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Schul-Projekt

„Ein ganz gewöhnlicher Jude“

Von Kirsten Boldt, 09.11.09, 18:51h

Schauspieler Andreas Schmid ist momentan in einer besonderen Rolle zu sehen. Als jüdischer Journalist spielt er regelmäßig an Kölner Schulen. Bei der anschließenden Diskussion setzen sich die Schüler mit seiner Situation auseinander.

Andreas Schmid
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„Ich kann die ewigen Wiedergutmacher nicht mehr ertragen“, macht Andreas Schmid als Jude Emanuel Goldfarb den Schülern klar. Die sind von seiner Darstellung im El-De-Haus ganz gebannt. (Bild: Hennes)
Andreas Schmid
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„Ich kann die ewigen Wiedergutmacher nicht mehr ertragen“, macht Andreas Schmid als Jude Emanuel Goldfarb den Schülern klar. Die sind von seiner Darstellung im El-De-Haus ganz gebannt. (Bild: Hennes)
Köln - Da bittet ein Lehrer eine jüdische Gemeinde, ihm für den Sozialkundeunterricht einen Juden zu vermitteln, weil er keinen persönlich kennt. Der Brief erreicht den Journalisten Emanuel Goldfarb. „Das mach' ich nicht“, empört der sich. „Wie soll ich denn aussehen? So etwa, freundlich? Und - man beachte die Nase! Man sieht mich von oben bis unten an: Das also ist ein Jude. Ich bin doch kein Zootier!“ Goldfarb geht dann aber doch in die Schule.

An diesem Punkt vermischen sich Schauspiel und Realität. Denn Emanuel Goldfarb ist Held des Theaterstücks „Ein ganz gewöhnlicher Jude“ von Charles Lewinsky. Verkörpert wird er vom Schauspieler Andreas Schmid. Der steht im El-De-Haus mitten unter 70 Gymnasiasten aus Euskirchen und Porz. In einem 70-Minuten-Monolog erklärt er den Schülern der Stufen 9 und 13, warum Goldfarb mit seinem Streben, ein ganz gewöhnlicher Deutscher zu sein, kläglich scheitert: „Weil man da nicht rauskommt aus seiner Rolle. Nicht hier in Deutschland.“

Goldfarb lässt kräftig Dampf ab über die „ewigen Wiedergutmacher“, ihr „ranschmeißendes Verständnis: Ich will die Sonderrolle nicht.“ Er distanziert sich von der Politik Israels: „Ich habe dort nicht gewählt“, empört er sich über die Frage, ob er irgendwann ins gelobte Land ziehen will, berichtet von seinem - gescheiterten - Ausweg, sich völlig religiösen Geboten zu unterwerfen und streut jüdische Witze ein. Ganz gebannt hören Schüler und Lehrer zu, bei den Witzen ist ihnen kaum zum Lachen zumute. Denn die Lage dieses Juden, das dämmert vor allem Jugendlichen aus Einwandererfamilien im anschließenden Workshop, entspricht in vielen Punkten ihrer eigenen. „Ich fühle mich wie Goldfarb. Seit Generationen wird so getan, als ob wir in Deutschland zu Besuch sind“, sagt eine türkischstämmige Schülerin. Für eine andere ist „die Religion auch der letzte Ausweg um Halt zu finden“. Immer mutiger reden die Schüler über Vorurteile, berichten von bedrückenden diskriminierenden Erfahrungen, behutsam gelenkt von Schmid.

Die Inszenierung fürs Klassenzimmer inklusive Workshop kann gebucht werden über die Website. Die Kosten betragen sieben Euro pro Person (mindestens 60 Teilnehmer). Eine Vorstellung für jedermann gibt es am Donnerstag, 12. November, 19.30 Uhr, im NS-Dokumentationszentrum, Appellhofplatz.

www.theaterkunst-koeln.de



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