Von Frank Nägele und Till Müller, 12.11.09, 23:08h
Andreas Rettig, DFB-Vorstandsmitglied und Mitglied im Vorstand des Deutschen Fußball-Liga (DFL), sagt im Gespräch mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“: „Es ist heute kein Problem mehr, sich als deutscher Außenminister oder Bürgermeister einer Millionenstadt zu seiner Homosexualität zu bekennen, aber als Fußballer schon. Das ist ein Wahnsinn.“ Der Manager des FC Augsburg, von 2002 bis 2005 in gleicher Funktion beim 1. FC Köln tätig, wünscht sich, dass homosexuelle Fußballer den Weg an die Öffentlichkeit gehen, weiß aber genau um die Problematik: „Der Fußball begreift sich doch immer als Teil der Gesellschaft, der alle gesellschaftlichen Strömungen spürt, so wie jetzt wieder die Wirtschaftskrise. Es ist schwer einzusehen, dass es ausgerechnet beim Thema Homosexualität anders sein soll. Wir müssen dahin kommen, jeden für seine Persönlichkeit zu respektieren und persönliche Eigenheiten nicht als Makel zu begreifen. Aber ich weiß, dass beim Thema Homosexualität die Angst der Fußballer vor Repressalien extrem groß ist. Das macht mich traurig.“
Corny Littmann, schwuler Präsident des FC St. Pauli, vertritt die Ansicht, dass die Zeit für das erste Outing noch nicht gekommen ist. „Ich kann jedem schwulen Fußballer nur davon abraten“, sagte Littmann 2008 in einer Talk-Runde und verwies auf die Mechanismen der kleinen, männlichen geprägten Welt dieses Sports. Das bestätigen auch Betroffene. Wenn, sprechen sie über ihre Homosexualität nur anonym, wie der Spieler einer Amateurmannschaft des Fußball-Verbandes Mittelrhein. In einem unserer Zeitung vorliegenden Interview beschreibt der Mann, der mit 16 einen Selbstmordversuch unternahm, seine Furcht vor dem Outing: „Vor allem aus Angst davor, in der Mannschaft und vom Trainer nicht mehr akzeptiert zu sein. Ich spiele leistungsbezogen Fußball. Es herrscht immer ein harter Konkurrenzkampf um Stammplätze. Die Homosexualität könnte immer als Waffe gegen mich verwendet werden. Im Fußball gibt es einfach dieses Männlichkeitsbild. Man muss kämpfen, man muss grätschen, man muss was ausstrahlen und die Mitspieler anbrüllen. Einem Schwulen traut man das leider nicht zu. Jeder Konkurrent hätte von Beginn an einen Vorteil mir gegenüber.“
Als Menetekel gilt noch heute der tragische Fall des englischen Profis Justin Fashanu, der es 1990 als erster und bis heute einziger aktiver Fußballer gewagt hat, seine Homosexualität bekannt zu machen. Bereits als junger Profi war Fashanu, damals Stürmer bei Nottingham Forrest, von seinem Trainer Brian Clough vor der Mannschaft als „Schwuchtel“ beschimpft worden. Dem späteren Outing folgten Skandale, eine Pressekampagne, die Flucht in die USA, dort wurde Fashanu wegen angeblicher sexueller Übergriffe gegen einen 17-Jährigen angezeigt, aber nicht festgenommen. Nach einer öffentlichen Vorverurteilung erhängte sich der per internationalem Haftbefehl gesuchte Ex-Profi am 2. Mai 1998 im Alter von 37 Jahren. Eine gerichtliche Untersuchung am 9. September 1998 in London kam zu dem Ergebnis, dass es keinen gerichtlichen Haftbefehl gegen den Sportler gegeben hatte und auch die US-Polizei die Untersuchungen zwischenzeitlich wegen eines Mangels an Beweisen eingestellt hatte.
St.-Pauli-Präsident Corny Littmann berichtet immer wieder davon, zu wissen, dass bekannte deutsche Fußballer homosexuell seien aber aus Angst vor Repressalien eine Fassade der Heterosexualität aufbauten. Littmann in einer Talk-Runde: „Es ist unglaublich, wie viel Energie sie darauf verwenden.“
Geld ist a l l e s ???
14.11.2009 | 13.13 Uhr | ischdem
und macht vor nichts halt - gerade im Fussball -
die "Herren" müssen mal runter von ihrem hohen Ross -
Menschenrechte - das Recht auf die…
Outing in der Öffentlichkeit
14.11.2009 | 10.07 Uhr | guennei
Welche sexuelle Ausrichtung jemand hat, ist reine Privatsache. Warum werden Homosexuelle aufgefordert, das öffentlich zu verkünden? Mit Vorurteilen…
schwul?
13.11.2009 | 20.46 Uhr | Perikles0815
Hauptsache guter Fußball!
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