mit der Bratpfanne brauchen, um etwas zu verändern!“ Aber das sei ja ein verbreitetes Phänomen, denn nicht zufällig gäbe es bei Psychiatern und Therapeuten solche Wartelisten.

Wie reagieren Menschen - was erzählen sie, wenn man sie auf der Straße anspricht und zum Kaffee einlädt?

 www.ksta.de/kaffee



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