Von Katrin Diener, 16.11.09, 17:25h, aktualisiert 16.11.09, 19:00h
Die Musik im Tanzsaal klingt wie ein leises Säuseln. Sechs Frauen liegen auf Isomatten. Fußspitze anziehen, strecken, kreisen lassen. „Ohne Aufwärmen fangen wir gar nicht an“, sagt Uschi Pauli, Diplom-Sportlehrerin. Die 45-Jährige trägt eine Wollkappe, ein lila Kleid und aufregende schwarze Pumps. „Wir müssen den Fuß doch auf die hohen Absätze vorbereiten“, sagt sie mit ihrer rauchig-tiefen Stimme. Pauli kennt sich mit High Heels aus. Sie tanzt seit einigen Jahren auf ihnen Tango.
Ein roter Teppich liegt auf dem Parkett im Tanzsaal - das Übungsfeld. Gabi Fiene, biologisch-technische Assistentin an der Universität Köln, balanciert auf ihrem Kopf ein Buch, an ihren Füßen glänzen gold-schwarze High Heels, während sie vorsichtig über den Teppich schreitet. „Meine Tochter ist 17 und läuft super auf so hohen Absätzen.“ Die 44-Jährige streicht sich eine Strähne langer blonder Haare aus dem Gesicht. „Man fühlt sich schon unter Druck und will mithalten“, sagt die zweifache Mutter, die sich für den Kurs die Pumps ihrer Tochter ausgeliehen hat. Die Absätze sind ein wenig verkratzt. „Meine Tochter trägt die in der Disco.“
Stöckelschuh-Kurs aus unterschiedlichen Gründen
Die Frauen haben verschiedene Gründe, den Stöckelschuh-Kurs zu belegen. Gabi Fiene will mit ihrer Tochter mithalten, Ute Pollehn (43) möchte mit hohen Absätzen ein bisschen eleganter wirken, Natalie Lutz (34) versucht, sich ihren hektisch schwankenden Gang abzugewöhnen, und Stefanie Eichelberger (33) will mal etwas anderes als immer nur Turnschuhe tragen. „Aber“, so sagt Trainerin Uschi Pauli, „die Frauen bekommen noch viel mehr. Sie lernen stärker auf ihre Haltung zu achten und bewusster zu gehen.“ High Heels verlängern optisch das Bein, sie verändern die Bewegung. Hüften und Po treten deutlicher hervor und es entsteht der typische wiegende Gang.
Bei Gabi Fiene ist der schon nach den ersten Gehversuchen in Ansätzen zu erkennen. Wieder und wieder läuft sie über den roten Teppich. Mal mit einer Tasche, die sie zuvor elegant vom Boden aufheben musste, mal mit einem Buch auf dem Kopf. Die Lehrerin gibt Anweisungen: „Geradehalten, kleine Schritte, die Füße wie auf eine Linie voreinander setzen.“
High Heels sind nichts für jeden Tag. Auf Dauer können sich durch die hohen Absätze Wadenmuskulatur und Achillessehnen verkürzen. Auch die Füße können sich durch die starke Belastung der Ballen verformen. Das wird auch Cinderella-Syndrom genannt. „Deswegen sind Dehnübungen nach dem Tragen sehr wichtig“, sagt Pauli.
Vor wenigen Wochen haben Pauli und die Initiatorin Carmen Huber die Workshops ins Leben gerufen. „Die meisten Frauen machen die gleichen Fehler“, sagt Eventmanagerin Huber. „Sie gehen zu schnell mit zu großen Schritten und oft wankt ihr Körper dabei hin und her.“ Sie selbst wackelt nicht mehr, seit sie im Juni einen Kursus in New York besucht hat. Die Idee vom „High Heels-Workshop“ hat sie fasziniert und überzeugt. „Ich glaube, dass es für diesen Unterricht in Köln auch Bedarf gibt“, sagt sie. Der Kurs soll keine Models auf ihre Castings vorbereiten. „Wir wollen, dass die normale Frau ihre Angst vor hohen Absätzen verliert.“
Ingrid Lohre hat sich angemeldet, weil es ihr wichtig ist, gut auszusehen und attraktiv zu bleiben, „gerade wenn man älter wird“, sagt sie. „Und wenn man auf hohen Absätzen richtig laufen kann, dann ist das toll. In Russland gelingt das ganz vielen Frauen. Ich war vor ein paar Monaten da und bin echt neidisch geworden“, sagt die 42-Jährige. „Als ich meinem Sohn von dem Kursus erzählt habe, hat er mich gefragt, ob ich eine Tussi werden will. Der Kleine ist fünf.“
Lotosfüße& co
17.11.2009 | 14.01 Uhr | maria_than
Nur die krummgewickelten Füßchen der Chinesinnen alter Zeit (das Ende der jahrelangen Tortur wurde Lotosfüße genannt) stelle ich mir noch attraktiver…
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