Von Kirsten Boldt, 09.11.09, 18:51h
An diesem Punkt vermischen sich Schauspiel und Realität. Denn Emanuel Goldfarb ist Held des Theaterstücks „Ein ganz gewöhnlicher Jude“ von Charles Lewinsky. Verkörpert wird er vom Schauspieler Andreas Schmid. Der steht im El-De-Haus mitten unter 70 Gymnasiasten aus Euskirchen und Porz. In einem 70-Minuten-Monolog erklärt er den Schülern der Stufen 9 und 13, warum Goldfarb mit seinem Streben, ein ganz gewöhnlicher Deutscher zu sein, kläglich scheitert: „Weil man da nicht rauskommt aus seiner Rolle. Nicht hier in Deutschland.“
Goldfarb lässt kräftig Dampf ab über die „ewigen Wiedergutmacher“, ihr „ranschmeißendes Verständnis: Ich will die Sonderrolle nicht.“ Er distanziert sich von der Politik Israels: „Ich habe dort nicht gewählt“, empört er sich über die Frage, ob er irgendwann ins gelobte Land ziehen will, berichtet von seinem - gescheiterten - Ausweg, sich völlig religiösen Geboten zu unterwerfen und streut jüdische Witze ein. Ganz gebannt hören Schüler und Lehrer zu, bei den Witzen ist ihnen kaum zum Lachen zumute. Denn die Lage dieses Juden, das dämmert vor allem Jugendlichen aus Einwandererfamilien im anschließenden Workshop, entspricht in vielen Punkten ihrer eigenen. „Ich fühle mich wie Goldfarb. Seit Generationen wird so getan, als ob wir in Deutschland zu Besuch sind“, sagt eine türkischstämmige Schülerin. Für eine andere ist „die Religion auch der letzte Ausweg um Halt zu finden“. Immer mutiger reden die Schüler über Vorurteile, berichten von bedrückenden diskriminierenden Erfahrungen, behutsam gelenkt von Schmid.
Die Inszenierung fürs Klassenzimmer inklusive Workshop kann gebucht werden über die Website. Die Kosten betragen sieben Euro pro Person (mindestens 60 Teilnehmer). Eine Vorstellung für jedermann gibt es am Donnerstag, 12. November, 19.30 Uhr, im NS-Dokumentationszentrum, Appellhofplatz.
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