Schriftgröße

Jessica Schwarz

„Sie ist mir überall hinterher gereist“

Erstellt 09.11.09, 19:15h, aktualisiert 09.11.09, 21:41h

Die Schauspielerin Jessica Schwarz spricht im Interview über ihre schwierige Annäherung an ihr frühes Vorbild, Romy Schneider. Sie hat einige Parallelen zwischen sich und der „Sissi“-Darstellerin entdeckt. Doch der Rollenwechsel ist häufig schwer.

Jessica Schwarz
Bild vergrößern
Verblüffend ähnlich: Jessica Schwarz als Romy Schneider. (Bild: dpa)
Jessica Schwarz
Bild verkleinern
Verblüffend ähnlich: Jessica Schwarz als Romy Schneider. (Bild: dpa)
Frau Schwarz, normalerweise verschwindet die Darstellerin hinter einer Rolle wie Romy Schneider völlig. Sie aber wollen darin erkennbar bleiben. Warum?

JESSICA SCHWARZ: Bei so einer Figur hat man von Presseberichten über Tagebucheinträgen, Bildbänden, Biografien bis hin zum unermesslichen Filmmaterial und Zeitzeugen einen Wust an Informationen, aus dem man sie als Schauspielerin, die ich schon früh als Vorbild hatte, auf ein verträgliches Maß reduzieren muss. Und das lässt sich am ehesten über die eigene Persönlichkeit hinter der Rolle bewerkstelligen. Gerade weil ich ein Jahr lang nichts anderes getan habe, als mir ihre Stimme anzueignen, musste ich meinem Leben dahinter Geltung verschaffen.

Haben Sie dabei Parallelen zwischen sich und Romy Schneider entdeckt?

Einige. Wir haben beide keine lineare Ausbildung genossen, ohne Schauspielschule, ohne das technische Equipment zur Annäherung an eine Rolle. Deshalb müssen wir vieles spüren. Und wenn man dann noch wie ich aus einem Unterhaltungsbereich wie „Viva“ kommt, muss man härter als andere kämpfen, um ernst genommen zu werden.

Die Musikkanal-Vergangenheit haftet an Ihnen wie die Sissi-Trilogie an Romy Schneider.

In gewisser Weise, wenngleich sie sich langsam von mir löst. Auch Romy brauchte nach ihrem Sissi-Einstieg lange, um sich ein seriöses Renommee zu verschaffen. Ich habe diese kleine Romy in mir getragen wie es viele meiner Kollegen tun, diesen Makel anfänglicher Erfolge, die es zu übertreffen gilt.

In dem Sie noch tiefer eingetaucht sind, um Romy in allen Facetten zu erfassen?

Genau, ich habe alles aufgesogen. Was so weit ging, dass ich hin und wieder eine Woche Ruhe von ihr brauchte. Bei geschlossenen Augen wurde mir dann aber doch klar, dass sie immer noch da ist. Je weiter ich sie von mir fort schieben wollte, desto größer stand sie vor mir. Das war beim Drehen zwar hilfreich, da stärkte sie mir den Rücken. Davor und danach war es das weniger. Aber mein Schauspielcoach meinte zu mir: „Jessi, wenn du irgendwann nicht weiter weißt, dann lass es dir doch von ihr zeigen.“ Diese Verbindung spüre ich noch heute. Sie ist mir schließlich überall hinterher gereist, in jedes Land, an jeden Drehort, in der Maske, im Auto, im Internet. Ihr war einfach nicht zu entkommen. Ich habe mir sogar ein Bild von Will McBride . .

Der Romy Schneider viel fotografiert hat.

. .ersteigert. Zudem wurde ich ihr auch optisch immer ähnlicher. Dieser kleine spitze Haaransatz in der hohen Stirn, ihre Löwennase, die Augenbrauen - alles an mir wurde Romy. Das Visuelle hat es mir enorm erleichtert, in sie hineinzugehen und so manchen Geistesblitz in der Interpretation gebracht.

Macht man die Verwandlung am Abend leicht wieder rückgängig?

Nein, die haftet eine ganze Weile. Nach dem Ende der Dreharbeiten musste ich deshalb eine große Tonne öffnen und alles hineinwerfen. Aber das ist mir nicht sonderlich gut gelungen. Ich hatte während des Drehens mal einen allergischen Ausschlag. Als ich viel später mal mit dem Regisseur meines nächsten Filmes über Romy sprach, kam dieses Nesselfieber plötzlich wieder. Ich habe sie sozusagen körperlich verinnerlicht.

Die Rolle der Romy Schneider muss allein wegen der Ikonenhaftigkeit dieser Figur anstregend gewesen sein.

Schon, auch wenn sie mit all ihren Schwächen und Fehlern etwas zutiefst Menschliches bekam, je länger ich mich mit ihr beschäftigt habe. Aber der Druck war immens, jemandem gerecht zu werden, von dem so viel bekannt scheint. Und ich musste ja nicht nur ihre reale Person verinnerlichen, sondern auch jede fiktionale, all ihre Rollen. Alles in einem Film. Da wusste ich nie so genau, ob ich gerade auf dem richtigen Pfad oder einem Holzweg bin.

Können Sie denn nach all der Arbeit an ihr überhaupt negative Aspekte an Romy entdecken?

Manchmal hätte ich mir für sie gewünscht, ihr Harmoniebedürfnis zugunsten selbst artikulierter Wünsche und Vorstellungen zurückzustellen. Zu viel gute Stimmung kann auf Dauer nicht gesund sein. Sie hätte früher öfter mal Nein sagen sollen.

Das Gespräch führte Jan Freitag



Den Kölner Stadt-Anzeiger im Abonnement erhalten JETZT BESTELLEN!
4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%.

Kölner Stadt-Anzeiger auf dem iPad


Anzeige


Bildergalerien


ksta-blogs.de


Kolumne


WAS.WANN.WO.


Hintergrund


Extra


Dienste