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Nachholbedarf in Kerpen

Ein Handicap und viele Hindernisse

Von Wilfried Meisen, 12.11.09, 18:27h

Der Schulweg für den zehnjährigen Dennis (Name geändert) ist lang: Jeden morgen fährt der autistische Junge mit einer Reihe anderer behinderter Kinder aus Kerpen mit dem Taxi zur Donatus-Schule nach Pulheim.

GU-Schulen
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Behinderte und nichtbehinderte Kinder können - wie hier in einer Schule in Hamburg - miteinander lernen. Dafür fehlt es aber an speziell ausgestatteten GU-Schulen. (Bild: David Ausserhofer)
GU-Schulen
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Behinderte und nichtbehinderte Kinder können - wie hier in einer Schule in Hamburg - miteinander lernen. Dafür fehlt es aber an speziell ausgestatteten GU-Schulen. (Bild: David Ausserhofer)
Kerpen - Nicht nur die lange Fahrzeit zu der Förderschule für körperliche und motorische Entwicklung ist von Nachteil. Auch die Freunde von Dennis sind so über den ganzen Kreis verteilt. In seinem Wohnort Kerpen dagegen bleibt Dennis eher isoliert. Seine Mutter Anneliese Lang (Name geändert) würde ihren Sohn deshalb gerne nach der vierten Klasse in einer weiterführenden Schule vor Ort anmelden. Doch das ist schwierig: In Kerpen gibt es zwar eine Reihe von Grundschulen, die für „gemeinsamen Unterricht“ (GU) von behinderten und nichtbehinderten Kinder ausgestattet sind. Aber an weiterführenden Schulen, die ebenfalls gemeinsamen Unterricht betreiben, mangelt es.

Besondere Förderung

Nur die Horremer Hauptschule ist als GU-Schule ausgewiesen und verfügt so neben den normalen Lehrern auch über Sonderpädagogen, spezielle Lernmittel und Räumlichkeiten. „Wir haben 21 förderbedürftige Kinder im Bereich Lernen sowie emotionale und soziale Entwicklung“, berichtet Schulleiter Helmut Klinkhammer. Für diese Schüler gebe es neben dem normalen Unterricht in der Klasse jeweils zwei oder drei Stunden Spezialunterricht die Woche.

Doch was ist mit behinderten Kindern, die aufgrund ihrer Begabung auch die mittlere Reife oder das Abitur erreichen könnten? Hierfür gibt es in Kerpen kein spezielles Angebot. Das will zumindest die SPD ändern: „Wir können und wollen nicht glauben, dass die im Sinne der Chancengleichheit mehr als sinnvolle gemeinsame Unterrichtung nach der Grundschule abrupt endet“, heißt es in einer Antrag, der demnächst im Schulausschuss besprochen werden soll. Es sei nicht hinzunehmen, dass beispielsweise die Kerpener Gesamtschule, an der alle Schulabschlüsse möglich sind, nicht für eine integrative Unterrichtung besonders ausgerüstet sei.

An der Gesamtschule wie auch an der Kerpener Realschule oder am Gymnasium ist die Aufnahme behinderter Schüler lediglich als Ausnahme und nur nach spezieller Prüfung des Einzelfalles möglich. Ein besonderes Schulkonzept, eine besondere Ausstattung mit Lehrkräften und Räumlichkeiten gibt es nicht. Am Kerpener Gymnasium beispielsweise sind nur zwei von 2000 Schülern behindert.

Das wird auf die Dauer so nicht bleiben: Denn vor rund einem Jahr hat der Deutsche Bundestag die UN-Konvention für die Rechte von Menschen mit Behinderungen verabschiedet. Darin ist unter anderem festgelegt, dass behinderte Kinder nicht vom Zugang zu normalen Schulen ausgeschlossen werden dürfen. Sie sollen nicht weiter ausgesondert werden, wenn die Eltern dies nicht wollen.

Italien ist weiter

In anderen Ländern ist dies längst schon umgesetzt: Während in Italien beispielsweise 90 Prozent aller behinderten Kinder an normalen Schulen unterrichtet werden, ist es in Deutschland genau umgekehrt. Der Druck auf die Schulen sich für die Aufnahme behinderter Kinder mehr zu öffnen, wird so steigen. Auch Heide Luckfiel, Schulrätin beim Kreis, würde es begrüßen, „wenn die Kinder in ihren Kommunen auch in der Sekundarstufe im gemeinsamen Unterricht gefördert werden könnten.“ Defizite hier gebe es nicht nur in Kerpen: So sei zur Zeit keine der drei Gesamtschulen im Kreis als Schule mit gemeinsamem Unterricht ausgestattet. Ändern könnten dies nur die Schulen selber, die bei der Bezirksregierung entsprechende Anträge stellen müssten. Diese würden dann wohlwollend geprüft. „Die Initiative muss aber von der Schule ausgehen.“



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