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Schweinegrippe

Was ist wirklich ansteckend?

Von Rebekka Rülcker, 16.11.09, 14:43h, aktualisiert 03.12.09, 16:48h

Überall Schweinegrippe - überall Fragen. Wie schützt man sich im Alltag? Wie lange kann der Erreger an der Luft überleben? Wir geben die zehn wichtigsten Anworten und zeigen, wie gefährlich Alltagsgegenstände sind.

Schweinegrippe
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In Deckung: Durch Anniesen überträgt sich das Virus am besten. (Bild: Jupiter)
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In Deckung: Durch Anniesen überträgt sich das Virus am besten. (Bild: Jupiter)
Wohin man auch schaut wird zur Zeit gehustet und geschnieft. Der eine Kollege hat eine laufende Nase, die andere bleibt ein paar Tage zu Hause, weil das Kind Verdacht auf Schweinegrippe hat. Aber muss ich um die beiden in Zukunft einen Bogen machen - oder ist das alles halb so wild? Auch wenn die Schweinegrippe seit Monaten eines der beherrschenden Themen ist, weiß fast keiner so genau, welche Wege die Viren tatsächlich im Alltag nehmen, wo und wann man sich anstecken kann - und wo nicht. Der Arzt und Gesundheitswissenschaftler Dr. Thomas Kurscheid klärt die wichtigsten Fragen rund um den H1N1-Erreger und den Weg in unseren Körper.

1. Wo kann ich mich anstecken?

Die Schweinegrippe ist eine Tröpfcheninfektion, für die es zwei Ansteckungswege gibt. Entweder ich werde direkt angehustet oder angeniest und bekomme die Tröpfchen in Nase, Lunge oder den Mund. Oder ich berühre einen Gegenstand, den vorher ein Virenträger angefasst hat und führte die Hand anschließend an meine Schleimhäute. Der reine Hautkontakt reicht nicht.

2. Welcher Ansteckungsweg ist am wahrscheinlichsten?

Der durch die Luft. Die Viren fliegen bei einem Hustenstoß mit bis zu 150 km / h drei bis vier Meter weit, es reicht also wenn jemand am Schreibtisch gegenüber hustet. Kleine Tröpfchen fliegen weniger weit, schweben dafür aber 10 bis 15 Sekunden in der Luft. Die großen Tropfen fliegen weiter, sinken dafür aber sofort zu Boden.

3. Was passiert bei einer Ansteckung in meinem Körper?

Wenn die Viren in die Lunge gelangen, vermehren sie sich dort und das Immunsystem wird aktiviert und sendet Botenstoffe aus - deshalb leidet man auch an Knochenschmerzen. Die Körpertemperatur steigt, um die Viren zu bekämpfen. Deshalb sollte man nicht direkt zu fiebersenkenden Medikamenten greifen, bei Erwachsenen ist eine Temperatur bis 39 Grad durchaus unbedenklich.

4. Werde ich auf jeden Fall krank, wenn ich die Viren in den Körper bekomme?

Nein, das hängt vom individuellen Immunsystem ab. Junge Leute stecken sich eher an als ältere, dafür verläuft die Krankheit bei Kindern und Jugendlichen oft milder, während ältere Patienten nicht selten ins Krankenhaus müssen. Es hat sich gezeigt, dass Leute, die im letzten Jahr gegen die normale Grippe geimpft wurden, sich weniger oft mit der Schweinegrippe anstecken - obwohl sie gegen die normale Grippe nicht mehr immun sind. Raucher stecken sich häufiger an, weil ihre Lungen stärker angegriffen sind und die so genannten Flimmerhärchen nicht mehr richtig funktionieren.

5. Wie lange ist die Inkubationszeit?

Sehr kurz: Die ersten Symptome tauchen innerhalb weniger Stunden nach der Ansteckung sehr plötzlich und heftig auf. Viele können exakt den Moment beschreiben, wann die Schweinegrippe bei ihnen losgegangen ist.

6. Ab wann bin ich für meine Umwelt ansteckend?

Es ist durch Studien noch nicht eindeutig geklärt, ob man schon vor dem Ausbruch der Krankheit ansteckend ist. Spätestens aber wenn die Symptome auftauchen und dann für ungefähr fünf Tage.

7. Bin ich immun, wenn ich die Schweinegrippe einmal hatte? Ja - solange das Virus sich nicht verändert. Eine Befürchtung ist, dass die Viren sich verändern und eine neue Form entsteht - und die können auch Menschen bekommen, die die Schweinegrippe schon hatten.

8. Wie lange überleben an Gegenständen haftende Viren?

Viren überleben potenziell sehr lange, weil sie kaum Nährstoffe brauchen. Allerdings kommt es auf das Material an, auf dem sie gelandet sind. Sie halten sich schlechter auf Metallgegenständen, auf Silber überhaupt nicht, weil das antiseptisch ist. Auf Plastik überleben Viren jedoch deutlich länger, deshalb sind z. B. Türöffnungsknöpfe ein potenzieller Gefahrenherd.

9. Welche Vorsichtsmaßnahmen sind im Alltag sinnvoll?

Am wichtigsten ist es, sich regelmäßig die Hände zu waschen. Dabei reicht Seife, allerdings sollte man auch zwischen den Fingern waschen und ein Papiertuch verwenden. Finger weg vom Gesicht! Wenn ich direkt angehustet werde, sollte ich mir den Mund ausspülen. Ist das nicht möglich, sofort schlucken - die Magensäure tötet die Viren. Sinnvoll ist es auch, die Nasenschleimhäute feucht zu halten. Sie können zum Beispiel dreimal am Tag eine Nasendusche mit isotonischer Lösung durchführen oder morgens Nasenöl in beide Nasenlöcher tröpfeln. Der einzig sichere Schutz ist die Impfung.

10. Ab wann wirkt der Impfschutz?

Der erste Schutz setzt bei gutem Immunsystem nach einer Woche ein. Der volle Schutz besteht nach 14 Tagen.



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