Von Thorsten Keller, 16.11.09, 21:16h
Ganz verleugnen kann Bela die selbst ernannte „beste Band der Welt“ auch nicht, wenn er auf Solopfaden wandelt. Der eigenwillige Ärzte-Humor schimmert am ehesten zwischen den Songs durch: Die inszenierten Querelen mit seinen Musikern erinnern an jene Geplänkel mit Farin Urlaub, die seit Jahren zu jeder Ärzte-Show gehören. Auch Belas launige Ansagen ans Publikum („Nicht schlecht, Köln! Fast so gut wie Gießen gestern“) gehören in diese Kategorie.
Musikalisch hat es hingegen den Eindruck, dass Bela B. (ebenso wie Farin Urlaub mit dem Racing Team) seine besseren Songs längst für die Solo-Alben zurückhält. Deutlich abwechslungsreicher als der immergleiche Spaßpunk der Ärzte und zudem mit einer vergleichsweise virtuosen Band im Rücken, spielt sich Bela im E-Werk durch ein Repertoire, das mal an Italo-Western-Soundtracks erinnert („Der Graf mit dem Colt“), und mal in der in der Tradition der bleihaltigen „Murder Ballads“ von Nick Cave steht („Feuer und Benzin“, ein romantisches Duett mit seiner Chorsängerin).
Bei „Hallo Traumfrau“ ertappen die Fans Belas Gitarristen Gary Schmalz sogar bei einem Trompeten-Solo auf der Showtreppe. Kernigen Punkrock gibt es nur zu hören, als sich Bela in einer nostalgischen Jugend-Rückblende ergeht, die so heißt wie der Punkroman von Tony Parsons: „Als wir unsterblich waren“.
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