Von Stefan Sauer, 15.11.09, 20:50h, aktualisiert 15.11.09, 20:56h
Man kann das als basisdemokratische Therapie begreifen, die den Forderungen der Delegierten nach mehr Offenheit und Glaubwürdigkeit nachkommt. Der erste große SPD-Konvent nach der verheerenden Wahlniederlage vom September hat deutlich gemacht, dass die Partei eine Fortführung des Politikstils à la Schröder nicht hinzunehmen bereit ist. Gabriel will die Reihenfolge der Meinungsbildung - Führung erkennt Probleme, beschließt Gesetze, kennzeichnet diese als alternativlos und fordert von der Partei ultimativ das Abnicken - umkehren. Um beim Rentenbeispiel zu bleiben: Die Basis wird die Notwendigkeit, in der alternden Gesellschaft länger zu arbeiten, mit Angeboten an jene zu verknüpfen haben, die aus gesundheitlichen Gründen nicht zur Berufsausübung bis zum 67. Geburtstag in der Lage sind. Mit einem Konzept, das Altersarmut vermeidet, keine Anreize zur Frühverrentung setzt, längere Arbeitsleistung belohnt, zugleich bezahlbar bleibt und die Wirtschaft leistungsfähig hält. Das Aufspüren einer solch „eierlegenden Wollmilchsau“ ist erfahrungsgemäß schwer.
Wirklichkeitsnahe PolitikangeboteIm Idealfall entstehen daraus wirklichkeitsnahe Politikangebote, die das Notwendige mit dem Wünschbaren verknüpfen. Gabriel erwartet daher „überzeugende Antworten auf Fragen nach wirtschaftlicher Leistungskraft, sozialer Sicherheit und ökologischer Verantwortung“. Den Idealfall weiter gedacht, könnte die Partei die von Gabriel geforderte „Deutungshoheit“ zu den wichtigen Fragen der Zeit zurück erobern und damit die Mitte der Gesellschaft abbilden; wie vor 40 Jahren Willy Brandt, von dem in Dresden allenthalben die Rede war, mit seiner Ostpolitik und der Öffnung der Gesellschaft. Nicht von ungefähr hat Gabriel „Mehr Demokratie wagen 2.0“ gefordert.
Dass es vom beschriebenen Optimum abweichende Möglichkeiten gibt, hat die SPD am Wochenende bereits bewiesen: Anstatt, wie es nur konsequent gewesen wäre, das Für und Wider einer Vermögenssteuer oder der Bahnprivatisierung offen und sorgfältig zu diskutieren, wurden, ratzfatz, Beschlüsse zum eigenen Wohlbefinden gefasst, die die eigene Argumentation von gestern schnöde negieren.
Gleichwohl: Gabriel bietet seiner Partei die Chance zur Politikgestaltung. Er mutet ihr damit viel zu, ein „Fördern und Fordern“ in eigener Sache, gewissermaßen. Ob die SPD die mentale Kraft und intellektuelle Aufrichtigkeit aufbringt, ihre Chance zu ergreifen, bleibt ungewiss.
Nebelkerzen
17.11.2009 | 16.40 Uhr | coke
Der Parteitag in Dresden war auf maximale Öffentlichkeitswirksamkeit ausgelegt. Von einer inhaltlichen Aufarbeitung der vergangenen elf…
| JETZT BESTELLEN! 4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%. |
|
Anzeige

Frankfurter Rundschau
Regierungschef Papademos - "Griechenland steht am Ground Zero"DSDS - Dieter, verschone uns

EXPRESS
3:0-Sieg gegen Schalke - Currywurst-Prämie! Fohlen scharf auf TitelDSDS nach Recall-Abbruch - Kann Ole die Jury diesmal überzeugen?

Spiegel Online
Fotostrecke: Königin der Soul-DivenZum Tod von Whitney Houston: Sturz eines Engels